Wissenswertes aus der "Flohburg", dem Nordhausen-Museum

Ein gerahmtes Foto hinter Glas, das um 1920 ins Museum kam, zeigt Carl Hans Lody als Offizier der kaiserlichen deutschen Marine etwa um 1901. Man zählt ihn auch heute neben der Tänzerin Mata Hari sowie Law-rence von Arabien zu den bekanntesten Spionen des Ersten Weltkrieges.

An Carl Hans Lody erinnert im Stadtmuseum nur ein gerahmtes Foto. Dabei gehört er in die Liga der bekanntesten Spione wie Mata Hari. Foto: Archiv

An Carl Hans Lody erinnert im Stadtmuseum nur ein gerahmtes Foto. Dabei gehört er in die Liga der bekanntesten Spione wie Mata Hari. Foto: Archiv

Foto: zgt

Nordhausen. Die Verbindung von Carl Hans Lody zu Nordhausen entstand durch seinen Vater. Als hier im September 1881 der 2. Bürgermeister Welcker infolge seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Weißenfels aus dem Ratskollegium ausschied, wurde der bisherige Bürgermeister von Oderberg, Gustav Karl Theo- dor Lody, zu seinem Nachfolger gewählt. Die Familie Lody wohnte in der Sedanstraße in Nordhausen, der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße, gegenüber dem Krieger-Denkmal. Der in zweiter Ehe verheiratete Vater starb jedoch schon nach kurzer Krankheit an einer Lungen- und Rippenfellentzündung am 16. Juni 1883, die Stiefmutter zwei Jahre danach.

Hans Lody, geboren in Berlin am 20. Januar 1877, wurde zunächst zu Pflegeeltern nach Leipzig gegeben und 1887 im Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen in Halle untergebracht.

Obwohl er zur See gehen wollte, musste er 1891 eine kaufmännische Lehre antreten, die er jedoch abbrach, um in Hamburg als Schiffsjunge anzuheuern. Er wurde Matrose, bestand die Steuermanns-Prüfung, erwarb das Kapitäns-Patent und wurde Offizier der kaiserlichen deutschen Marine. Da er wegen einer Augenerkrankung keinen Kapitänsposten erhalten konnte, arbeitete er bis zum Juli 1914 als Reiseleiter, zunächst für ein amerikanisches Reisebüro, dann für die Hamburg-Amerika-Linie (Hapag). Bei Kriegsausbruch im August 1914 bot er der deutschen Admiralität in Berlin seine Dienste als Spion im Ausland an. Er sprach fließend Englisch mit amerikanischem Akzent, besorgte sich von der Botschaft der USA einen Pass, der ihn als US-Bürger Charles A. Inglis auswies, und reiste als Spion des Marine-Nachrichtendienstes am 14. August 1914 von Hamburg ins neutrale Norwegen, von dort nach Newcastle, wo er am 27. August eintraf.

Im Raum Edinburgh nahm er seine Spionage-Tätigkeit auf und beobachtete Stützpunkte der britischen Marine. Bereits nach fünf Tagen gab er eine telegrafische Nachricht an eine Tarnadresse in Stockholm weiter, die wahrscheinlich dazu führte, dass am 5. September das deutsche U-Boot U 21 das erste Schiff des Krieges versenken konnte, den Kreuzer "Pathfinder".

Hans Lody war kein professioneller Spion. Er handelte äußerst leichtfertig, indem er in Telegrammen einen einfach zu durchschauenden Code benutzte und Briefe in Englisch und Deutsch zur Stockholmer Deckadresse sandte. Seine Aktivitäten machten ihn bald verdächtig. Als man ihn in Irland am 2. Oktober 1914 verhaftete, fand man in seinem Hotelzimmer deutsches Geld. In seinem Notizbuch sogar den Inhalt des ersten Telegramms sowie Adressen in Deutschland. In seinem Jackett, das die Polizei in Edinburgh beschlagnahmte, standen die Namen Carl Hans Lody und der Firmenname seines Berliner Schneiders.

Ein Kriegsgericht verurteilte Carl Hans Lody zum Tode durch Erschießen. Die Verteidigung betonte, dass er als Offizier im Dienste seines Landes legitim gehandelt habe.

Aus der freigegebenen Akte des britischen Security Service sei noch Folgendes entnommen: Am frühen Morgen des 6. November 1914 wurde er aus seiner Zelle im Tower of London geholt. Er soll den Offizier, der ihn zur Hinrichtung eskortierte, gefragt haben: "I suppose that you will not care to shake hands with a German spy." "No", the officer replied; "but I will shake hands with a brave man." Seit mehr als 150 Jahren war im Tower keine Hinrichtung mehr gesehen worden.

Es sollte angemerkt werden, dass Nazi-Deutschland den Spion Hans Lody zum Nationalhelden machte und seinen Namen missbrauchte. Am Haus Sedanstraße 8 in Nordhausen wurde im Mai 1934 eine Gedenktafel für ihn angebracht sowie eine Straße nach ihm benannt. Ein Zerstörer der Kriegsmarine erhielt 1935 seinen Namen. Er wurde 1946 an Großbritannien übergeben. In Nordhausen erinnert an Hans Lody nicht mehr viel.