30 Jahre Währungsunion: Nach der Euphorie kam der Katzenjammer

Erfurt.  Mit der D-Mark-Umwandlung von 1990 gingen Träume vieler DDR-Bürger in Erfüllung – und zwei Drittel der Wirtschaft kaputt.

Um schnell ans Westgeld zu kommen, standen die Menschen am Tag der Währungsunion vor den Sparkassen früh Schlange. (Archivfoto)

Um schnell ans Westgeld zu kommen, standen die Menschen am Tag der Währungsunion vor den Sparkassen früh Schlange. (Archivfoto)

Foto: Peter Riecke

Für viele DDR-Bürger war es der Vollzug der Wende: Quasi über Nacht gab es den Lohn in der begehrten Westmark. Eigens dafür hatten Betriebe die Gehälter ihrer Mitarbeiter kurz vorher noch einmal angehoben. Um möglichst viel vom Gesparten 1:1 umtauschen zu können, transferierten Familien und Freunde große Geldmengen untereinander. Die Westmark stand für Reisen, schickere Autos, besseren Kaffee und gut riechende Seife.

Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Von heute auf morgen tauschten Geschäfte ihre Sortimente aus. Nicht einmal mehr Brot und Butter sollte „von hier“ sein. Kleidung, Schuhe, Heimelektronik und Kameras „Made in GDR“ wurden zu Ladenhütern. Betriebe bekamen ihre Waren auf den Ostmärkten nicht mehr los, weil die Abnehmer dafür nicht in Westwährung zahlen konnten oder wollten.

Es gab mahnende Stimmen, die vorab vor dem Ausverkauf der DDR-Wirtschaft warnten. Im Nachhinein sprechen Autoren wie die Schriftstellerin Daniela Dahn von einem großen Volksbetrug. Die DDR-Bürger seien belogen, Sprüche wie „Kommt die D-Mark nicht nach hier, gehen wir zu ihr“ in westdeutschen Hinterzimmern erdacht und bei den Demos lanciert worden. Für andere war die Währungsunion alternativlos – nicht zuletzt, um Fachkräfte im Land zu halten. Durch den „großen Ostwestgeldtransfer“ sollten die geteilten Gesellschaften einander näher rücken, stattdessen traten die Unterschiede umso deutlicher hervor.

Niemand zwang die Ostdeutschen, keine Schuhe von Paul Schäfer (Lingel) mehr zu kaufen. Dass man dort selbst auf neuen, schicken Produktlinien sitzen blieb, trug ebenso zum Ende der traditionellen Thüringer Schuhindustrie bei wie die fehlende Bereitschaft etwa der Treuhand, zunächst in eine Stabilisierung und Modernisierung bestehender Betriebe zu investieren. So läutete die Währungsunion letztlich das Aus von gut zwei Dritteln der DDR-Wirtschaft ein.

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