Ältere Menschen im Kreis Gotha haben immer häufiger Schulden

Gotha  Arbeitslosigkeit als Hauptgrund für Zahlungsrückstände. Landkreis Gotha unterstützt Beratungsstelle mit 110.000 Euro

Oftmals suchen Menschen bei der Gothaer Schuldnerberatung Hilfe, die durch Arbeitslosigkeit in die Schulden geraten sind.

Oftmals suchen Menschen bei der Gothaer Schuldnerberatung Hilfe, die durch Arbeitslosigkeit in die Schulden geraten sind.

Foto: Jochen Lübke/ DPA

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„Schulden können jeden treffen“, sagt Petra Gierke. Der Leiterin der Gothaer Beratungsstelle für Schuldner und Verbraucherinsolvenz des Thüringer Arbeitslosenverbandes zufolge steigt die Zahl der verschuldeten Haushalte im Kreis stetig an. Umso mehr freute sich Gierke am Montag über eine Zuwendung des Landkreises in Höhe von 110.000 Euro, die sie von Landrat Onno Eckert (SPD) entgegennahm. Der Betrag finanziert die Lohn- und Sachkosten der Einrichtung – und stellt sicher, dass die Arbeit des vierköpfigen Teams unverändert fortgesetzt wird.

„Die Schuldner werden nicht weniger. 2018 haben wir 913 Haushalte betreut“, sagt Gierke, die seit Eröffnung der Beratungsstelle 1992 einen kontinuierlichen Anstieg der Hilfesuchenden beobachtet. (Zum Vergleich: 2017 betreute die Einrichtung 898 Fälle, 2016 waren es noch 878.)

Ver- oder überschuldete Haushalte und Personen aus dem Kreis finden in der Einrichtung neutrale, kostenfreie Hilfe. Viele der Klienten werden über mehrere Jahre hinweg betreut.

Wie aus dem Jahresbericht 2018 der Beratungsstelle hervorgeht, wurden 573 Haushalte allgemein zu Schulden beraten, während 340 Haushalte im Rahmen von Insolvenzverfahren betreut wurden. „Für 180 Fälle konnte die Beratung beendet werden. Gleichzeitig kamen 170 neue Klienten dazu“, sagt Gierke. Die mittlere Schuldenhöhe belief sich auf 28.300 Euro, rund die Hälfte der Haushalte habe bei mehr als elf Gläubigern in der Kreide gestanden. Den Hauptanteil aller Schulden machten dabei Kleinst- und Dispositionskredite aus.

„Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist in den letzten Jahren leicht gestiegen. Es liegt aktuell bei 42 Jahren“, sagt die Leiterin der Beratungsstelle. Dem verbreiteten Bild eines typischen Schuldners, der über seinen Verhältnissen lebt, widerspricht Gierke. Eine Zunahme sei vor allem bei den über 60-Jährigen zu verzeichnen, die durch niedrige Renten in Verbindung mit dem Tod des Ehepartners und somit dem Wegfall eines zweiten Einkommens ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr bedienen konnten.

Mit etwa 20 Prozent aller Fälle sei Arbeitslosigkeit beziehungsweise reduzierte Arbeit der häufigste Grund dafür, die Beratungsstelle aufzusuchen. „Durch den wiederholten Wechsel des Arbeitsplatzes können Menschen ebenfalls in Schulden geraten“, sagt Gierke. Das geschehe oftmals in Verbindung mit Rückforderungen des Jobcenters an die Haushalte, die neben dem Einkommen aus dem Arbeitsverhältnis auch staatliche Zuwendungen erhalten. Auch Leih- oder Teilzeitarbeit zählten zu den Hauptursachen für den Gang zur Beratungsstelle, so Gierke weiter.

Gut jeder zehnte Klient der Schuldnerberatung gerate durch Scheidung oder Trennung, durch Krankheit oder unwirtschaftliche Haushaltsführung in die Schulden. Letzterer Problemkreis habe sich in den vergangenen zehn Jahren annähernd verdoppelt. Vor allem jüngeren Menschen fehlte häufig der Überblick zur eigenen Einkommens- und Ausgabensituation, meint Gierke. Weniger häufig führten Suchterkrankungen oder gescheiterte Immobilienfinanzierungen dazu, dass Betroffene Hilfe bei der Schuldnerberatung suchten.

Noch eine weitere Tendenz stellte das Team um Gierke fest: So hat der Anteil der ver- oder überschuldeten Frauen über die Jahre stetig zugenommen. „Vor allem alleinerziehende Mütter waren unter den Ratsuchenden“, sagt Gierke. „Außerdem hatten 2018 knapp 60 Prozent der Betroffenen bereits ein Pfändungsschutzkonto.“ Dies zeige, dass die Personen zuvor bereits über Jahre hinweg Schulden gehabt hätten.

Die Beobachtungen, die die Beratungsstelle in ihrer Jahresbilanz 2018 festhält, bestärken auch den Landrat in der Unterstützung der Einrichtung als niedrigschwelliges Angebot. „Der Bedarf für eine solche Anlaufstelle ist nach wie vor festzustellen“, sagt Eckert.

Die Schuldnerberatung in der August-Creutzburg-Straße 17 in Gotha ist unter Tel. (03621) 403208 zu erreichen. Freie Sprechstunde donnerstags 9 bis 12 Uhr & 13 bis 16 Uhr.

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