Anwohner fordern Baustopp für neuen Funkturm in Ammern

Ammern. Für den weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes in Mühlhausen und dem Umland wird gegenwärtig am nördlichen Ortsrand von Ammern ein neuer Funkturm errichtet.

Weil offenbar das Gros der Anwohner aber erst jetzt mit dem Bau des Fundamentes von dem Projekt und möglichen Auswirkungen erfahren hat, also elektromagnetische Strahlung befürchtet, regt sich öffentlicher Widerstand.

Ein Grundstücksanlieger hat gegen die erteilte Baugenehmigung Widerspruch beim zuständigen Fachdienst Bau und Umwelt des Landratsamtes Unstrut-Hainich sowie beim Verwaltungsgericht Weimar eingelegt.

Auch die Gemeinde Unstruttal hatte in ihrer Stellungnahme zum Ausdruck gebracht, dass der Standort des Funkturms „Am Brühl 6“ in Ammern ungeeignet ist, weil er sich in unmittelbarer Nähe von einem Wohngebiet und einem Pflegeheim befindet. Außerdem würde der insgesamt etwa 42 Meter hohe Stahlgittermast für eine Mobilfunkbasisstation in keiner Weise zum Dorfbild passen.

Bürgermeister Gött bedauert Konfrontation

„Dass man sich über den Bürgerwillen hinwegsetzt und die Konfrontation sucht“, will Unstruttals Bürgermeister Jürgen Gött (pl) nicht verstehen.

Der eingelegte Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung und es kann weiter gebaut werden. Das sagte Norbert Förster, der Fachdienstleiter Bau und Umwelt des Landratsamtes, am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Das Verwaltungsgericht würde jedoch prüfen, ob die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs wiederhergestellt werden kann. Somit befindet sich das umstrittene Bauprojekt noch etwas in der Schwebe.

Die Untere Bauaufsicht des Landkreises machte aber deutlich, dass das Vorhaben an diesem Standort uneingeschränkt zulässig sei. Zu der von der Gemeinde in ihrer Begründung genannten Wohnbebauung bestehe ein Abstand von etwa 80 bis 90 Metern.

Dazwischen liege der Flußlauf der Unstrut mit ihrem aus mittelgroßen Bäumen und Buschwerk bestehendem Uferbewuchs. Zudem sei das betreffende Baugrundstück dem „unverplanten Außenbereich“ zuzurechnen, so die Bauaufsicht weiter. Dem Vorhaben würde keine Beeinträchtigung öffentlicher Belange entgegenstehen.

Auch die nachbarrechtlichen Belange würden nicht verletzt. Das Ortsbild würde durch die Errichtung des Sendemastes keine besondere Prägung erfahren, die eine „nachhaltige und unerträgliche Störung auslöst“ und dazu geeignet sei, sich negativ auf die Entwicklung der Gemeinde auszuwirken, entgegnet die Behörde den aufgekommenen Bedenken von Verwaltung und Bürgern. Ängste von Anwohnern vor der Mobilfunk-Strahlung durch den neuen Funkturm teilt insbesondere auch Ammern Schulleiterin und Gemeinderätin Claudia Zanker (SPD): „Die Gefahr für die gesundheitliche Beeinträchtigung besteht schon.“

Die Leipziger Außenstelle der Bundesnetzagentur widerspricht den auch andernorts immer wieder geäußerten Befürchtungen in ihrer Standortbescheinigung Nummer 89011449 vom 7. März 2014: „Die Emissionen der in der Standortbescheinigung berücksichtigten Sendeantennen sowie die von umliegenden ortsfesten Funkanlagen herrührenden relevanten Immissionen wurden bei der Festlegung des einzuhaltenden standortbezogenen Sicherheitsabstandes berücksichtigt.“

Neben dem Widerspruch des unmittelbaren Grundstücksanliegers Michael Reinig, wünschen sich die Anwohner des Wohngebietes „Am Mühlgraben“ in einer Unterschriftenaktion von der Gemeindeverwaltung Unstruttal, sich für einen Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten stark zu machen.

Die besorgten Anwohner fordern sogar einen Baustopp. Zumindest solange, bis die Einwände der Bürgerschaft zu dem neuen Mobilfunkmast unmittelbar vor ihrer Haustür aus dem Weg geräumt sind.

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