Berlin. Gleiches Geld für gleiche Arbeit, so steht es im Gesetz. Die Wirklichkeit sieht für viele Frauen anders aus. Sieben Sofortmaßnahmen.

Auch in Deutschland verdienen Frauen weniger als Männer. Und zwar so viel weniger, dass sie statistisch gesehen bis zum 6. März 2024 umsonst arbeiten. Männer hingegen werden in dem Modell bereits seit Jahresbeginn für ihre Arbeit bezahlt.

Auf diesen Missstand weist der jährliche Aktionstag am 6. März hin – der sogenannte Equal Pay Day.

Einen um 18 Prozent geringeren Bruttostundenlohn bekamen Frauen 2023 im Schnitt. In harten Zahlen: über 9300 Euro, die Vollzeiterwerbstätigen pro Jahr im Portemonnaie fehlen. Im Fachjargon heißt das: unbereinigter Gender-Pay-Gap.

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Gender-Pay-Gap: Warum Frauen bei gleicher Arbeit immer noch weniger verdienen

Viele Frauen treten der Familie wegen beruflich kürzer, pflegen Angehörige und arbeiten daher vermehrt in Teilzeit. Sie kommen seltener in Führungspositionen. Branchen und Jobs mit mehrheitlich weiblichen Angestellten sind oft unterbewertet und schlechter bezahlt.

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Selbst wenn man diese vermeintlich erklärbaren Ursachen herausrechnet, also bereinigt, bleibt ein unerklärter Rest. Im Jahr 2023 lag dieser Lohnunterschied in Deutschland immer noch bei sechs Prozent.

Gegensteuern wollte die Politik 2017 mit dem Entgelttransparenzgesetz. In der Praxis ist das Gesetz aber eher ein zahnloser Tiger als ein wirksames Instrument zur Bekämpfung der Lohnungleichheit. Das zeigte auch der von der Bundesregierung in Auftrag gegebene zweite Evaluationsbericht. Zu unbekannt sei das Gesetz. Die Hürden, es anzuwenden: groß. Dank einer EU-Richtlinie muss Deutschland nun bis spätestens 2026 nachschärfen.

Frauen im Beruf können sich gegenseitig unterstützen und so mehr Sichtbarkeit, Verantwortung und ein höheres Gehalt anstreben.
Frauen im Beruf können sich gegenseitig unterstützen und so mehr Sichtbarkeit, Verantwortung und ein höheres Gehalt anstreben. © iStock | jacoblund

Frauen: 7 Tipps für mehr Gehalt und Geld in der Tasche

Lohndiskriminierung hinnehmen brauchen Frauen trotzdem nicht. Deswegen hat der Geldratgeber Finanztip sieben Tipps für mehr Gehalt und mehr Geld in der Tasche zusammengestellt.

1. Rente aufbessern mit Kindererziehungszeiten

Wer Kinder hat, kann sich mit den Kindererziehungszeiten drei zusätzliche Rentenpunkte sichern. Ein Plus von 112 Euro monatlich im Alter. Einfach bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) den entsprechenden Antrag stellen. Wer schon mal dabei ist, kann direkt online einen Termin zur Kontenklärung vereinbaren. Übrigens hilft die DRV auch bei der Berechnung der Rentenlücke.

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2. Übers Gehalt sprechen

Und zwar auch dann, wenn es eine Klausel im Arbeitsvertrag eigentlich verbietet. Die ist nämlich rechtlich unzulässig. Tipp: Statt die Kollegen zu fragen „Wie viel verdienst du?“, lieber fragen „Verdienst du mehr als 50.000 Euro?“. Oder nach einer Spanne fragen. Das erhöht die Chance auf eine Antwort.

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Portale wie Kununu oder Glassdoor geben ebenfalls gute Anhaltspunkte dafür, ob denn nicht mal wieder eine Gehaltsanpassung fällig sei. Mit dem Wissen um den eigenen Marktwert und guten Argumenten verhandeln Angestellte gleich viel selbstbewusster ihr Gehalt. Ach, und sich nicht abspeisen lassen mit „Ihr männlicher Kollege hat einfach besser verhandelt“. Dass das kein Argument ist, hat das Bundesarbeitsgericht im vergangenen Jahr entschieden.

3. Regelmäßig Verträge checken

Auf diesem Weg lässt sich die Sparquote erhöhen. Vielleicht gibt es den Handytarif mit besseren Konditionen für deutlich weniger Geld bei einem anderen Anbieter? Nicht sinnvolle Versicherungen wie Handy- oder Brillenversicherung kündigen. Und ehrlich zu sich selbst sein: Habe ich mein Fitnessstudio schon seit ein paar Jahren nicht mehr von innen gesehen, dann sollte ich den Vertrag vermutlich kündigen.

Erfolgreich und selbstbewusst im Job: Bei Frauen macht sich das laut Studien noch zu wenig beim Gehalt bemerkbar.
Erfolgreich und selbstbewusst im Job: Bei Frauen macht sich das laut Studien noch zu wenig beim Gehalt bemerkbar. © iStock | Portra

4. Auf einen guten Anlagemix setzen

Ein guter Geldanalage-Mix braucht nicht mehr als Tagesgeld, Festgeld und Aktien-ETFs. Für den Notfall zwei bis drei Monatsnettogehälter auf einem Tagesgeldkonto parken, um nicht in den teuren Dispo zu rutschen. Geld, das ich erst in ein bis zwei Jahren brauche, schiebe ich auf ein gut verzinstes Festgeldkonto – bis zu vier Prozent Zinsen sind derzeit wieder drin.

Für die langfristige Geldanlage, wie beispielsweise die Altersvorsorge, eignen sich Aktien. Am einfachsten und günstigsten sind Aktienindexfonds (ETFs). Weltweit gestreut und 15 Jahre und länger angelegt hat man das Börsenrisiko gut im Griff.

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5. Mit dem Chef oder der Chefin fürs Alter sparen

Bietet der Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge oder vermögenswirksame Leistungen zu guten Konditionen an? Dann heißt es für Sie: Mitnehmen!

6. Mit dem Partner über Geld sprechen

Wer mehr Zeit für die Familie aufbringt, also die sogenannte Care-Arbeit übernimmt und dafür die Erwerbsarbeit herunterschraubt, sollte darüber sprechen, wie eine faire Aufteilung aussehen kann. Care-Arbeit ist Arbeit, bringt aber weder Lohn noch Rentenpunkte – wenn man nicht selbst aktiv wird.

Wenn es finanziell möglich ist, kann eine Ausgleichszahlung in eine Altersvorsorge vereinbart werden. Natürlich auf den Namen der Person, die beruflich kürzertritt.

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7. Immer wieder auf die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen

Damit es Texte wie diesen und spezielle Finanztipps für Frauen bald nicht mehr braucht.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Der Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.