Bad Langensalza: Debatte über den Kauf des Bahnhofsgebäudes

Bad Langensalza  Nach einem Ortstermin kommt wieder Bewegung in die Diskussion um den repräsentativen, aber heruntergekommenen Bau, der zum Verkauf steht. Der russische Eigentümer will verkaufen.

Das Bahnhofsgebäude in Bad Langensalza steht seit Monaten zum Verkauf. 

Das Bahnhofsgebäude in Bad Langensalza steht seit Monaten zum Verkauf. 

Foto: Klaus Wuggazer

Soll die Stadt das verwahrloste Bahnhofsgebäude kaufen? Über dieses Thema entbrannte am Dienstag im Hauptausschuss eine Debatte. Volker Pöhler (CDU) hatte dazu nachgefragt, weil es am selben Tag eine Besichtigung des Gebäudes gegeben hatte. Dabei waren unter anderem Bürgermeister Matthias Reinz (parteilos), die Baubehörde sowie ein Vertreter des russischen Besitzers anwesend, der das Gebäude für 111.000 Euro verkaufen will.

„Wir waren erschüttert vom Zustand“, sagte Reinz. Er hatte, als das Verkaufsangebot 2017 erschien, angekündigt, Kontakt zum Besitzer zu suchen. Im Oktober hatte er im Gespräch mit unserer Zeitung allerdings davor gewarnt, nur den scheinbar günstigen Kaufpreis zu sehen: „Das wäre angesichts der nötigen Investitionen ein Fass ohne Boden.“ Nun sagte er, dass es „mein Interesse als Stadt ist, den Bahnhof wieder zu besitzen“.

Man werde nach dem Termin Auflagen erstellen, wie das Haus gesichert werden muss. Möglicherweise relativiere sich angesichts der Kosten dafür dann der Verkaufspreis. Immer wieder gibt es dort schweren Vandalismus. Auch die Feuerwehr nahm schon Notsicherungen vor.

2010 hatte die Bahn das Gebäude zum Verkauf angeboten, 2013 erhielt eine Immobilienfirma aus Luxemburg den Zuschlag für 18.000 Euro. 2015 übernahm ein Russe den Bau, wohl für 27.000 Euro. Bereits 2013 war der letzte Mieter, ein Taxi-Unternehmen, auszogen. 2016 versuchten Jugendliche, das Gebäude mit Zustimmung des Eigentümers als Club zu nutzen. Auch dies scheiterte, der Verfall ging weiter.

Interesse, aber Warnung vor uferlosen Kosten

Hans-Joachim Büttner (CDU) warnte deshalb vor einem Kauf: „Die Kosten werden in die Millionen gehen.“ Natürlich brauche es vorher ein trägfähiges Nutzungskonzept, entgegnete Matthias Reinz. Aber wenigstens die Fassade des repräsentativen Gebäudes müsste wieder hergerichtet werden. Volker Pöhler meinte ebenfalls: „Wir sollten drüber nachdenken. Wir können das Gebäude ja nicht wegtragen und müssen eine Lösung suchen.“ Monika Ortmann (Linke) gab ihm recht: Der Bahnhof begrüße viele Gäste der Stadt und präge damit ihr Bild. Da gelte besonders für die Bundesgartenschau 2021.

Torsten Wronowski (WIR) begrüßte den Vorstoß auch und meinte, man solle Fördermöglichkeiten suchen oder ein Projekt mit Architektur-Studenten prüfen. Alexander Ernst (FDP) mahnte, vor einer Entscheidung alle Aspekte sorgsam zu prüfen. Dass der Druck auf den Eigentümer steige, sei gut. Aber alles andere müsse man sehen, „ohne in Euphorie zu verfallen“.