Bahn will Kleinbahnbrücke an Artern verkaufen

Artern  Kurze Anbindung aus der Stadt zum Unstrut-Radweg führt über die Brücke. Maroder Belag muss erneuert werden

Der Belag der Kleinbahnbrücke in Artern ist marode. Sollen hier noch Radfahrer drüber rollen, muss er bald erneuert werden. Foto: Holger John

Der Belag der Kleinbahnbrücke in Artern ist marode. Sollen hier noch Radfahrer drüber rollen, muss er bald erneuert werden. Foto: Holger John

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Die alte Kleinbahnbrücke nahe dem Arterner Bahnhof wird den Stadtratsmitgliedern in der nächsten Sitzung Kopfzerbrechen bereiten. Denn sie müssen sich entscheiden, ob die Stadt das Bauwerk von der Bahn AG übernimmt.

Wichtig ist die Brücke vor allem für die schnelle Erreichbarkeit des Unstrutradwegs. Wer mit dem Fahrrad am Arterner Bahnhof ankommt, gelangt über die hölzerne Kleinbahnbrücke auf kurzem Wege auf den Radwanderweg, der zum einen weiter in Richtung Ritteburger Schleuse und in der anderen Richtung nach Reinsdorf, Hel-drungen und Sachsenburg führt.

Doch wer über die Brücke rollt, hat inzwischen äußerst marode Holzplanken unter den Rädern. „Der Belag ist sehr schlecht und auch die Unterkonstruktion, auf der die Bohlen aufliegen, hat Mängel“ sagte Arterns Bauamtsleiterin Antje Große auf TA-Anfrage.

Wenn die Kleinbahnbrücke auch in der neuen Fahrradsaison genutzt werden soll, dann müsste sie kurzfristig repariert werden. Einen Kostenvoranschlag hat die Stadt schon eingeholt – rund 44 000 Euro könnte allein die Instandsetzung des Belags kosten.

Doch neben dieser nicht unerheblichen Ausgabe müssen die Stadträte auch über eine Frage mit noch größerer Tragweite entscheiden. Der Pachtvertrag mit der Bahn AG, den Artern 2000 für die Kleinbahnbrücke geschlossen hatte, ist jetzt nach 15 Jahren ausgelaufen.

Im Frühling vergangenen Jahres habe man die Bahn angeschrieben und um eine Verlängerung des Pachtvertrages gebeten, sagt Antje Große. Als Antwort kam das Angebot, die Stadt möge die Brücke doch gleich ganz kaufen – zu einem symbolischen Preis.

Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar. Die Bahn AG hat so gar keine Verwendung mehr für die Brücke der Kleinbahn, die schon 1967 stillgelegt wurde.

So lange sie aber Eigentümerin der Brücke ist, obliegt ihr auch die Verkehrssicherungspflicht. Die würde bei einem Verkauf zusammen mit dem Bauwerk an die Stadt übergehen. Antje Große sieht denn auch weniger das Schnäppchen, dafür die drohenden Folgekosten. Im Moment sei die Brücke noch standsicher. Aber mit Blick auf ihr Alter ist auch der Tag nicht mehr allzu fern, da sie grundhaft überholt werden muss. „Das muss der Stadtrat entscheiden, ob wir jetzt noch eine marode Brücke übernehmen – zusätzlich zu denen, die wir schon haben“, sagt sie.

Übernimmt die Stadt die Brücke nicht, könnte das in absehbarer Zeit das Aus für die kurze Anbindung zum Unstrut-Radwanderweg bedeuten. Denn wenn die Bahn es nicht mehr verantworten kann, Radfahrer über das marode Bauwerk kurbeln zu lassen, wird sie es wohl schlichtweg sperren.

Ohne Brücke muss man großen Umweg radeln

Die Alternative für Radfahrer wäre ein längerer Umweg durch die Stadt. Wer vom Unstrutradwanderweg nach Artern reinradeln will, müsste dann den großen Unstrutbogen fahren, um über die Wasserstraße in Richtung Innenstadt zu kommen. Radtouristen, die am Arterner Bahnhof ankommen, müssten in der Gegenrichtung durch die ganze Stadt fahren, um nahe dem Unstrutbogen Anschluss an den Radweg zu finden.

Bürgermeisterin Christine Zimmer (CDU) hält zwar den Tourismus für eine Branche, in der auch für Artern noch Potenzial steckt. Bei der Kleinbahnbrücke allerdings hat sie ihre Zweifel: „Ich denke, das können wir uns nicht leisten“, sagte sie im TA-Gespräch.

Entscheiden indes muss nun der Arterner Stadtrat.

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