600 setzten rechtsextremem Auflauf in Weimar erneut enge Grenzen

Weimar. Rechtsextreme Provokateure mischten sich in das Kundgebung vom Weimarer Bürgerbündnis. Der Einsatzleider der Polizei wurde von einem rechten Täter attackiert und verletzte sich dabei leicht.

Ein Neonazi (unten links) wirft eine Rauchbombe in die dicht gedrängt auf dem Platz stehende BGR-Kundgebung. Foto: Michael Baar

Ein Neonazi (unten links) wirft eine Rauchbombe in die dicht gedrängt auf dem Platz stehende BGR-Kundgebung. Foto: Michael Baar

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Es hätte ein rundum erfolgreicher Protesttag sein können. Am Ende schmälerten Konflikte zwischen Polizei und Teilnehmern der Kundgebung des Bürgerbündnisses gegen Rechtsextremismus den Erfolg.

Rund 600 Gegendemonstranten hatten sich in Weimar einem Häuflein von 79 Neonazis entgegen gestellt, die zum wiederholten Mal die Bombenopfer vom 9. Februar 1945 für ihre Propaganda instrumentalisieren wollten. Etwa 500 Menschen, die gegen den rechten Aufmarsch protestierten, hatten sich bereits gegen 11 Uhr auf dem Goetheplatz getroffen.

OB Stefan Wolf, Alt-OB Volkhardt Germer, SPD-Fraktionschef Friedrich Folger, Apoldas Stadtoberhaupt Rüdiger Eisenbrand, aber auch DNT-Intendant Hasko Weber zeigten hier Gesicht. Als sich die ersten Rechtsextremen am Bahnhof sehen ließen, machte sich ein Protestzug des Bürgerbündnisses gegen Rechts auf den Weg durch die Schwansee-, die Bad Hersfelder und die Falkstraße. Auf dem Zeppelinplatz geriet jedoch plötzlich Bewegung in den Zug. Etliche der Demonstranten rannten über den Platz in Richtung Pabststraße, um zum Bahnhof zu gelangen. Das Ansinnen scheiterte. Stadtring, Pabst- und Röhr­straße waren abgeriegelt.

Den Rechtsextremisten blieb angesichts der Übermacht von Gegendemonstranten dennoch allein der Weg vom Bahnhof über die Ernst-Thälmann-Straße und zurück. Die Seitenstraßen waren von Polizeieinheiten aus Thüringen, Sachsen und von der Bundespolizei so abgeriegelt, dass beide Kundgebungen nicht in Kontakt kommen konnten.

In der Röhrstraße hatte sich eine so große Menge an Gegendemonstranten angesammelt, dass die Reden der Rechtsextremen trotz Lautsprechern in den Schmährufen der Antifaschisten untergingen. Die Rechten wiederholten sie deshalb am Ende - in der menschenleeren Schopenhauerstraße.

Den Neonazis blieb nur noch, wieder abzurücken. Das allerdings ging nicht ohne provokatives Aufbauen vor den nach Hunderten zählenden Gegendemonstranten ab, die sich hinter den Absperrgittern am Baudertplatz versammelt hatten. Ihr Erfolg: Es gab in der Menge Menschen, die offenbar nur auf diese Provokation gewartet hatten. Denn es flogen nicht nur Papierkorbinhalte, sondern auch Flaschen und dann eine, später eine zweite Rauchbombe, wie man sie aus Fußballstadien kennt. Ein Teilnehmer der zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelösten rechten Kundgebung nahm die erste Rauchbombe auf und warf sie in die dicht gedrängt stehenden Gegendemonstranten.

Polizeibeamte drängten den Werfer sofort ab und nahmen ihn in Gewahrsam. Andere Neonazis drängten nach. Plötzlich lag Polizeichef Ralf Kirsten auf dem Gehweg. Der Einsatzleiter habe einen der Neonazis aufgefordert, seine Vermummung abzunehmen und sei gestoßen worden, hieß es später. Kirsten verletzte sich beim Sturz an der Hand. Die mutmaßlichen Täter wurden ebenfalls festgesetzt.

Zur gleichen Zeit griffen Beamte auch in der Gegendemonstration zu und versuchten, die Provokateure ausfindig zu machen. Die Versammlungsleitung forderte energisch nach einem Ansprechpartner, da die angemeldete Kundgebung noch nicht beendet sei. Das Gespräch mit einem Kommunikationsbeamten war gerade beendet und die Stimmung beruhigt, da rammte sich die Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit (BFE) eine Gasse durch Teilnehmer und Umstehende fünf bis zehn Meter in die Kundgebung hinein. Der junge Mann, der so aus der Menge heraus gezerrt wurde, sei einer Straftat verdächtig gewesen, hieß es später zur Begründung.

Die Polizei nahm insgesamt 20 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, tätliche Angriffe auf Polizeibeamte, das Verwenden von Pyrotechnik und Sachbeschädigungen auf. Drei Einsatzfahrzeuge hatten Schaden genommen.

Wirkliche Deeskalation trat erst ein, als BFE und Bereitschaftspolizei abgezogen wurden. Den abschließenden Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Markt begleiteten allein einheimische Beamte. Er blieb ohne Zwischenfälle.

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