Baggerschaufel teilt Fliegerbombe: 167 Menschen evakuiert

Erfurt  Anwohner atmen auf, als der Kampfmittelräumdienst den Blindgänger amerikanischer Bauart vor Ort entschärfen kann

Eine Fliegerbombe wurde am Montagmittag in Erfurt am Kreuzchen gefunden. Bewohner der Umgebung wurden evakuiert und mit Bussen der EVAG aus der Gefahrenzone gebracht. Die Binderslebener Landstraße war etwa zwei Stunden lang für den Verkehr gesperrt, auch der Hauptfriedhof blieb zeitweilig geschlossen.

Eine Fliegerbombe wurde am Montagmittag in Erfurt am Kreuzchen gefunden. Bewohner der Umgebung wurden evakuiert und mit Bussen der EVAG aus der Gefahrenzone gebracht. Die Binderslebener Landstraße war etwa zwei Stunden lang für den Verkehr gesperrt, auch der Hauptfriedhof blieb zeitweilig geschlossen.

Foto: Vesselin Georgiev

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Mit seiner Baggerschaufel auf eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg getroffen ist gestern Vormittag bei Kanalschachtarbeiten ein Bauarbeiter in der Straße „Am Kreuzchen“. Der Blindgänger explodierte dabei glücklicherweise nicht, er brach aber entzwei. Die Folge: 167 Menschen mussten evakuiert werden und ihre in den Anliegerstraßen gelegenen Häuser verlassen. Zeitweise wurde auch die Binderslebener Landstraße für den Verkehr gesperrt. Jede Erschütterung sei gefährlich, teilte die Polizei mit. Kurz vor 16 Uhr dann Entwarnung: „Die Gefahr ist gebannt“, wie die Polizei mitteilte: „Die Menschen können in ihre Häuser zurück, die Straßen sind wieder passierbar“, informierte Polizeisprecherin Christine Deutschmann.

Die 127 Kilogramm schwere Bombe amerikanischer Herkunft war laut Polizei durch die Baggerschaufel zwischen Zünder und Gehäuse geteilt worden. Ein Teil steckte noch im Erdreich. Die Baufirma hat offenbar Erfahrungen mit derartigen Funden: Sie alarmierte nicht gleich die Polizei über den Notruf 110, sondern rief zunächst den Kampfmittelräumdienst der Firma Tauber vor Ort. Gegen 11 Uhr wurde dann auch die Polizei alarmiert.

Einige Zeit war danach unklar, ob die Entschärfung im Wohngebiet erfolgen kann und soll. Als Alternative wurde ein Transport der Fliegerbombe in eine Senke bei Alach geprüft, wo die Bombe kontrolliert hätte gesprengt werden sollen. Vorsorglich wurden die Straßen in einem Radius von 300 Metern evakuiert. Betroffen waren Bewohner der Straßen Am Kreuzchen, Am Peterborn, Überm Born, Pfortenweg, Langer Graben und Teile der Binderslebener Landstraße. Letztlich fand die Entschärfung vor Ort statt und die Fliegerbombe wurde nach Nordhausen gebracht.

Die Mehrzahl der Anwohner befand sich zur Zeit des Fundes nicht in den Häusern sondern, auf Arbeit oder im Garten. Einige Anwohner wurden mit einem Bus aus dem Evakuierungsgebiet gebracht. Das Möbelhaus Ikea hatte sich spontan dazu bereit erklärt, die Evakuierten aufzunehmen. 27 Personen nahmen das Angebot an. Dabei handelte es sich vor allem um ältere Menschen. Auch Rettungswagen kamen zum Einsatz, um bettlägerige Menschen in ein nahegelegenes Krankenhaus zu bringen. Die Feuerwehr hatte zudem einige hilfs- und pflegebedürftige Anwohner in die Gropiusschule gebracht. Nach Polizeiangaben nahm die Evakuierung verhältnismäßig lange Zeit in Anspruch: Viele Leute hätten weder auf das Klingeln an der Haustür, noch auf Lautsprecherdurchsagen gehört.

Im betroffenen Wohnviertel zwischen Hauptfriedhof und Flughafen, das evakuiert wurde, wohnen nach Angaben eines Stadtsprechers 500 bis 600 Menschen. Auch Bundespolizisten des nahegelegenen Flughafens halfen bei diesem Einsatz. Die EVAG stellte Busse bereit.

Die Binderslebener Landstraße war ab gegen 14 Uhr für zwei Stunden gesperrt gewesen, auch der Straßenbahnverkehr der Linien 4 und 2 war von der Sperrung betroffen.

In Halle war in Bahnhofsnähe ebenfalls am Vormittag eine Fliegerbombe gefunden worden – der Bahnverkehr musste daraufhin komplett gesperrt und rund 12.000 Menschen evakuiert werden.

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