Blitzeinschlag sorgt für Brände in Arnstädter Bechsteinstraße

"So einen Knall habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört." Victor Model ist gefasst, steht aber dennoch ganz unter dem Eindruck dessen, was sich vergangene Woche in seinem Haus ereignet hatte. Es war kurz vor 20 Uhr, da riss ihn der schon erwähnte Knall hoch. Der Blick aus dem Fenster zeigte, dass da etwas passiert sein musste, denn Backsteine flogen vom Dach nach unten.

Riesiges Glück hatte Familie Beier. Die Folgen eines Schmorbrandes entdeckte Joachim Beier erst am nächsten Morgen. Foto: Hans-Peter Stadermann

Foto: zgt

Arnstadt. Ein Blitz hatte in sein Haus in der Bechsteinstraße eingeschlagen. Nicht etwa in die Birke, den höchsten Punkt auf dem Grundstück, und auch nicht in den zweiten Schornstein, der etwas höher hinausragt und an dem die Heizung hängt. Die Feuerwehr vermutet, dass es sich um einen Kugelblitz gehandelt haben muss, der sich dann über Dachrinnen und Elektroleitungen den Weg in den Boden suchte. Die explosionsartige Verteilung der Schornstein-Bestandteile rund ums Haus deutet zumindest daraufhin.

Im Haus selbst legte der Blitz die Stromversorgung und damit alle elektrischen Geräte lahm, Victor Model hatte in diesem Moment aber nur Sorge, dass es irgendwo brennen konnte. "Zuerst bin ich nach oben gerannt, da war alles in Ordnung. Dann bin ich in den Keller und sah meine Heizung brennen." Geistesgegenwärtig griff er zum Schaumlöscher und entleerte ihn auf die Heizungsanlage, bevor der Qualm zu dicht wurde und er nach oben musste. Die Arnstädter Feuerwehr, exakt um 19.59 Uhr alarmiert, war schnell vor Ort und voll des Lobes für das kluge Handeln des Hausbesitzers, wurde von diesem aber auch für ihr besonnenes Handeln gelobt.

Mit einer Wärmebildkamera wurde das Haus von oben bis unten auf verborgene Brandherde kontrolliert. Außerdem ersetzten die Kameraden angesichts des starken Regens gleich noch die durch den Blitzeinschlag gesprungenen Dachziegel. Nun hoffen die Bewohner, dass die Schäden an der Telefonanlage schnell beseitigt werden können. Und dass die Daten zu retten sind, die sich auf dem Computer befinden, den der Blitz ebenfalls außer Gefecht gesetzt hat.

"Wir sind alle unverletzt und das Haus steht noch, das ist das wichtigste". Die böse Überraschung, die Victor Model am Mittwochabend erlebte, stand Joachim Beier vier Eingänge weiter am Donnerstagmorgen erst noch bevor. "Wir hatten den Schlag gehört, mitbekommen, was da in der Nachbarschaft passiert war. Aber außer, dass bei uns die Sicherungen rausgesprungen waren, hatten wir nichts bemerkt" sagt er. Und führt uns in den Keller. Dort hatte sich etwas ereignet, was nur mit "Glück im Unglück" beschrieben werden kann.

Die vom Blitzeinschlag ausgehende Überspannung hatte sich über das Erdkabel ausgebreitet und im aufwändig hergerichteten Partykeller eine Kaffeemaschine zum Schmelzen gebracht.

Der Schmorbrand griff auf die Sitzecke über, griff Holz und Polster an. Auch die anderen Küchengeräte wie Geschirrspüler und Kühlschrank wurden in Mitleidenschaft gezogen. Der Kellerraum und der Gang sind schwarz vor Ruß. Aber offensichtlich hatten Beiers einen Schutzengel. Während sie oben schliefen, hörte es unten von alleine auf zu glühen. Der Blitz hatte auch in anderen Häusern in der Umgebung für Schäden gesorgt. Zum Beispiel bei Lore Rothe in der Rosegger-Straße. "Wir waren in Erfurt bei den Domfestspielen, die wegen des sintflutartigen Regens aber ausfielen. Schäden bemerkten wir aber nicht als wir nach Hause kamen. Jetzt habe ich aber gerade festgestellt, dass der Geschirrspüler nicht mehr arbeitet. Da muss ich erst mal schauen, ob alles andere funktioniert", sagt sie.

Einen großflächigen Stromausfall, so ergab die Recherche, hat es nicht gegeben. Eine technische Erklärung, warum die Straßenbeleuchtung zeitweise nicht funktionierte, hat man bei den Stadtwerken nicht. "Wir vermuten nur, dass durch die sehr helle Objektausleuchtung durch die Feuerwehr der Dämmerungsschalter dafür verantwortlich war" sagt Geschäftsführer Thomas Bauer.

Alle anderen der Rettungsleitstelle gemeldeten Gewitterfolgen erreichten zum Glück nicht das Ausmaß der Schäden in der Bechsteinstraße. In Neusiß fielen starke Äste auf die Ortsstraße, umgestürzte Bäume und größere Äste mussten auf dem Radweg an der Gerapromenade in Rudisleben beseitigt werden. In der Quenselstraße lief Wasser in einen Keller.

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