Brennende Autos in Jena und Weimar

Bei einem Brandanschlag in Jena sind sieben Fahrzeuge beschädigt worden. Am Mittwoch hatte die Polizei noch keine konkreten Hinweise auf Täter. Der Gesamtschaden soll rund 150.000 Euro betragen. Auch in Weimar ging ein Auto in Flammen auf.

Nur noch unbrauchbare Gerippe waren von den angezündeten Autos in der Jenaer Schulstraße nach dem Feuer übrig geblieben. Foto: Lutz Prager

Nur noch unbrauchbare Gerippe waren von den angezündeten Autos in der Jenaer Schulstraße nach dem Feuer übrig geblieben. Foto: Lutz Prager

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Jena. Gegen halb Sechs war gestern Morgen die Ruhe in der Jenaer Schulstraße vorbei. Drei Autos standen in Flammen. Ein viertes, ein Transporter, brannte in einer Querstraße in unmittelbarer Nähe.

Der Eigentümer des Transporters konnte die Flammen noch löschen. Trotzdem trug auch sein Fahrzeug schwere Schäden davon. In der Schulstraße wurden durch die Flammen noch drei weitere Autos arg in Mitleidenschaft gezogen.

Die Feuerwehr konnte drei der brennenden Fahrzeuge nicht mehr retten. Von ihnen blieben verkohlte Gerippe auf der Straße zurück. Auch einer Hausfassade setzte das Feuer stark zu.

Die Polizei sprach von einem Gesamtschaden von etwa 150.000 Euro. Verletzt wurde niemand. Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass vier der Fahrzeuge gezielt angezündet wurden. "Wir können einen technischen Defekt ausschließen", sagte Polizeisprecherin Steffi Kopp unserer Zeitung.

Konkrete Hinweise auf mögliche Täter gebe es noch nicht, fügte sie gestern Nachmittag an.

Die Ermittlungen übernahm die Kriminalpolizei in Jena. Diese wird vom Landeskriminalamt unter anderem beim Auswerten der Spuren unterstützt. Und auch der polizeiliche Staatsschutz ist mit eingebunden.

Gestern bemühte sich die Polizei, darauf zu verweisen, dass es keine Hinweise gebe, die in eine konkrete Richtung deuten. Damit sollte sicherlich ein vorschnelles Fokussieren vor allem auf linksextremistische Kreise verhindert werden. Dafür gebe es bisher keine Anhaltspunkte, erklärte die Polizeisprecherin.

Laut Polizei würden auch die Eigentümer der abgefackelten Autos kaum Rückschlüsse auf das Motiv für die Tat zulassen.

Denkbar wären beispielsweise auch Auseinandersetzungen konkurrierender Unternehmer oder Ähnliches .

Die sieben durch Feuer beschädigten Autos sind in diesem Jahr nicht die ersten Fahrzeuge, die in Jena Opfer von Flammen wurden. Bereits im Juni zerstörte ein Brand zwei Pkw, die zu dicht an einer Mülltonne standen, die offenbar angezündet worden war.

Im April ereignete sich nicht weit von den gestrigen Brandherden entfernt ein Anschlag mit einer Brandflasche auf das Haus der Gaststätte "Grüne Tanne", Sitz einer Jenaer Burschenschaft. Und nur einige Tage zuvor war auch ein FDP-Abgeordnetenbüro im selben Gebäude Opfer eines Brandanschlags. Damals ließ eine Wandschmiererei die Vermutung aufkommen, dass diese beiden Anschläge mit der Räumung des besetzten Hauses in Erfurt im April vor zwei Jahren und damit in Verbindung mit der linksextremen Szene stehen könnten.

Der Thüringer Verfassungsschutz schätzt diese Szene im Freistaat als "personell relativ klein" ein. Die rund 130 Autonomen zeichnen sich allerdings durch "hohe Dynamik und Gewaltbereitschaft aus". Nach dem gestrigen Brandanschlag gab es allerdings keine entsprechenden Hinweise oder gar Bekennerschreiben. Seit Jahresbeginn sind in Jena etwa 50 und in Weimar sogar rund 60 Müllcontainer in Flammen aufgegangen. Verdächtige für diese Taten konnte die Polizei bisher nicht ermitteln.

Kurz nach der Räumung des besetzten Geländes der KZ-Ofenbaufirma Topf & Söhne am 16. April 2009 in Erfurt brannten in Weimar 40 Müllcontainer. In Erfurt wurde mit einer Brandflasche ein ziviles Polizeifahrzeug abgefackelt.

Im Vorjahr war Anfang April versucht worden, auf dem Gelände der Polizeidirektion Jena einen Streifenwagen mit einer Brandflasche anzuzünden. Zumeist konnten die Ermittler keine Verdächtigen finden. Das gilt auch für zwei Anschlagserien auf Sicherungstechnik der Bahn im Freistaat.

So wurden im September 2008 Kabelschächte bei Raitzenhain in der Nähe von Ronneburg, bei Hermsdorf und Jena-West mit Brandsätzen gezielt beschädigt.

Im darauf folgenden Jahr legten Brandsätze ein automatisches Stellwerk bei Saalfeld lahm. Die Ermittler fanden fast ein Dutzend Brandsätze.

In beiden Fällen ereigneten sich die Anschläge genau an jenem Tag, an dem Rechtsextreme in der Nähe zu Großveranstaltungen aufmarschierten. Täter wurden auch für diese Anschläge bisher nicht gefunden.

Allerdings vermuten Ermittler in beiden Fällen die Brandstifter im linksextremen Milieu.

Die abgefackelten Autos in Jena wurden nach der Spurensicherung gestern Nachmittag abtransportiert. Zurück blieben die Brandnarben an der Hausfassade und die Angst der Anwohner vor weiteren Bränden.

Derweil ging auf einem Hinterhof in Weimar in der Nacht zum gestrigen Tag auch noch ein Auto in Flammen auf. Da es sich allerdings um einen abgemeldeten Wagen handelt, geht die Polizei nach ersten Erkenntnissen hier nicht von einem Brandanschlag aus. Die Ermittlungen dauern aber noch an.