Drei Jungs entdecken Leiche in Nordhausen

Nordhausen. Als unsere Zeitung am Mittwoch gegen 17.30 Uhr am Eckhaus Altendorf 30 in Nordhausens Innenstadt eintraf, kamen drei aufgeregte Jungs entgegen. Die neun- und zehnjährigen Clemens, Phillippe und Christopher plapperten wild durcheinander. Vielleicht war das ihre Art, das gerade Erlebte zu verarbeiten. Die drei Jungs hatten eine Leiche entdeckt. Einige Nachbarn beobachteten das Treiben aus sicherer Entfernung.

Aus der Entfernung beobachteten die Anwohner die Arbeiten der Rettungskräfte. Foto: Roland Obst

Aus der Entfernung beobachteten die Anwohner die Arbeiten der Rettungskräfte. Foto: Roland Obst

Foto: zgt

Was war geschehen? Die drei Kinder hatten sich verbotenerweise in dem seit langer Zeit leerstehenden Abrisshaus herumgetrieben. "Wir wollten mal sehen, wie das da drin so aussieht. Plötzlich haben wir einen Mann in einem Schlafsack entdeckt. Der hatte eine ganz blaue Nase, einen roten Kopf und bewegte sich nicht mehr", plappern die Jungs weiter. "Da haben wir uns ganz schön erschrocken und sind auf die Straße hinaus gerannt." Hier trafen sie auf die gleich nebenan im Altendorf 32 wohnende Nachbarin Bärbel Springer. Die 48-Jährige kam vom Einkaufen zurück und hörte sich an, was die Jungs ihr zu erzählen hatten.

Sofort ging sie mit ihnen in das Abrisshaus. Hier sah sie auf den ersten Blick, dass der Mann nicht mehr atmete. Beim Pulsfühlen bemerkte sie, dass er bereits ganz kalt war. Sie ging nach Hause und alarmierte um 17.23 Uhr die hiesige Polizei. Die war wenige Minuten später ebenso vor Ort wie die Mitglieder der Berufsfeuerwehr Nordhausen und der Notarzt. Die Feuerwehrleute sollten im Falle einer möglichen lebenden Bergung helfen. Doch dass das nicht mehr nötig war, stand sehr schnell fest. Der Mann war tot, die Feuerwehr rückte ab.

Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf

Zwei Polizisten vor Ort sperrten den Unglücksort ab und informierten die Kriminalpolizei, die mit der Untersuchung des Tatortes und der möglichen Todesursache begann.Von den drei Jungs wurden die Telefonnummern erfragt, bevor sie nach Hause geschickt wurden. Ihnen gab man mit auf den Weg, dass man sich im Notfall noch einmal bei ihnen und ihren Eltern melden werde. Auf die Frage, ob die Kinder eventuell psychologisch betreut werden müssten, meinte der Polizist, dass sie einen recht munteren Eindruck machten und dies vermutlich nicht nötig sei.Der Neffe von Bärbel Springer, Sebastian Springer, der ebenfalls im Altendorf 32 wohnt, hat sich schon des Öfteren darüber geärgert, dass sich Kinder auf diesem gefährlichen Gelände herumtreiben.

"Ich habe sogar schon Jugendliche hier weggescheucht, die am Wochenende ihre Feten in dem baufälligen Haus feierten."Dass Kinder und Jugendliche so leicht auf das Grundstück gelangen konnten, führt Sebastian Springer auf den recht maroden Absperrzaun zurück. Den zu überwinden, ist wahrlich keine Kunst, so sein Eindruck.Das riesige Eckhaus samt Grundstück gehört seit kurzer Zeit der Firma Waresa. Die will es abreißen und anschließend moderne Wohnungen an gleicher Stelle errichten. Das ist zumindest der Kenntnisstand der Nachbarn von Altendorf 30.

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