Erste Bilanz: Orkantief „Friederike“ wütet über Thüringen und fordert Todesopfer

Erfurt/Bad Salzungen  Orkantief „Friederike“ hat in Thüringen mindestens ein Todesopfer gefordert. Außerdem deckte der Sturm Dächer ab und Laster stürzten um. Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden, Bahnreisende strandeten.

In der Erfurter Innenstadt stürzten einige Bäume um, wie hier in der Thälmannstraße.

In der Erfurter Innenstadt stürzten einige Bäume um, wie hier in der Thälmannstraße.

Foto: Sascha Fromm

„Friederike“ fegt über das Land - es ist der heftigste Sturm seit dem Jahr 2007:

Orkantief „Friederike“ hat in Thüringen ein Todesopfer gefordert. Im Wartburgkreis wurde am Donnerstag ein 28 Jahre alter Feuerwehrmann aus Bad Salzungen von einem Baum erschlagen. Er wollte eine Autofahrerin befreien, die wegen umgestürzter Bäume in ihrem Wagen eingeschlossen war. Außerdem sei ein 57 Jahre alter Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Bad Salzungen schwer verletzt worden, teilte der Wartburgkreis mit. Das Sturmtief war seit dem frühen Nachmittag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 138 Stundenkilometern über den Freistaat hinweggefegt.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) reagierte betroffen. „Meine Anteilnahme gilt der Familie, schnelle Genesung dem Kameraden“, twitterte er. Landrat Reinhard Krebs (CDU) besuchte gemeinsam mit Bad Salzungens Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) die Freiwillige Feuerwehr in Bad Salzungen. „Der Wartburgkreis wird alles tun, um die Angehörigen zu unterstützen“, sagte Krebs.

Sturmtief Friederike hält die Einsatzkräfte in Atem

Das Orkantief hatte in ganz Thüringen zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gesorgt und Feuerwehren, Polizei sowie Rettungsdienste in Atem gehalten. Die Landeseinsatzzentrale registrierte am Nachmittag knapp 300 sturmbedingte Einsätze. Böen warfen auf den Autobahnen Lastwagen um , was teilweise zu Vollsperrungen führte, wie die Landespolizei mitteilte. Betroffen waren unter anderem die A 71 im Bereich Ilmenau und am Erfurter Kreuz, die A 4 bei Eisenach und Sättelstädt sowie die A 9 bei Schleiz. Auch zahlreiche andere Straßen mussten gesperrt werden. Landesweit knickten Bäume um oder brachen Äste ab.

Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr in Thüringen vorerst komplett ein . Auch das private Verkehrsunternehmen Abellio Rail Mitteldeutschland stoppte am Nachmittag den Regionalverkehr auf den Strecken Halle-Kassel, Halle-Saalfeld, Sangerhausen-Erfurt, Halle-Eisenach, Leipzig-Saalfeld und Leipzig-Erfurt. Bundesweit stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr aus Sicherheitsgründen ein.

Auf dem Erfurter Hauptbahnhof bildeten sich Schlangen an den Auskunftsschaltern, teilweise stieß die Information der Reisenden durch die Bahn auf Kritik. Ihm sei am Bahnhof Weimar gesagt worden, dass er von Erfurt aus noch weiter komme, erzählte ein wartender Musikstudent. „Ich will noch nach Berlin und jetzt geht es erstmal nicht weiter.“ Auch Berufspendler wie eine Bahnangestellte, die von Erfurt nach Meiningen fahren wollte, waren betroffen.

In Pößneck hob der Sturm den kompletten Dachaufbau einer Grundschule ab, der auf den Schulhof stürzte. Die Kinder im Schulgebäude wurden nicht verletzt. Mehrere Schulen in Thüringen verkürzten wegen des Unwetters den Unterricht, wie das Bildungsministerium mitteilte.

Mit 138 Kilometern pro Stunde erreichte „Friederike“ in Teilen Thüringens Orkanstärke. Dieser Rekordwert wurde am Nachmittag in Gera gemessen, sagte Meteorologe Thomas Hain vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auf Anfrage. „Das ist Windstärke zwölf - mehr geht nicht.“ Im Raum Erfurt, wo „Friederike“ ebenfalls mit Windstärke 12 blies, deckte der Sturm mehrere Dächer ab und riss Ampelanlagen und Straßenschilder um.

Auf der Bundesstraße 7 bei Erfurt stürzte am Mittag ein Verkehrsschild auf die Straße . Die Insassen eines Autos, das zu diesem Zeitpunkt die Straße befuhr, hätten das Fahrzeug glücklicherweise verlassen können, teilte die Polizei mit. Sie erlitten aber einen Schock. Landesweit verursachten Bäume, die in Leitungen gestürzt waren, Stromausfälle. Betroffen waren vor allem die Kreise Unstrut-Hainich, Nordhausen, Greiz und Eichsfeld. Am Abend waren nach Angaben der Thüringer Energieversorgung noch etwa 20.000 Haushalte ohne Strom.

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Die Arbeitsagentur schloss die Jobcenter in Erfurt, Sömmerda, Apolda, Arnstadt, Ilmenau und Weimar vorfristig bereits am Mittag. Auch Parks, Museen und Friedhöfe wurden vorsorglich geschlossen. Betroffen waren unter anderem der egapark, der Thüringer Zoopark in Erfurt, Goethes Gartenhaus, das Liszt-Haus und die Parkhöhle im Park an der Ilm in Weimar. Auch die Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof Weimar sowie Schloss und Park Großkochberg bei Rudolstadt blieben für Besucher geschlossen. Unter anderem in Gera und Eisenach wurden wegen der Gefahr, dass Äste von Bäumen herabstürzen und Besucher treffen könnten, die Friedhöfe gesperrt.

Am frühen Abend wurde die Unwetterwarnung für Thüringen nach DWD-Angaben schrittweise wieder aufgehoben.

11. Jahrestag von „Kyrill“

Donnerstag war exakt der 11. Jahrestag von „Kyrill“. „Friederike“ schlage „Kyrill“, was die heftigste Böe angehe, hieß es. „Vor exakt 11 Jahren gab es 202 km/h auf dem Wendelstein“, erinnerte der DWD auf Twitter. Jörg Kachelmanns Meteorologenteam betonte dagegen auf Twitter: „An einigen Stationen wurden zwar heute höhere Werte als bei „Kyrill“ gemessen, aber von der Fläche war „Kyrill“ ein ganz anderes Kaliber.“

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