Familiendrama: Entsetzen in Kammerforst

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Kammerforst im Unstrut-Hainich-Kreis. Foto: Tobias Kleinsteuber

Kammerforst im Unstrut-Hainich-Kreis. Foto: Tobias Kleinsteuber

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In Kammerforst im Unstrut-Hainich-Kreis sind die Menschen bestürzt über ein Familiendrama mit vier Toten, das sich im unterfränkischen Himmelstadt und im tschechischen Eger ereignet hat: Vermutlich weil seine Ehe zerrüttet war, hat ein Familienvater seine Frau, seine Söhne und sich selbst umgebracht - die Frau stammte aus Kammerforst.

Kammerforst. Seit Dienstagabend waren im Radio und in Fernsehnachrichten Meldungen von einem schrecklichen Familiendrama zu hören. Doch erst als Bilder der Opfer im Fernsehen zu sehen waren, wurde klar, dass es sich bei der Getöteten um eine 29-jährige Frau handelt, die aus Kammerforst stammt. In dem Ort herrscht angesichts der schrecklichen Tat natürlich gedrückte Stimmung, denn viele kannten die hübsche und lebenslustige junge Frau, die seit einigen Jahren mit Ehemann und den beiden gemeinsamen Kindern in Bayern lebte.

Wie im bayrischen Himmelstadt, wo die Tat ihren Anfang nahm, ist natürlich auch in Kammerforst, wo das Opfer ihre Kindheit und Jugend in behüteten Verhältnissen verbracht hat, die Bestürzung sehr groß. "Oft hört man von solch schlimmen Tragödien. Wenn man Opfer und Betroffene kennt, dann wird einem aber erst klar, wie schrecklich so etwas ist", so war gestern von Einwohnern zu hören. Ebenso sprach man von großem Mitgefühl gegenüber den Eltern der jungen Frau und den Großeltern der beiden Jungen, die in dem Ort leben. Laut Polizeiberichten erfahren die Angehörigen in Kammerforst eine seelsorgerische Betreuung.

Zu der Tat trieb den 39-Jährigen offenbar die familiäre Situation, mit der er nicht fertig wurde. Die 29-jährige Frau habe seit geraumer Zeit in einer eigenen Wohnung gelebt, die Ehe sei offenbar zerrüttet gewesen, sagte der Ermittlungsleiter des Polizeipräsidiums Unterfranken, Hartmut Fertig, am Mittwoch in Würzburg. Auch nach der Trennung von ihrem Mann hatte die Frau als Angestellte in seinem Betrieb in Himmelstadt gearbeitet.

Der Familienvater erschoss am Montagmorgen seine Frau in Himmelstadt im Landkreis Main-Spessart. Am Vormittag holte er seine fünf und sieben Jahre alten Söhne vom Kindergarten ab und erklärte ihnen, die Großmutter sei im Krankenhaus. Tatsächlich fuhr er mit ihnen 230 Kilometer weit nach Cheb (Eger) in Tschechien und mietete in der Nähe der Stadt gegen 15 Uhr ein Pensionszimmer. Eine Angestellte sah die Kinder am Montagabend gegen 22 Uhr noch im Flur Fußball spielen.

Unklar ist auch die Flucht nach Eger. Das Zimmer dort ist nach Ermittlungen der Polizei nicht vorher gebucht worden. Unmittelbar vor der Tat, so die Beamten gestern in Würzburg, habe der 39-Jährige die Tat per Nachricht über das Handy einer befreundeten Familie in Dresden angekündigt. Diese las die Nachricht am Dienstagmorgen und alarmierte die Dresdner Polizei. Diese informierte die Polizei in Karlstadt, deren Beamte die tote Frau gegen 9 Uhr in einem Gästezimmer auffanden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Würzburg erließ das Amtsgericht Würzburg am Dienstagvormittag gegen den 39-Jährigen Haftbefehl wegen Mordes.

In Zusammenarbeit mit tschechischen Behörden ermittelte die Polizei, dass sich der Familienvater in Eger aufhielt. Am Dienstag kurz vor 17 Uhr fanden Kripo-Beamten die Kinder und ihn in einem Zimmer der Pension tot auf. Die Tatwaffe, eine Pistole Kaliber 22, lag dort auch. Die Obduktionen bestätigten, dass alle damit getötet wurden. Der Mann hatte die Pistole illegal besessen. Ein Abschiedsbrief wurde bisher nicht gefunden.