Feuerwehr-Mann wegen Brandstiftung gefasst

Der verdächtige Brandstifter aus Obermehler bei Mühlhausen hatte sich offenbar als Feuerwehrmann sehr sicher gefühlt. Seiner Festnahme gingen intensive Ermittlungen voraus, bis sich die Nordthüringer Fahnder sicher waren.

Der geständige Brandstifter Andreas H. beim Löschen einer in Flammen stehenden Lagerhalle in Schlotheim. Foto: Daniel Volkmann

Der geständige Brandstifter Andreas H. beim Löschen einer in Flammen stehenden Lagerhalle in Schlotheim. Foto: Daniel Volkmann

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Mühlhausen. Der Scherz einer Kollegin traf unvermittelt die Wahrheit.

Sie fragte am Montag an einer in der Nacht zuvor ausgebrannten Scheune in Obermehler die Brandwache: "Habt ihr das Feuer selber gelegt?" Und bekam prompt zur Antwort: "Doch nicht in einem Haus, wenn ein Kamerad gegenüber wohnt."

Leider war es dann doch anders. Denn der als Brandstifter verdächtigte Andreas H. war einer der vier Feuerwehrleute der Brandwache und er soll Sonntagabend das Feuer in der Scheune gelegt haben. Dass ein Kamerad mit seinen Eltern im Nachbarhaus wohnte, hatte ihn offenbar wenig interessiert.

Nach Aussage der Polizei endete damit eine fast zwei Jahre andauernden Serie von 18 Bränden. Erstmals gingen im August 2008 Strohballen am Flugplatz in Obermehler in Flammen auf.

Nur einige Wochen später erhielt die freiwillige Feuerwehr des etwa 1000 Einwohner zählenden Ortes bei Mühlhausen ein neues Gerätehaus. Dann brannte es immer wieder einmal. Auffällig war die Nähe zu Obermehler, so dass die freiwillige Feuerwehr ausrücken musste und alle Brände schienen gelegt worden zu sein.

Doch wer da zündelte, dass blieb den Ermittlern lange verborgen. Seit fast einem Jahr waren die Experten der Kriminalpolizei dem Verdächtigen auf der Spur. Sie prüften die Einsätze der Feuerwehr des Ortes und stellten bald fest, dass einer der freiwilligen Kameraden fast nie ein Alibi hatte, wenn wieder einmal gezündelt worden war. Auch in seiner Firma fehlte der Mann immer gerade zu diesen Zeiten.

Trotzdem dauerte es noch einmal mehrere Monate bis sich die Ermittler nach dem Brand vom Sonntag sicher waren.

Hatte der heute 26-Jährige erst mit kleineren Feuern wie Strohballen begonnen, so war er im Laufe der Zeit gefährlicher geworden. Denn er steckte nun genauso die Firma in Brand, in der er arbeitete, wie er Ende Februar auch das Sägewerk des Bürgermeisters angezündet haben soll.

Der Schaden, den der Brandstifter verursacht hatte, hört sich mit 80 000 Euro gar nicht so hoch an. Doch lebten die Menschen in der Gemeinde seit längerem mit der Angst, was wohl als nächstes in Flammen aufgehen wird.

Als sich die Verhaftung von Andreas H. gestern in Obermehler herumgesprochen hatte, lagen Erleichterung aber auch Entsetzen dicht beieinander. "Dass es mal einen in der eigenen Wehr gibt, der Brände legt, den Gedanken daran verdrängt man", meint Hans-Jörg Frank. Er ist der Chef der Feuerwehr des Ortes. Gut 25 Mann gehören der Einsatzabteilung an. Der mutmaßliche Brandstifter sei einer der Aktivsten gewesen, heißt es. Seit dem 16. Lebensjahr war er dabei.

"Es ist einfach nur sehr, sehr traurig, dass so etwas passiert", fügt der Wehrführer noch an und hofft, dass nun wieder Ruhe in Obermehler einkehrt.

Dazu, was den Verdächtigen getrieben hat, war gestern noch wenig bekannt. Einige meinten, dass er sich nach der Einweihung des neuen Gerätehauses in der Feuerwehr mehr profilieren wollte und dafür die Brände brauchte. Die Ermittler prüften gestern aber auch eine psychische Erkrankung.

Diese lag offenbar nicht vor, denn auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ ein Richter einen Haftbefehl gegen den Mann.

Zündelnde Feuerwehrmänner

Immer wieder sorgen Fälle für Aufsehen, bei denen Feuerwehrleute zu Brandstiftern wurden: So legte ein Mann aus dem südthüringischen Wernshausen 2003 etliche Brände, weil er den Löschwagen steuern wollte. 2002 stand in Ostthüringen ein 24-Jähriger vor Gericht, der nach mehreren Feuern sogar sein eigenes Haus anzündete, um den Verdacht von sich abzulenken. Ein 28-Jähriger aus dem hessischen Hademar-Steinbach musste 2008 für sechs Jahre ins Gefängnis, nachdem er immer wieder Ställe angesteckt hatte. Weil er Lust auf einen Einsatz hatte, legte ein Feuerwehrmann (19 Jahre) aus dem Kreis Wesermarsch in Niedersachsen im Juli 2008 ein Feuer in einer Schule. Und als 2003 die Brandkatastrophe im nordrhein-westfälischen Jülich aufgeklärt wurde, gab der wegen sechsfachen Mordes angeklagte 32-jährige Feuerwehrmann im Prozess an, er habe gerne gelöscht