Hitlergruß und verletzter Polizist: So verliefen die Demonstrationen in Nordhausen

Nordhausen  Aus polizeilicher Sicht sind der rechtsextreme Aufmarsch und seine Gegendemonstration am Samstag in geordneten Bahnen verlaufen. Dennoch war Verstärkung aus Niedersachsen nötig.

Rund 250 Bürger Nordhausens – darunter Landtagsabgeordnete, der Oberbürgermeister und einige Stadträte – drückten ihren Widerstand gegen den Aufmarsch Rechtsextremer Demonstranten aus.

Rund 250 Bürger Nordhausens – darunter Landtagsabgeordnete, der Oberbürgermeister und einige Stadträte – drückten ihren Widerstand gegen den Aufmarsch Rechtsextremer Demonstranten aus.

Foto: Peter Cott

Ein Fackelmarsch von Rechtsextremisten quer durch Nordhausen. Zwei als Sensenmann vermummte Nationalisten. Ein Sarg, der durch die Straßen getragen wird – vorbei am Mahnmal der ehemaligen Synagoge. Es sind bedrückende Bilder wie aus den 30er-Jahren, die Nordhausen am Samstag erleben muss, als die militante Kleinstpartei „Der dritte Weg“ mit einem Gedenkmarsch durch die Stadt marschiert.

Und doch kann die Landespolizeiinspektion Nordhausen am Ende eines turbulenten Tages ein zufriedenes Fazit ziehen. Weil mit rund 200 Teilnehmern etwa 150 mehr als erwartet erschienen, seien zwar noch sachsen-anhaltinische Bereitschaftspolizisten zu Hilfe gerufen worden. Ansonsten jedoch habe es lediglich wenige „versammlungstypische Vorfälle“ gegeben, ein direktes Aufeinandertreffen mit den zirka 250 Gegendemonstranten des Bündnisses gegen Rechtsextremismus sei verhindert worden, resümiert Polizeisprecherin Fränze Töpfer auf TA-Anfrage. „Aus polizeilicher Sicht sind die Demonstrationen gut gelungen.“

Konkret habe es auf Seiten der Rechten durch einen Demonstranten mit quarzgefüllten Handschuhen einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz gegeben. Zudem registrierte die Polizei in den Reihen der Nazipartei einen Hitlergruß.

Bei den linken Demonstranten zählte die LPI drei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Zudem hatten die Beamten mit sechs Widerstandshandlungen zu tun, weil Protestler sich beispielsweise weigerten, sich auszuweisen. Ein „renitenter Gegendemonstrant“ wurde alkoholisiert in Unterbindungsgenommen genommen, um nicht sich selbst oder andere zu gefährden, so Töpfer über die Einsätze, bei den auch ein Polizist leicht verletzt wurde. Er sei jedoch weiterhin dienstfähig gewesen. Über den Grund der Verletzung konnte die Polizei zunächst nichts sagen.

Verbale Provokationen gegen die Einsatzkräfte oder das jeweils andere Lager registrierte die LPI vornehmlich auf Seiten des Bündnisses gegen Rechtsextremismus.

Weil dieses am Nachmittag in der Sangerhäuser Straße eine Sitzblockade errichtet hatte, wurde der Aufmarsch der Partei „Der dritte Weg“ durch den Einsatzleiter und die Versammlungsbehörde umgeleitet. Hier hatten sich den Rechtsextremen etwa 80 Gegendemonstranten in den Weg gestellt.

Eine andere Form des Protest gab es wenig später in der Blasiikirche: Die Kirchengemeinde St. Blasii-Altendorf konnte hier etwa 60 Menschen zu ihrem Friedensgebet begrüßen, in dem für Frieden, Verständigung und faires Miteinander gebetet wurde.

Sitzblockade in Nordhausen: 199 Rechte Demonstranten und zwei Sensenmänner werden umgeleitet

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