Jesuskind in Erfurt vom Weihnachtsmarkt gestohlen

"Wir suchen den ärmsten König!" Das weiße Schild mit der roten Aufschrift prangte fast einen Tag lang über dem Mittelaltermarkt in Erfurt. Einige Besucher werden sich vielleicht ob der eigenwilligen Botschaft am ersten Weihnachtsfeiertag gewundert haben.

Unbekannte haben in Erfurt an den Weihnachtsfeiertagen die Jesus-Figur der Weihnachtsgkrippe auf dem Wenigemarkt entwendet. Foto: Marco Kneise

Unbekannte haben in Erfurt an den Weihnachtsfeiertagen die Jesus-Figur der Weihnachtsgkrippe auf dem Wenigemarkt entwendet. Foto: Marco Kneise

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Erfurt. Doch nicht nur die eigentümliche Verkündung an der Vorderfront der Weihnachtskrippe am Wenigemarkt sollte stutzig machen. Es fehlten auch Figuren. Von den drei Königen schaute nur noch einer unter dem Kometenschweif auf das Volk vor der Krippe, die auf einem Glühweinstand ruht. Auch das kleine Christkind war verschwunden.

Wilfried Wolf, Veranstalter des Mittelaltermarktes am Zugang zur historischen Krämerbrücke in Erfurt, reagierte am Montag empört. Erst am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertags hatte er von dem Verlust erfahren. Ihn ärgerte auch die von den dreisten Dieben hinterlassene Botschaft.

Eigentlich sei ein Sicherheitsdienst für den Markt verantwortlich, erzählt er unserer Zeitung. Offenbar muss sich dort auch am Sonntag ein Mann vorgestellt und erklärt haben, dass er der Restaurator sei. "Völliger Blödsinn", schimpft Wolf. Die Figuren seien höchstens ein Jahr alt gewesen; alles Arbeiten des Erfurter Künstlers Gernot Ehrsam. Noch hat Wolf Hoffnung, dass das Jesuskind wieder auftaucht. Denn offenbar wurde der Dieb bei seinem Tun überrascht. Der Marktbetreiber fand zwei der ebenfalls gestohlen geglaubten Königsfiguren hinten in der Krippe liegend.

Wilfried Wolf vermutet, dass diese wie das Christkind auch gestohlen werden sollten. Alle Figuren seien verschraubt und so gesichert gewesen, erklärt er. Diese Schrauben wurden aber bei allen Figuren gelöst. Vielleicht, so die Hoffnung des Eigentümers, befindet sich auch das Jesuskind noch irgendwo in der Umgebung des Weihnachtsmarktes.

Die Polizei untersuchte gestern erst einmal den Tatort gründlich und befragte Zeugen. Für Fingerabdrücke ist das Holz der Figuren allerdings zu porös.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit. Vor knapp drei Jahren hatten Sympathisanten der Erfurter Hausbesetzerszene die etwa zwei Meter hohe Plastik "Bernd das Brot", die neben dem Erfurter Rathaus steht, abgeschraubt und entführt.

Erst zwei Wochen später trudelte ein Bekennerschreiben der Entführer ein. Nach einem eindringlichen Appell des Erfurter Kinderkanals, in dessen Programm "Bernd" regelmäßig zu sehen ist, wurde die meist schlecht gelaunte Kastenbrotfigur in einem Kellerverlies einer alten Kaserne bei Weimar wiedergefunden.

Vielleicht taucht ja auch im Fall des verschwundenen Christkinds noch ein Bekennerschreiben auf.

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