Junger Mann aus Meiningen von vier Personen angegriffen – Polizei kommt 45 Minuten nach Notruf

Meiningen  Die Bilder auf Facebook sind verstörend: Ein Junger Mann aus Meiningen hat eine tiefe, blutende Wunde im Gesicht. Laut seinen Angaben hat ein Angreifer ihm in die Nase gebissen. Wir haben bei der Polizei nachgefragt.

Auf Facebook zeigt Tommy Voigt, wie ihn die Angreifer zugerichtet haben. Screenshot: Facebook

Auf Facebook zeigt Tommy Voigt, wie ihn die Angreifer zugerichtet haben. Screenshot: Facebook

Foto: Facebook

„Als ich am Abend des 5. Oktobers im Meininger Neubaugebiet unterwegs war, wurde ich von einem ,neudeutschen Mitbürger‘ im Vorbeilaufen als schwul bezeichnet“, schreibt Tommy Voigt aus Meiningen auf Facebook. In der Folge sei es zu einem Wortgefecht gekommen, und er hätte die Polizei gerufen.

„Auch nach sage und schreibe 45 Minuten war keine Polizei da“, schreibt der junge Mann weiter. Inzwischen sei er von vier nichtdeutschen Männern umringt gewesen. Nachdem er sich geweigert habe, einem von ihnen die Hand zu geben, hätte er eine Ohrfeige bekommen.

„Die vier Personen sind auf mich losgegangen, schlugen und traten mich. Einer hat mir in die Nase gebissen und wollte mir noch das Ohr abbeißen.“ Nach ein bis zwei Minuten seien die Angreifer geflüchtet, die Polizei sei erst vor Ort gewesen, nachdem der Krankenwagen den Verletzten ins Krankenhaus gebracht habe.

Großes Echo auf Facebook

Der Facebook-Eintrag vom 25. Dezember 2018 wurde inzwischen knapp 1000 Mal geteilt und mehr als 750 Mal kommentiert. Viele Nutzer wünschten eine gute Besserung, kritisierten aber auch die Polizei. „Traurig, aber so etwas passiert immer häufiger bei unseren Freunden und Helfern“, schreibt eine Nutzerin. Ein anderer: „Aber wenn man mal im Park zu laut Musik hört, sind sie sofort da.“ Ein Nutzer empfiehlt, Anzeige gegen die Polizei wegen unterlassener Hilfeleistung zu erstatten.

Das sagt der Betroffene

Nachdem Leser uns auf den Facebook-Post aufmerksam gemacht haben, haben wir Kontakt mit dem Betroffenen aufgenommen und nachgefragt, ob er Anzeige erstattet hat. „Ja, ich habe Anzeige erstattet“, schreibt Tommy Voigt. Er habe fünf Tage im Krankenhaus gelegen.

Das sagt die Polizei

Auch bei der Polizei haben wir nachgefragt, ob sich der Vorfall so zugetragen hat und warum die Beamten erst mehr als 45 Minuten nach dem Notruf eintrafen. Nach Angaben der Landespolizeiinspektion Suhl ging am 5. Oktober 2018 um 19.42 Uhr in der Landeseinsatzzentrale Erfurt ein Notruf ein. Demnach gäbe es im Bereich Landratsamt und Gymnasium Meiningen Streitigkeiten zwischen mehreren Jugendlichen, eine Schlägerei bahne sich an.

Nach bisherigem Ermittlungsstand der Polizei seien an der Auseinandersetzung ein junger Mann aus Meiningen und seine 17-jährige Begleiterin sowie vier nichtdeutsche Männer beteiligt gewesen. Tatsächlich sei ein Mann an der Nase verletzt worden, auch die junge Frau habe Verletzungen davon getragen.

Ermittlungen gegen vier mutmaßliche Täter

Zu den mutmaßlichen Tätern schreibt die Polizei, dass es sich um drei afghanische Männer im Alter von 22 und 23 Jahren und um einen 16-jährigen syrischen Jugendlichen handelt. Gegen die vier werde wegen Körperverletzung ermittelt.

Zur langen Zeitspanne zwischen Notruf und dem Eintreffen der Beamten am Obertshäuser Platz in Meiningen schreibt die Polizei: „Zum Zeitpunkt des Notrufeinganges befanden sich alle im Dienst befindlichen Streifenbesatzungen der Polizeiinspektion Schmalkalden - Meiningen in priorisierten gefahrenabwehrenden Einsätzen im Zuständigkeitsbereich.“ Der Inhalt des Notrufes habe zu diesem Zeitpunkt „keine Priorisierungsveränderung in der Abarbeitung der Einsätze“ zugelassen.

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