Kripo findet Sprengstoff und kiloweise Chemikalien in Ostthüringen

Rudolstadt  Die Untersuchung von vier Objekten führte zu mehreren Treffern. Der Vorwurf lautet: Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens. Pikant dabei: Einer der beiden Tatverdächtigen soll Mitglied des Bündnisses „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sein.

Polizeibeamte haben am Dienstag vier Häuser in zwei Orten durchsucht. Zwei Männer stehen nun unter Verdacht, eine Sprengstoff-Straftat vorbereitet zu haben.

Polizeibeamte haben am Dienstag vier Häuser in zwei Orten durchsucht. Zwei Männer stehen nun unter Verdacht, eine Sprengstoff-Straftat vorbereitet zu haben.

Foto: Peter Michaelis

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Sprengstoff sowie kiloweise Chemikalien haben Beamte der Saalfelder Kriminalpolizei am Dienstag sichergestellt. Sie hatten vier Objekte – zwei in Rudolstadt sowie zwei im Ort Uhlstädt-Kirchhasel – durchsucht.

Zwei Tatverdächtigen (31 und 25 Jahre alt) wird in dem Zusammenhang vorgeworfen, ein Explosions- oder Strahlungsverbrechen vorbereitet zu haben. Pikant dabei: Einer der beiden Tatverdächtigen soll Mitglied des Bündnisses „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und dort in der Vergangenheit auch öffentlich als einer der Sprecher aufgetreten sein. Das wurde unserer Zeitung aus Ermittlerkreisen bestätigt.

Unter anderem hatte er im Jahr 2016 für das Bündnis bei der Verleihung des Demokratiepreises des Freistaates eine Anerkennung aus den Händen der ehemaligen Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) in Empfang genommen. Auch bei anderen Gelegenheiten war er immer wieder öffentlich aufgetaucht, hatte Protest gegen Neonazi-Veranstaltungen in der Region organisiert. Eine Anfrage unserer Zeitung ließ er Mittwoch unbeantwortet.

Der Vorwurf gegen die beiden Männer wiegt schwer. Die Vorbereitung eines Explosions- und Strahlungsverbrechens ist nach Paragraf 310 Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren bedroht, auch in minderschweren Fällen können noch bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe verhängt werden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera bestätigte auf Anfrage die Durchsuchung und das Auffinden von „diversen Chemikalien, zum Teil auch in erheblicher Größenordnung“ sowie „selbstlaborierter Sprengstoff in geringer Menge“. Nach Informationen unserer Zeitung wurden etwa 20 Kilogramm verschiedener Substanzen, die zur Sprengstoffherstellung tauglich sind, gefunden. Darunter mehrere Flaschen Buttersäure sowie Magnesium- und Schwefelpulver und Calciumcarbid. Zudem seien diverse Utensilien sichergestellt worden, mit denen aus den verschiedenen Stoffen Sprengstoff hergestellt werden könnte – und, der Auffindesituation nach zu urteilen, bereits wurde.

Zeuge informiert die Polizei

Aufmerksam geworden waren die Beamten auf die beiden Tatverdächtigen, weil ein Zeuge die Polizei informiert hatte, dass größere Mengen an „Düngemitteln beziehungsweise Chemikalien an einen der Beschuldigten“ geliefert worden seien.

Neben den Substanzen zum Sprengstoffbau wurde in einem der vier Objekte auch mindestens eine Schreckschusswaffe sowie Cannabis gefunden. Darüber hinaus stießen die Beamten auf eine Aufzuchtsanlage für Cannabis.

Derzeit führt noch die Kriminalpolizei in Saalfeld die Ermittlungen gegen die beiden Tatverdächtigen, von denen einer nach einer Nacht in Gewahrsam zwischenzeitlich wieder auf freiem Fuß ist. Weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes sich den Fall auf den Tisch holt – nach Informationen der Staatsanwaltschaft ist das aber bisher nicht erfolgt. Die Ermittlungen, heißt es aus der Behörde, stünden am Anfang.

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