Personalnot bei der Polizei schwarz auf weiß

Ilm-Kreis  Die Polizeiinspektion Arnstadt-Ilmenau ist die am schlechtesten besetzte Polizeibehörde in Thüringen. Dennoch sind die Ermittler erfolgreich.

Regelmäßig finden im Ilm-Kreis Verkehrskontrollen statt. Oft entdecken die Beamten dabei Drogen- und Alkoholkonsumenten. Insbesondere bei jüngeren Leuten nimmt der Missbrauch zu, Drogen werden mittlerweile aber durch alle Altersgruppen hinweg konsumiert.

Regelmäßig finden im Ilm-Kreis Verkehrskontrollen statt. Oft entdecken die Beamten dabei Drogen- und Alkoholkonsumenten. Insbesondere bei jüngeren Leuten nimmt der Missbrauch zu, Drogen werden mittlerweile aber durch alle Altersgruppen hinweg konsumiert.

Foto: Eckhard Jüngel

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Wie unterbesetzt sind Thüringens Polizeiinspektionen wirklich? Raymond Walk, Landtagsabgeordneter der CDU, wollte es genau wissen und stellte eine kleine Anfrage ans Innenministerium. Das bestätigte schwarz auf weiß, was im Ilm-Kreis eigentlich schon lange kein Geheimnis mehr ist. Die Polizeiinspektion Arnstadt-Ilmenau ist die am schlechtesten besetzte Polizeibehörde im Freistaat. 149 Stellen sollte es hier eigentlich geben. 104 Beamte sind aber nur im Dienst.

Bekannt wurden diese Zahlen erst am Freitag – die Personalnot spielte aber bereits in der aktuellen Stunde des Arnstädter Stadtrats am Donnerstagabend eine Rolle. Dort stellte Jörg Bürger, der Polizeichef im Ilm-Kreis, die aktuelle Kriminalitätsstatistik vor. Ganz neu waren die Zahlen nicht, die offizielle Präsentation fand vor einigen Wochen statt.

Dennoch hatte die Linke um dieses Gespräch gebeten, denn immer wieder sagen Arnstädter Bürger, dass sie sich in der Stadt unsicher fühlen. Auch werde oft auf Facebook über vermeintliche Straftaten diskutiert, die so wohl nie stattgefunden haben.

So wurde erst vor wenigen Wochen über die vermeintliche schwere Vergewaltigung einer Jugendlichen berichtet, erinnerte Frank Kuschel (Linke). r hätte sich gewünscht, dass die Polizei hier aktiv informiert hätte, statt erst auf Nachfrage zu informieren, dass diese Meldung frei erfunden war.

Jörg Bürger bat um Verständnis, dass nicht auf jede dieser Falschmeldungen reagiert werden könne. Es sei aber auffällig, dass gerade in Arnstadt oft solche falschen Nachrichten auftauchen. Dabei sei die Region deutlich sicherer, als in den sozialen Netzwerken suggeriert werde. „Hier muss man keine Angst haben, nachts alleine auf die Straße zu gehen“, so Bürger.

2018 wurden im Ilm-Kreis 5592 Straftaten registriert – Tendenz sinkend. Das sei insbesondere intensiven Ermittlungen zu verdanken, die sich gegen bereits polizeibekannte Täter richteten. 22 Haftbefehle waren die Folge – und im Anschluss ein deutliches Sinken weiterer Taten. 75,6 Prozent der Tatverdächtigen waren männlich, so Bürger. Der Anteil der Nichtdeutschen unter den Verdächtigen lag bei 17,1 Prozent.

„Wir haben natürlich Probleme mit Ausländern“, betonte Bürger. Allerdings nicht in einer Art und Weise, wie auf Facebook und Co. berichtet werde.

Bei fast allen Deliktgruppen – Raub, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung – gibt es in Arnstadt mehr Fälle als in Ilmenau. Auffällig ist aber, dass in der Universitätsstadt mehr Fahrräder geklaut werden.

Und: Es werden immer mehr junge Menschen bei Drogendelikten ertappt. Generell aber gelte: Drogen nehmen inzwischen auch Ältere. Insbesondere bei Verkehrskontrollen fällt das auf.

Festhalten will Bürger an den täterorientierten Ermittlungen, die 2018 so erfolgreich waren. Er würde die Bemühungen sogar gern noch intensivieren – doch dafür fehlt das Personal. „Hier muss die Politik reagieren“, verwies er nicht nur auf die Stellenbesetzungen, sondern auch auf den Zustand der Polizeistation im Arnstädter Mühlweg. „Wir sind dort zwar arbeitsfähig. Der Standort ist aber wirklich unglücklich“, ist er lokalen Politikern dankbar, dass sie dies gegenüber der Landesregierung immer wieder thematisieren. Ziel ist, die Polizei wieder in die Innenstadt zu bringen.

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