Polizei bittet um Mithilfe – Bilder von Kleidung der Babyleiche veröffentlicht

Geschwenda/Gotha  Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Unterstützung bei den Ermittlungen zu dem am Ostersamstag im Ilm-Kreis aufgefundenen toten Baby.

Diese Kleidungsstücke trug das tote Baby.

Diese Kleidungsstücke trug das tote Baby.

Foto: Kai Mudra

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Knapp eine Woche nach dem Fund eines toten Baby bei Geschwenda (Ilm-Kreis) sind für die Ermittler noch immer viele Fragen offen. Bisher ist nicht bekannt, wer die Mutter oder der Vater des Säuglings sind. Auch wann dessen sterblichen Übereste am Rande der Streuobstwiese abgelegt wurden, können die Staatsanwaltschaft Erfurt und die Kriminalpolizei Gotha bisher noch nicht sagen.

Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen verweist am Freitag in Gotha auf eine außerordentlich schwierige Obduktion in der Rechtsmedizin in Jena. Wegen des schlechten Zustands des toten Säuglings beim Auffinden, seien aufwendige Untersuchungen erforderlich, deren Ergebnisse noch nicht alle vorliegen würden.

Sicher ist aber, dass es sich um ein Mädchen handelt. Das Baby sei nicht älter als drei Monate geworden und lebte bei seiner Geburt. Den Rechtsmedizinern ist es zudem gelungen, die DNA des gefundenen Kleinkindes zu isolieren.

Ermittelt werde wegen Totschlags

Die Staatsanwaltschaft Erfurt gehe dem Anfangsverdachtes eines Tötungsverbrechens nach, erklärt Hannes Grünseisen. Ermittelt werde wegen Totschlags. Ob wirklich ein Verbrechen vorliege, können noch nicht gesagt werden. Aber die bisher bekannte Fakten reichten aus, um Ermittlungen einzuleiten. Sollte das Baby beispielsweise an einem plötzlichen Kindstot gestorben sein, wäre es üblich, einen Arzt zu rufen, argumentiert der Oberstaatsanwalt.

Das tote Baby war zu Ostern am Samstagabend gegen 20.45 Uhr von zwei Spaziergängern entdeckt worden, als diese ihre Hunde ausführten. Die Männer alarmierten sofort die Polizei. Die Kripo in Gotha habe die Ermittlungen übernommen und wird unter anderem von der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes unterstützt.

Eine erste Befragung der Anwohner und Gartenbesitzer in der Nähe des Fundortes, ob ihnen Auffälligkeiten wie beispielsweise Fahrzeuge in der Nähe aufgefallen seien, habe nichts erbracht, sagt Jens Büchner. Er leitet bei der Kriminalpolizei Gotha das Kommissariart 1, welches unter anderem für die Aufklärung von Tötungsverbrechen zuständige ist.

Um bei den Ermittlungen weiter voranzukommen, bittet die Polizei deshalb nun die Bevölkerung um Mithilfe. Auf drei Fotos sind zwei Kleidungsstücke erkennbar, die das tote Baby getragen hat. Die schwarze Mütze der Marke „Matcholino“ sei etwa 25 Jahre alt und werde heute nicht mehr verkauft. Der Babybody von „h & m“ war einmal rosa und haben die Größe 50/56.

Bisher keine erfolgversprechende Spur

Zudem wurde bei dem Säugling die auf dem dritten Bild gezeigte Damenbluse der Marke „Atmosphere“ gefunden. Wer diese Kleidungsstücke erkennen sollte oder etwas zu ihnen sagen kann, den bitten die Ermittler sich zu melden. Sie hoffen aber auch auf Hinweise, zu Frauen und Mädchen, die schwanger waren und danach aber doch kein Kind bei sich haben.

Ob die Kindsmutter oder die Eltern aus der Gegend kommen oder zufällig bei Geschwenda von der Autobahn abgefahren sind, um ihr totes Baby zu entsorgen, wissen die Ermittler nicht. Allerdings neigen sie eher zu der Annahmen, sie könnten aus der Region stammen.

Die Polizei hatte nach dem Fund der sterblichen Überreste des toten Mädchens systematische auch die Umgebung des Fundortes abgesucht, um vielleicht Hinweise zu entdecken, wer das Baby loswerden wollte. Aktuell scheint die Polizei aber keine erfolgversprechende Spur zu verfolgen, die sie zur Mutter des Mädchens führen könnte. Auch mögliche Nachfragen bei Kliniken, Ärzten, Hebammen haben nichts weiterführendes ergeben.

Jens Büchner wollte nicht ausschließen, dass die Polizei im Zuge ihrer Arbeit auch zu einem größer angelegten DNA-Test aufrufen könnte, um die Eltern des toten Kindes zu finden. „Wir werden alles was möglich ist unternehmen, um dem Mädchen seinen Namen geben zu können“, versichert der Kriminalbeamte.

Vorerst aber hoffen Ermittler und Staatsanwaltschaft darauf, dass es den Rechtsmedizinern in Jena noch gelingen werde, den Todeszeitpunkt genauer zu bestimmen und vielleicht auch präziser zu sagen, wann das Baby an seinen Fundort gebracht wurde. Bisher heißt es lediglich, dass es schon länger dort gelegen habe. Auch die Frage, woran das Baby gestorben ist, versuchen die Rechtsmediziner noch immer zu beantworten. Ob das wirklich gelingt, ist derzeit nicht sicher.

Noch immer wird auch an der weiteren Auswertung möglicher DNA-Spuren gearbeitet. Vielleicht ergeben sich ja daraus noch Hinweise auf die Herkunft des toten Babys.

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