Polizei entfernte Hitler-Fenster im Jonastal

Am 2. Mai gab es in der Nähe von Arnstadt einen spektakulären Polizeieinsatz. Das SEK, die für knifflige Lagen ausgebildete Spezialeinheit aus Erfurt, hatte diesmal eine Aufgabe zu bewältigen, die sicher nicht im Handbuch für Polizisten steht: der Ausbau eines Fensters und die "Verhaftung" eines Untoten, der noch immer durch die Gedanken vieler selbst ernannter Jonastal-Spezialisten geistert.

Mitglieder des Jonastalvereins entdeckten am 1. Mai das kleine Fenster mit dem Hitler-Bild im Felsen. Am nächsten Tag wurde es entfernt. Foto: Peter Schmidt

Mitglieder des Jonastalvereins entdeckten am 1. Mai das kleine Fenster mit dem Hitler-Bild im Felsen. Am nächsten Tag wurde es entfernt. Foto: Peter Schmidt

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Arnstadt. Denn unter dem Bienstein und hoch über der Straße sah seit einigen Tagen das Foto von Adolf Hitler aus einem kleinen, dort eingebauten Fenster.

Das Polizeikommando musste sich oben vom Bienstein abseilen, denn nicht einmal die Drehleitern der Arnstädter Feuerwehr waren lang genug gewesen, um das nicht unpolitische Problem von unten zu lösen.

Wer das Fenster sorgfältig mit Bauschaum hoch oben am Felsen anbrachte, ist bis heute ungeklärt. "Der Staatsschutz ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Verwendung von Zeichen verfassungswidriger Organisationen, da die Anbringung des Hitlerbilds strafbar sein könnte", sagte gestern Dieter Günther von der zuständigen Polizeidirektion Gotha. "Aber es ist schon klar, dass dieser Auffassung nicht jeder Staatsanwalt folgen würde."

Denn außer dem Bild fehlte jegliche braune Symbolik - und in der rechtsextremen Szene wird bisher überhaupt nicht auf das Fenster Bezug genommen. Im Gegenteil: In Internetforen, die sich mit der Geschichte des Jonastals befassen, wird gemutmaßt, dass es Leute waren, die sich lustig machen wollten über all die Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit der Geschichte der Region.

Denn das Jonastal ist immer gut für Geheimnisvolles. Erst jüngst wurde auf einem Treffen in Crawinkel festgestellt, dass zwar einerseits die Forschungen um die Stollen immer weiter vorankommen, andererseits aber die Verschwörungstheorien und Falschmeldungen in noch größerer Zahl zunehmen. Denn die Stollen im Jonastal sind weitgehend dicht.

Und so kann jeder das absonderlichste Zeug darüber verbreiten, was sich hinter den Felsen tatsächlich verbirgt oder früher verborgen hat.

Mit Sicherheit könnte man es nur widerlegen, wenn man den gesamten Berg öffnet. Aber dies ist sowohl vom Aufwand als auch von den Besitzverhältnissen her in der nahen Zukunft nicht zu erwarten.

Und so halten sich seit 60 Jahren hartnäckig Gerüchte über eine unterirdische Atomfabrik, sonstige Wunderwaffen oder oberirdische Atomtests im Jonastal. Einige sogenannte Hobby-Forscher wollen sogar wissen, dass heute noch in der Tiefe gearbeitet wird - in stiller Übereinkunft zwischen Nazis, Amerikanern und Russen.

Eine These, wofür die Stollen damals dienen sollten, ist tatsächlich ein Ausweich-Führerhauptquartier. Das meinen auch seriöse Forscher wie Klaus-Peter Schambach aus Crawinkel oder Peter Schmidt aus Ohrdruf. "Aber nur in Zusammenhang mit anderen Führungsstäben in der Region", sagt Schmidt. "Denn in die Stollen im Jonastal wäre der Führer wohl nicht eingezogen."

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