Polizei holt Störer aus Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge

Suhl.  Die Polizei hat mehrere Männer aus der unter Quarantäne stehenden Landeserstaufnahmestelle für Asylbewerber in Suhl geholt - im Corona-Komplettschutz.

Die Polizeiaktion ist der erste Großeinsatz in Deutschland, den die Beamten komplett im Corona-Schutzmodus durchführten.

Die Polizeiaktion ist der erste Großeinsatz in Deutschland, den die Beamten komplett im Corona-Schutzmodus durchführten.

Foto: Sascha Fromm

Die Szene könnte einem Horrorfilm entstammen. Eine Hundertschaft Polizisten kommt in Suhl die Straße in Richtung Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber auf dem Friedberg angerückt. Die Beamtinnen und Beamten tragen weiße Schutzanzüge, Nase-Mund-Masken, Schutzbrillen und ihre Einsatzhelme. Die Gesichter sind nicht zu erkennen. Über die Schutzkleidung ist das Holster für die Dienstwaffe geschnallt.
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Die Sonne scheint. Auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung sind zahlreiche Kinder im Freien. Einige Jugendliche spielen Fußball. Dass es einen Polizeieinsatz geben wird, hat sich über den Dienstagnachmittag abgezeichnet. Immer mehr Dienstfahrzeuge sind vorgefahren.

Unruhe wegen verhängter Quarantäne

Ruhig und ohne Hektik betreten die corona-geschützten Beamten das Areal der Unterkünfte. Das gesamte Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung ist Quarantänegebiet, denn in der Vorwoche wurde ein Bewohner positiv auf Covid-19 getestet. Der Mann ist separat und von den übrigen Asylbewerbern isoliert, untergebracht.

Nachdem es in der Vorwoche auch wegen der verhängten Quarantäne mehrmals Unruhe in der Einrichtung gegebene hatte und einzelne Bewohner versuchten, sich über den Zaun hinweg der Ausgangssperre zu entziehen, hat sich die zuständige Behörde im Landesverwaltungsamt entschlossen, durchzugreifen. 17 Bewohner, die für die Unruhen verantwortlich gemacht werden, sollen nach Information unserer Zeitung in die derzeit leer stehende Jugendarrestanstalt bei Arnstadt gebracht werden. die Polizei leistet hierbei Amtshilfe.

Für den Einsatz wurden am Dienstag auf dem Friedberg bei Suhl mehrere Hundertschaften der Bereitschaftspolizei zusammengezogen, darunter die Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft. Auch Spezialkräfte des Landeskriminalamtes (SEK) sind im Einsatz, um die gesuchten Personen ausfindig zu machen. Zudem befindet sich ein kompletter Feuerwehrzug samt Drehleiter in Bereitschaft und Polizei sowie Rettungsdiente sind vorsorglich mit mehreren Krankenwagen vorgefahren.

Die ersten Personen wurden von Spezialkräften fast unbemerkt von den Bewohnern ergriffen. Danach besetzten die Polizeihundertschaften gegen 17 Uhr das Außengelände und begannen die Unterkünfte zu durchsuchen. Lautsprecherdurchsagen in Deutsch und Englisch erklärten den Asylbewerbern den Einsatz und forderten sie auf, Ruhe zu bewahren.

Nach und nach kontrollierten die Beamtinnen und Beamten die Papiere aller Personen, die sich auf dem Gelände aufgehalten.

Polizeieinsatz komplett im Corona-Schutzmodus

Nach anderthalb Stunden war das Gros der 17 gesuchten Personen ausfindig gemacht wurden. Aber noch nicht alle, deshalb dauerte die Suche nach ihnen auch nach Sonnenuntergang noch weiter an.

Die Polizeiaktion ist der erste Großeinsatz in Deutschland, den die Beamten komplett im Corona-Schutzmodus durchführten. Ein Sprecher der Landespolizeidirektion hatte bereits vor einigen Tagen erklärt, dass die Thüringer Polizei auf derartige Aktionen vorbereitet sei.

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