Polizei verhinderte Massenschlägerei bei Pegada-Demonstration in Erfurt

Erfurt. Amerika-Gegner und Demokraten trafen vor dem Bahnhof zunächst friedlich aufeinander. Später lieferten sich gewaltbereite Blöcke beider Gruppen Provokationsduelle. Die Polizei verhinderte eine Massenschlägerei.

Befürworter und Gegner des Pegida-Ablegers "Pegada" stehen sich am Samstag in Erfurt während einer Demonstration vor dem Hauptbahnhof gegenüber. Pegada steht für "Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes". Foto: Sebastian Kahnert

Befürworter und Gegner des Pegida-Ablegers "Pegada" stehen sich am Samstag in Erfurt während einer Demonstration vor dem Hauptbahnhof gegenüber. Pegada steht für "Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes". Foto: Sebastian Kahnert

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Eine antiamerikanische Demonstration und eine demokratische Gegendemonstration haben am Samstagnachmittag in der Erfurter Innenstadt ihre Meinungen ausgetauscht. Gewaltbereite Blöcke beider Seiten versuchten dabei immer wieder, Prügeleien anzuzetteln. Der Polizei gelang es zumeist, die Gruppen getrennt zu halten.

Die Amerikagegner, die ihrer Veranstaltung die Namen "Pegada" und "Endgame" verliehen, mussten ihren geplanten Marsch über die Bahnhofstraße zum Domplatz wegen der dichten Menge der Gegendemonstranten aufgeben. Statt dessen liefen sie am Busbahnhof vorbei über den Juri-Gagarin-Ring und die Stauffenbergallee eine Schleife zum Bahnhof zurück, wo sie eine Kundgebung abhielten.

Die Gegendemonstranten, die die Amerika-Gegner auf dem Bahnhofsplatz auspfiffen, versammelten sich später zu einer Kundgebung auf dem Domplatz. Sie werfen den Organisatoren der amerikafeindlichen Demonstration billigen Populismus und eine latente rechte Ideologie vor.

Als linke Jugendliche den Marsch der Amerika-Gegner an einer Engstelle nahe des Busbahnhofs durch Sitzblockaden blockierten, kam es fast zu einer Massenschlägerei. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Während des weiteren Marsches lieferten sich Linke, Rechte und Polizei mehrere Wettrennen, wobei die Polizei in der Regel der Sieger blieb. Für die Öffentlichkeit boten die Jagdszenen mitten in Erfurt einen höchst unerfreulichen und bedrohlichen Anblick.

Am frühen Nachmittag vor dem Bahnhof waren die Demokraten zunächst so stark in der Mehrzahl, dass sie die Amerika-Gegner umkreisten und sie durch Pfiffe am Reden hinderten. Die Evangelische Kirche hatte zu der Gegendemonstration aufgerufen. Die im Stadtrat vertretenen demokratischen Parteien waren dem Aufruf gefolgt und durch Stadträte, Fraktions-Chefs und den Oberbürgermeister präsent.

Über den Nachmittag verteilt zählten beide Gruppen jeweils etwa 1000 Teilnehmer. Dem Augenschein nach zu urteilen, setzten sich die Amerikagegner aus mehreren Strömungen zusammen. Dazu gehörten Kritiker der deutschen Russland-Politik, Verschwörungstheoretiker oder Fracking-Gegner. Aber auch rechte Hooligans waren dort stark vertreten. Sie vor allem lieferten sich Provokations-Duelle mit der linken "Antifa".

Für Passanten war nicht zu jeder Zeit gleich zu erkennen, wer zu welcher Gruppe gehörte. Während rechte Hooligans in "Nazis raus"-Rufe einstimmten, trugen Antifa-Aktivisten USA-Flaggen vor sich her. Gegendemonstranten mischten sich zumindest am Anfang auch immer wieder mit ihren Plakaten unter die Amerika-Gegner. Vertreter von der Partei "die Partei" reckten satirische Plakate in die Höhe und verkauften "Amerikaner zum Fressen für 1 Euro (zwei DM)".

Zur Strategie der Amerika-Gegner gehörte, bewusst politische Ziele der anderen Seite zu propagieren. So versuchten sie, Gegendemonstranten auf ihre Seite zu ziehen - allerdings ohne Erfolg. "Wir sind nicht gegen Euch", rief einer der Amerikagegner. "Wir sind gegen die da oben", fügte er hinzu und deutete auf den leicht bewölkten, ansonsten aber leeren Himmel.

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