Sturm-Bilanz: 220 Einsätze in fünf Stunden in Unstrut-Hainich-Region

Landkreis  Aufräumarbeiten werden durch Schnee behindert. Dachdecker und Bauhöfe haben alle Hände voll zu tun. „Dicke Linde“ im Johannistal soll gerettet werden

Die beschädigte „Dicke Linde“ im Mühlhäuser Johannistal zog gestern viele Blicke auf sich.

Die beschädigte „Dicke Linde“ im Mühlhäuser Johannistal zog gestern viele Blicke auf sich.

Foto: Alexander Volkmann

Mit Spitzen von fast 140 Stundenkilometern fegte „Friederike“ am Donnerstag über den Unstrut-Hainich-Kreis. Es gab Sachschäden, Menschen blieben zum Glück unverletzt. Der Orkan und seine Folgen bedeuteten einen Kraftakt für alle Feuerwehrleute, weshalb sich Kreisbrandinspektor Lutz Rösener am Freitag ausdrücklich bei den Einsatzkräften bedankte.

220 Mal rückten diese in der Zeit zwischen 13 und etwa 18 Uhr aus, zumeist wegen umgestürzter Bäume. Ernst war die Lage bei Bollstedt, wo ein Strommast in der Nähe eines Busses auf die Straße gestürzt war (diese Zeitung berichtete). Auch bei Kammerforst waren Stromleitungen beschädigt worden. Zwischen Mühlhausen und Ammern sowie in der Nähe von Eckardtsleben mussten von den Feuerwehrleuten Bäume von Bahnschienen geräumt werden.

950 Einsatzkräfte waren am Donnerstag im Dienst. „Wir waren gut vorbereitet“, erklärt Rösener. Alle vier Tische in der Leitstelle am Mühlhäuser Böhntalsweg waren besetzt. Einsätze gab es im gesamten Kreisgebiet. „Wir haben keine Ecke, die nicht betroffen war“, sagt Röse-ner. Schwerpunkte waren vor allem die beiden Städte Mühlhausen und Bad Langensalza, aber auch das Eichsfeld. Dort war die Stromversorgung teilweise mehr als sieben Stunden lang unterbrochen.

„Die Meteorologen waren gut“, sagt Rösener. Fast minutengenau hatten sie vorhergesagt, wann der Orkan den Landkreis wieder verlassen würde.

Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, begannen am Freitag die Aufräumarbeiten. Diese wurden allerdings durch Schneefall erschwert. Dachdeckermeister Christian Spitzer aus Görmar kann sich aktuell vor Arbeit kaum retten. Von Donnerstagnachmittag bis Freitagmorgen zählte er 30 Anrufe von Kunden, die Reparaturen am Dach anmeldeten. „Klassische Sturmschäden, wie abgedeckte Dächer und heruntergestürzte Ziegel“, wie der Dachdecker sagte. Mit drei Mann ist Spitzers Firma im Einsatz, wohl auch noch am Wochenende. Der Schnee macht die Arbeit auf dem Dach nicht leichter.

Bad Langensalzas Ordnungsamtschefin Sabine Hilbig erklärte, die Feuerwehr habe während des Orkans am Donnerstag die erste Sicherung bei etwa 20 umgestürzten Bäumen übernommen. Wohl noch die nächste Woche haben die Mitarbeiter des Gartenbauamtes damit zu tun, die eher kleineren Schäden am Friedhof, im Botanischen Garten und anderen städtischen Grünanlagen zu beseitigen.

Bert Renner, Stadtbrandmeister in Mühlhausen, hat allein 70 sturmbedingte Einsätze gezählt. Laut Bürgermeisterin Beate Sill (parteilos) blieben Schäden an öffentlichen Gebäuden weitgehend aus. In Görmar wurde die Trauerhalle auf dem Friedhof durch mehrere herabfallende starke Fichtenäste beschädigt.

An öffentlichen Grünflächen habe es bis auf die „Dicke Linde“ im Johannistal keine nennenswerten Schäden gegeben. Schon 1936 war der etwa 160 Jahre alte Baum unter Naturschutz gestellt worden. Er gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt und ist beliebter Treffpunkt für Wanderer. Nun wurde die Linde stark beschädigt. Noch am Donnerstag sicherten Mitarbeiter des Bauhofes das Areal rund um den Baum und räumten die großen Äste beiseite.

„So wie sich die Situation darstellt, ist ein Hauptast aus der Krone ausgebrochen“, heißt es aus der zuständigen unteren Naturschutzbehörde des Landkreises; das werde zur Instabilität der restlichen Krone führen. Deshalb müsse auch der Rest der Krone zurückgeschnitten werden. Ziel sei der Erhalt der Linde. Allerdings werde wohl nur der Stamm mit einer neu ausgebildeten, deutlich kleineren Krone übrig bleiben, hieß es.

Ein Sachverständiger soll in diesen Tagen die Situation beurteilen, damit die Baumschnittarbeiten beginnen können.

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