Täglich vier Angriffe auf Polizisten in Thüringen

Erfurt  Die Polizeigewerkschaft fordert ein konsequentes Verfolgen von Attacken. 1349 Täter wurden im vergangenen Jahr ermittelt.

Erst am 1. Mai dieses Jahres meldete die Landespolizei nach einem Großeinsatz in Erfurt insgesamt 13 leicht verletzte Polizisten. Symbolfoto: Ralph Peters / Imago

Erst am 1. Mai dieses Jahres meldete die Landespolizei nach einem Großeinsatz in Erfurt insgesamt 13 leicht verletzte Polizisten. Symbolfoto: Ralph Peters / Imago

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Täglich werden in Thüringen vier Polizisten angegriffen, beleidigt oder sie treffen auf massiven Widerstand. Im Vorjahr summierten sich diese Attacken auf insgesamt 1349 Straftaten, deren Opfer Polizeibeamte waren, erklärte gestern ein Sprecher des Innenministeriums gegenüber dieser Zeitung.

Mehr als 99 Prozent davon wurden aufgeklärt und 1108 Verdächtige ermittelt. Physische Verletzungen erlitten im Vorjahr 146 Beamte. In einem Fall sei die Verletzung psychischer Art gewesen.

Erst am 1. Mai dieses Jahres meldete die Landespolizei nach einem Großeinsatz in Erfurt insgesamt 13 leicht verletzte Polizisten. Diese mussten zumeist Demonstrationen absichern.

CDU fordert schnellen Einsatz von Bodycams

Demonstrationen und Aufmärsche sind aber nicht die Haupteinsatzfelder, bei denen Straftaten gegen Beamte begangen werden. Laut Innenministerium wurden im vergangenen Jahr bei linksmotivierten Veranstaltungen und Demonstrationen 20 Polizisten attackiert oder beleidigt. 18 Beamte sahen sich bei rechtsmotivierten Demonstrationen und Konzerten verbalen Angriffen oder handgreiflichen Attacken ausgesetzt.

Viel öfter erfolgen Angriffe beispielsweise bei Fällen häuslicher Gewalt oder aber auf Kirmesveranstaltungen, wenn beispielsweise viel Alkohol mit im Spiel sei.

„Es macht mich betroffen zu sehen, wie rabiat teilweise solche enthemmten Menschen gegen Einsatz- und Rettungskräfte vorgehen“, bewertet Innenminister Georg Maier (SPD) die Entwicklung. Er erinnert daran, dass die Regierung erst im Frühjahr beschlossen habe, dass das Land für betroffene Beamte die Schmerzensgeldforderungen übernehmen werde, sollten die Angreifer das nicht leisten können.

CDU-Innenexperte Raymond Walk ist wegen der steigenden Zahl von Straftaten gegen Polizisten alarmiert. Er fordert vom Innenminister, endlich in Thüringen Bodycams, also kleine Kameras, die jeder Beamte auf Streife trägt, einzuführen. Trotz hoher Zustimmungswerte laufe stattdessen ein dritter Pilotversuch, kritisiert der frühere Polizeibeamte.

Walk setzt sich zudem dafür ein, Straftaten und Angriffe gegen Polizisten genau auszuwerten, um diese Erkenntnisse in die Aus- und Weiterbildung der Thüringer Polizei mit einfließen zu lassen.

Justizkritik kommt vom Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP). So lange die Gerichte in Thüringen viele der Verfahren einstellen, bei denen es um Widerstandshandlungen und Angriffe auf Beamte gehe, so lange nützten Strafverschärfungen nichts, sagt GdP-Landeschef Kai Christ dieser Zeitung. Er fordert eine konsequentere Strafverfolgung der Täter.

Kritik übt er aber auch an einigen Politikern. Wenn sich Landtagsabgeordnete auf die Straße setzen, statt der Polizei beim Durchsetzen des Demonstrationsrechtes den Rücken zu stärken, dürfe sich niemand wundern, wenn Attacken gegen die Beamten zunehmen.

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