Thüringen soll eigenen Trainingstunnel für Feuerwehren bekommen

Crossen/Erfurt  Der deutschlandweit erste Trainingstunnel für Feuerwehren soll in Crossen entstehen. Die Baukosten sind noch unklar.

Thüringer Feuerwehrleute trainierten 2016 im Interkantonalen Feuerwehr-Ausbildungszentrum in der Schweiz Tunneleinsätze. Archiv-Foto: Sascha Fromm

Thüringer Feuerwehrleute trainierten 2016 im Interkantonalen Feuerwehr-Ausbildungszentrum in der Schweiz Tunneleinsätze. Archiv-Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

"Die Pläne der Landesfeuerwehrschule sind bekannt und werden durch die Deutsche Bahn unterstützt", heißt es etwas lapidar auf Zeitungsnachfrage aus der Bahn-Pressestelle in Leipzig. In Crossen/Elster im Saale-Holzland-Kreis soll auf derzeit brach liegenden Eisenbahngleisen die deutschlandweit erste Übungsanlage für das Tunneltraining von Feuerwehrleuten entstehen. Das bestätigte auf Nachfrage das Thüringer Innenministerium.

Der geplante Übungstunnel soll als Außenstelle der Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule eingerichtet und betrieben werden, die sich wenige Kilometer entfernt in Bad Köstritz befindet.

"Für das Tunnelland Thüringen ist eine solche Tunnelübungsanlage enorm wichtig", sagt Michael Schwabe. Er ist Abteilungsleiter in der Berufsfeuerwehr Erfurt und Beisitzer im Vorstand des Thüringer Landesfeuerwehrverbandes.

Und er gehört zu den Thüringer Feuerwehrleuten, die bereits Tunneltraining absolviert haben. "Das ist bisher nur in der Schweiz möglich", so Schwabe. Dort betreibt das Interkantonale Feuerwehrausbildungszentrum die bislang einzigen Tunnelübungsanlagen Europas. Dorthin werden bislang auch Thüringer Feuerwehrleute als Multiplikatoren zur Ausbildung delegiert. Im Thüringer Feuerwehrverband sieht man die Notwendigkeit, eine eigene Trainingsanlage aufzubauen. "Thüringen ist Tunnelland", sagt Schwabe. Mit der ICE-Neubaustrecke von Erfurt aus durch Südthüringen nach Bayern zum Beispiel wachse die Notwendigkeit, gut ausgebildete Rettungskräfte zu haben, die Bahnreisende in Notfallsituationen aus Tunneln retten können. Zumal die Situation dort einmalig sei mit dem ständigen Wechsel von Tunneln und Brücken und kaum einer freien Strecke dazwischen. Die Feuerwehren seien auf Tunnelrettungen zwar gut vorbereitet. Künftig würden aber keine Röhren, die schon für den Verkehr freigegeben sind, zu Übungszwecken gesperrt.

Zunächst 150 Meter Länge geplant

Eine Statistik zu Unglücksfällen in Tunneln, bei denen der Brand- und Katstrophenschutz gefordert war, gibt es bislang nicht. Weder der Deutsche Feuerwehrverband, noch der Thüringer Landesverband führen solche Zahlen. Die Zahl der Tunnelbauwerke steigt jedoch – deutschlandweit.

"Unglücksfälle sind eher selten. Aber wenn, dann ist mit vielen Betroffenen zu rechnen", sagt Schwabe. Und wegen der schwierigen Einsatzlage müsse man sich frühzeitig Gedanken machen zu baulichen Übungsanlagen und zur Lösch- und Rettungstaktik. Aus all diesen Gründen habe der Landesfeuerwehrverband die Tunnelübungsanlage eingefordert. "Auf den jetzt brach liegenden Gleisen in Crossen könnte das erste Provisorium der neuen Tunnelübungsanlage schon in der zweiten Hälfte dieses Jahres in Betrieb gehen", heißt es aus der Landesfeuerwehrschule. Das Training könnte starten mit sechs Waggons, die von der Deutschen Bahn AG zur Verfügung gestellt werden – zunächst noch ohne Einhausung. Voraussichtlich ab 2019 soll die "Tunnelröhre" in einer Halle über den Gleisen für das Training gebaut werden. Zunächst soll ein erster Tunnelabschnitt von 150 Metern Länge errichtet werden. Die Gesamtlänge des Übungstunnels soll perspektivisch etwa 300 Meter betragen aufgrund der Länge von ICE-Zügen. Im Trainingszug sollen gasbefeuerte Hotspots integriert werden, damit Brandszenarien realistisch trainiert werden können. Die Sozialräume für die Feuerwehrleute in Ausbildung sollen voraussichtlich zunächst in einem Container Platz finden.

Vorgesehen ist die Tunnelausbildung in Crossen vor allem für die Thüringer Feuerwehren. Perspektivisch könnte aber eine Ausbildung auch für Feuerwehren aus ganz Deutschland angeboten werden. Kapazitäten an der zu errichtenden Tunnelübungsanlage wären vorhanden. Eine entsprechende Erweiterung des Lehrgangsangebots sei allerdings von der Ausstattung der Landesfeuerwehrschule mit Lehrpersonal abhängig.

Wie viel der Bau der Übungsanlage kosten wird, ist noch offen. "Die Baukosten sind zurzeit noch nicht seriös bezifferbar", heißt es aus dem Innenministerium. Zum Grundstückskauf laufen die Verhandlungen mit dem Eigentümer, der Deutschen Bahn AG.