Tiefer Krater in Schmalkalden

Schock in Schmalkalden: Inmitten eines Wohngebiets in der südwestthüringischen Stadt riss am Montagmorgen gegen 3.15 Uhr die Erde auf. Das etwa 45 mal 30 Meter große Loch verschluckte ein Auto. Mehrere Garagen drohen 20 Meter in die Tiefe zu stürzen. Menschen wurden dabei nicht verletzt.

Anwohner, Retter und Helfer blicken in den Krater, der mitten in der Nacht in einer Schmalkalder Wohnsiedlung Teile der Straße und ein Auto verschluckt hatte. Weil auch die umliegenden Häuser bedroht sind, mussten 25 Menschen evakuiert werden. Foto: Sascha Fromm

Anwohner, Retter und Helfer blicken in den Krater, der mitten in der Nacht in einer Schmalkalder Wohnsiedlung Teile der Straße und ein Auto verschluckt hatte. Weil auch die umliegenden Häuser bedroht sind, mussten 25 Menschen evakuiert werden. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Schmalkalden. Bereits ab Dienstag soll das riesige Loch mit Kies gefüllt werden. Das kündigte Thüringens Agrarminister Jürgen Reinholz (CDU) am Montag an, nachdem er sich ein Bild von der Lage vor Ort gemacht hatte. Dadurch solle der Krater, an dessen brüchigem Rand derzeit noch Garagen und Autos stehen, stabilisiert werden, erklärte der Minister.

Nach derzeitigen Schätzungen sind für die Füllung des 25.000 Kubikmeter fassenden Lochs etwa 1000 Lkw-Ladungen erforderlich. Das Material sei vorhanden, der Transport über die schmalen Straßen und den instabilen Boden eine Herausforderung, sagte Ralf Luther (CDU), Landrat des Kreises Schmalkalden-Meiningen. Derzeit werde noch das genaue Vorgehen diskutiert.

Die Thüringer CDU und SPD kündigten unterdessen an, über mögliche Hilfsmaßnahmen im Landtag beraten zu wollen.

Bis Montagabend evakuierte die Polizei insgesamt 25 Menschen aus neun Häusern. Sie seien größtenteils bei Verwandten untergekommen oder von der Stadt in Ferienwohnungen untergebracht worden, erklärte Schmalkaldens Bürgermeister, Thomas Kaminiski (SPD). Ob und wann die Betroffenen wieder in ihre Häuser zurückkehren können, ist ungewiss.

In Schmalkalden gähnt seit Montag riesiger Krater
In Schmalkalden gähnt seit Montag riesiger Krater

Augenzeugen berichteten, dass sie in der Nacht von einem eigenartigen Grollen geweckt worden. Einige beobachteten, wie die Erdmassen ein Auto, Zäune und Teile von Garagen unter sich begruben. Glücklicherweise öffnete sich der Krater genau zwischen den Wohnhäusern, sodass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

Die Ursache für den sogenannten Erdfall sei natürlich, erklärte Geologe Lutz Katzschmann von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie. Man vermute, dass im Untergrund bestimmte Gesteinsschichten - Steinsalz, Gips oder Kalk - ausgewaschen worden seien und sich so ein gigantischer Hohlraum gebildet habe. Dieser sei dann unter der Last der Oberfläche eingestürzt.

Ein Zusammenhang mit dem benachbarten Kali-Bergbau wird ausgeschlossen. "An der Stelle des Erdfalls gab es keinen Kali- oder Steinsalz-Abbau", sagte Katzschmann. Auch ein alter Luftschutzbunker habe den Abrutsch nicht verursacht.

Erdfälle sind Geologen zufolge in Thüringen üblich und ereignen sich in der Regel 10 bis 20 Mal im Jahr. Vor allem die salzhaltigen Gesteinsschichten im Werra-Tal sowie der Kalk-Untergrund in Nordthüringen gelten als gefährdete Regionen.

Zuletzt sackte im Frühjahr ein Acker in Bad Frankenhausen zwölf Meter tief ab. In Nordhausen verschwand ein Schneeräumfahrzeug in einem Krater.

Zu einem Erdfall in einem Wohngebiet kam es im Januar in Tiefenort im Wartburgkreis. Dort mussten 13 Bewohner ihre Häuser verlassen. Entschädigungen flossen - bis auf eine Soforthilfe von 10.000 Euro pro Person - nicht.

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