Tödlicher Eurofighter-Absturz – die Bundeswehr ermittelt

Nossentiner Hütte  Zwei Eurofighter der Bundeswehr sind am Montag abgestürzt. Ein Pilot konnte sich retten, der andere starb. Wie konnte das passieren?

Feuerwehren und Bundeswehreinheiten stehen in der Nähe der Absturzstelle eines Eurofighters. Die Luftwaffe hat am Montag den Absturz von zwei „Eurofightern“ in Mecklenburg-Vorpommern nach einem Zusammenstoß in der Luft bestätigt. Foto: Jens Büttner/dpa

Feuerwehren und Bundeswehreinheiten stehen in der Nähe der Absturzstelle eines Eurofighters. Die Luftwaffe hat am Montag den Absturz von zwei „Eurofightern“ in Mecklenburg-Vorpommern nach einem Zusammenstoß in der Luft bestätigt. Foto: Jens Büttner/dpa

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Nach dem tödlichen Absturz von zwei Eurofighter-Kampfjets der Luftwaffe in Mecklenburg-Vorpommern sind einige Fragen offen. Wie kam es zu dem Unglück? Inzwischen hat die Bundeswehr die Untersuchung der Unfallursache übernommen.

Am Montag waren die beiden Jets bei Luftkampfübungen zusammengestoßen und abgestürzt. Einer der beiden Piloten kam ums Leben, der zweite überlebte das Unglück und wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Über seinen Zustand ist bisher nicht viel bekannt. Dem Mann gehe es den Umständen entsprechend, hieß es am Montagabend.

Es ist das schwerste Unglück der Bundeswehr in Deutschland seit Jahren.

Die Piloten konnten die Schleudersitz betätigen, wie die Luftwaffe mitteilte (Lesen Sie hier: So funktioniert ein Schleudersitz). Einen von ihnen entdeckten Rettungskräfte kurz nach dem Absturz in einer Baumkrone und bargen ihn. Vom zweiten fehlte zunächst jede Spur, später wurden in der Nähe des Absturzortes Leichenteile entdeckt.

Über verletzte zivile Personen war der Polizei zunächst nichts bekannt. Die Brände an den Absturzstellen waren am Nachmittag wieder gelöscht. Die Flugzeuge seien nicht bewaffnet gewesen, teilte die Luftwaffe auf Twitter mit.

Bundeswehr untersucht Unfallhergang

Da die Aufarbeitung des Unglücks mit einem toten und einem verletzten Pilot im Zuständigkeitsbereich der Luftwaffe liege, seien alle Ermittlungen der Bundeswehr übergeben worden, teilte das Polizeipräsidium Neubrandenburg am Montagabend mit.

Die Bundeswehr wertet nun unter anderen die Flugdatenschreiber beider Maschinen aus, sagte ein Sprecher der Luftwaffe der Deutschen Presse-Agentur. Zum zeitlichen Ablauf der Bergung machte er keine Angaben. Die Leitung der Untersuchung liegt beim General Flugsicherheit, das ist eine Position mit eigener Abteilung im Luftfahrtamt der Bundeswehr.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war noch am Montag in das Unglücksgebiet an der Mecklenburgischen Seenplatte geflogen. Die Gegend ist eine beliebte Urlaubsregion. Sie traf dort mit dem Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, und Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) zusammen.

„Heute ist der Tag der Trauer und des Schmerzes über den Verlust unseres Soldaten“, sagte von der Leyen beim Besuch der Absturzstelle.

Bundesregierung äußert Bedauern

Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte: „Schreckliche Nachricht vom Flugunfall in Mecklenburg-Vorpommern. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden des Verunglückten.“ Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich tief bestürzt.

Das Unglück wurde laut Luftwaffe vom Piloten eines dritten Kampfjets beobachtet. Diese habe von zwei Fallschirmen berichtet, die zu Boden gegangen seien. Die abgestürzten Flugzeuge gehörten zum Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“, das in Laage bei Rostock stationiert ist. Seine Hauptaufgabe ist die Ausbildung der deutschen „Eurofighter“-Piloten. Bei Bedarf ist das Geschwader gemeinsam mit zwei anderen Jagdverbänden auch für die Sicherung des deutschen Luftraums zuständig.

Eine Eurofighter-Maschine ging kurz hinter einer Ortschaft nieder

Das Dorf Nossentiner Hütte entging bei dem Unglück nur knapp einer Katastrophe. Eine Maschine stürzte unmittelbar neben dem Ortsrand auf eine Freifläche, die andere wenige Kilometer entfernt in ein Waldgebiet nahe Silz und Jabel.

„Ich bin von Bürgern angerufen worden, die am Drewitzer See waren und den Zusammenstoß der beiden Maschinen sahen“, berichtete Bürgermeisterin Birgit Kurth. Dann sei sie rausgelaufen und habe einen Fallschirm runtergehen sehen.

Später sei ein Hubschrauber in der Gegend gekreist, offenbar auf der Suche nach dem Piloten, der dann auch gefunden wurde. Er hatte sich mit seinem Fallschirm in einem Baum verfangen.

Polizei warnt vor Trümmerteilen

Der andere „Eurofighter“ stürzte nach Angaben des Schweriner Innenministeriums nahe der zehn Kilometer entfernten Ortschaft Jabel in ein Waldstück. In diese Richtung seien Rauchschwaden zu sehen gewesen, sagte Kurth.

Die Polizei warnte vor gefährlichen Trümmerteilen im Bereich Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). „Bitte nicht nähern! Bitte machen Sie den Weg für Rettungskräfte frei und umfahren Sie den Bereich“, twitterte das Polizeipräsidium Neubrandenburg.

Bundeswehr übernimmt Untersuchungen zum Eurofighter-Unglück

Nun muss untersucht werden, was genau geschah. Eine wochenlange akribische Untersuchung wird darüber Aufschluss geben, was schiefgegangen ist. Die Aufklärung sollte nicht allzu schwer sein. Dem sogenannten Crash-Rekorder in den Flugzeugen dürften alle relevanten Informationen zu entnehmen sein.

Wenn alles funktioniert, sendet die Ausrüstung des Piloten ein Notsignal. Das hilft, ihn zu orten, zu finden und zu bergen. Zumeist haben die Piloten auch ein Funkgerät bei sich, oft zudem ein Handy. Warum zum zweiten Piloten kein Kontakt bestand, das war zunächst unklar.

Kampfjet fliegt mit doppelter Schallgeschwindigkeit

Der Eurofighter ist ein von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien entwickelter Kampfjet. Er ist das Rückgrat der Kampfflugzeugflotte. Er kann mit Mach 2,3 fliegen, also mit mehr als der doppelten Schallgeschwindigkeit. Die Voraussetzung für einen Überschalleinsatz ist ein entsprechendes Training. Das Fliegen mit extremen Geschwindigkeiten erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Piloten, Radarleitoffizieren und der zivilen Flugsicherung.

Die Luftwaffe der Bundeswehr unterhält nach eigenen Angaben 140 Maschinen vom Typ Eurofighter. Der Jet hat gewöhnlich einen Sitz (zwei bei der Ausbildung) und ist fast 16 Meter lang. Er kann sowohl für Luft-Luft- als auch für Luft-Boden-Kämpfe bewaffnet und eingesetzt werden.

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