Tornado wütet in Kirchgandern und reißt kompletten Dachstuhl weg

Kirchgandern  Kirchgandern (Eichsfeld). Die Straße „Hinterm Dorf“ gleicht nach dem Wirbelsturm am Dienstagnachmittag einem Trümmerfeld. Zahlreiche Dorfbewohner helfen bei den Aufräumarbeiten.

Das Nebengebäude der Familie Herwig ist nur noch eine Ruine. Der Dachstuhl ist vom Tornado komplett weggefegt worden. Lothar Herwig war am Mittwoch mit den weiteren Aufräumarbeiten beschäftigt. Foto: Eckhard Jüngel

Das Nebengebäude der Familie Herwig ist nur noch eine Ruine. Der Dachstuhl ist vom Tornado komplett weggefegt worden. Lothar Herwig war am Mittwoch mit den weiteren Aufräumarbeiten beschäftigt. Foto: Eckhard Jüngel

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Zwei Minuten habe es gedauert. Länger nicht. Helga Herwig schiebt sich die Brille zurecht. Sie kann das Geschehene vom Dienstag noch immer nicht in Worte fassen.

„Ich hatte gerade Kaffee gekocht“, erinnert sie sich. Ihr Mann Lothar war aus dem Garten gekommen. Dort hatte er nach den Hühnern gesehen. Das Ehepaar wollte sich eine gemeinsame Pause gönnen. Doch daraus wurde nichts. Der Kaffee stand noch am Abend in der Küche. Nicht ein Schluck fehlte.

Windig war es. Und es regnete. Aber mit dem, was dann plötzlich geschah, hatte keiner in Kirchgandern gerechnet.

Augenzeugen sagen: Es sei ein Tornado gewesen. Braungelbfarbene Luft – in der Form eines Trichters. Der starke Wirbel kam von Besenhausen, zog über das Dorf hinweg, am Gänsebach entlang zum Kahlen Berg. Er hinterließ eine Schneise im Ort, die an den Dächern zu erkennen ist, auf denen Ziegel fehlen.

„Es hat mächtig geknallt“, berichtet Helga Herwig. „Und schon war unser Nebengebäude ohne Dach.“ Es geschah genau um 16.25 Uhr. „Ich habe sofort auf die Uhr geschaut.“

Als seien die Holzbalken nur aus Pappe – so leicht hob der Luftwirbel das Dach hoch, „und weg war es“, staunt Lothar Herwig auch einen Tag später noch über diese Naturgewalten. „Ein Glück, dass unser Wohnhaus vom Sturm weitestgehend verschont blieb.“ Dort fehlen nur ein paar Ziegel, und die Dachrinne ist beschädigt. Es hätte schlimmer kommen können.

Nach dem Tornado war die Straße „Hinterm Dorf“ ein Trümmerfeld. Die Balken von Herwigs Dachstuhl lagen überall herum. Einige waren zuvor wie Wurfgeschosse gegen benachbarte Gebäude geprallt. Auch am Haus Benedikt – eine Tagespflege für Senioren – sind die Schäden unübersehbar.

„Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können“, verrät Helga Herwig. Immer wieder sind der 64-Jährigen die Bilder durch den Kopf gegangen. „Das kann man gar nicht beschreiben“, sagt sie. „Solch einen Wirbelsturm haben wir hier noch nie erlebt“, blickt sie zurück.

Herwigs staunten ebenso, wie schnell und zahlreich die Helfer am frühen Dienstagabend herbeieilten. „Unser Schock war so groß. Wir wissen gar nicht, wer alles da war“, schildert Lothar Herwig. „Wir sind allen Helfern sehr, sehr dankbar.“

"Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können."

Helga Herwig

Ob sie das ganze Ausmaß ihrer Schäden schon überblicken können? Lothar Herwig ist sich nicht sicher. Auf jeden Fall ist auch der Taubenschlag stark beschädigt. Und die Weinpflanzen sind zerstört worden. „Aber so schlimm ist das alles nicht“, meint der 68-Jährige. „Das kann wieder nachwachsen.“ Das Allerwichtigste sei, dass in Kirchgandern kein Mensch durch den Tornado ernsthaft verletzt worden ist. Die Schäden an den Häusern seien reparabel.

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