Unfallszenario auf Draisinenbahn im Südeichsfeld geprobt

Lengenfeld unterm Stein (Unstrut-Hainich-Kreis). "Verunglückte Draisinen mit zehn bis zwölf Verletzten" - lautete der Notruf, der am Freitagnachmittag bei der Kreisleitstelle Unstrut-Hainich von der Draisinenstrecke im Südeichsfeld eingegangen war.

Ein Verletzter - oder genauer: ein Darsteller eines Verletzten - liegt neben den Gleisen. Foto: Daniel Volkmann

Ein Verletzter - oder genauer: ein Darsteller eines Verletzten - liegt neben den Gleisen. Foto: Daniel Volkmann

Foto: zgt

Es handelte sich um ein Unfallszenario, das auf der ehemaligen Kanonenbahn geprobt wurde. Denn vor zwei Jahren hatten sich dort tatsächlich zwei schwere Unfälle mit Fahrraddraisinen ereignet.

Simuliert wurde Freitag ein Drama zwischen den Kilometern 28,2 und 28,3 unmittelbar vor dem Südportal des 288 Meter langen Entenbergtunnels mit vier verunglückten Draisinen, auf denen zwölf junge Leute kurz zuvor noch vergnügt geradelt sind. Durch die Wucht des Aufpralls waren die Schienenfahrzeuge aus den Gleisen gesprungen. Acht Männer und Frauen lagen umher und hatten Platzwunden, Brüche oder Wirbelsäulenverletzungen erlitten.

Diese Situation fanden eine Notärztin und zwei Rettungssanitäter vor, die etwa 25 Minuten nach der Alarmierung mit vier Feuerwehrleuten aus Lengenfeld/Stein mit einer motorisierten Draisine am Unglücksort eingetroffen waren. Gut zwei Minuten zuvor konnte bereits ein Einsatzfahrzeug, ein Robur, der Feuerwehr Lengenfeld mit sechs Einsatzkräften über einen Waldweg den Katastrophenort erreichen. "Ihr braucht doch noch mehr Leute", rief eine Frau in panischer Sorge um die vielen Verletzten. Die Dame hatte sich als Betreuerin der Reisegruppe ausgegeben und meinte, dass noch drei Leute im Wald umherirren würden und vermisst seien.

Mobiles Krankenhaus auf Lengenfelder Sportplatz

Feuerwehr und das DRK haben sofort weitere Rettungskräfte angefordert. So gestaltete sich der simulierte Unfall zu einer großen Katastrophenübung. Das Hauptproblem bestand in dem schwer zugänglichen Abschnitt, der fast nur mit Draisinenfahrzeugen bis zum einen Kilometer entfernten Schloss Bischofstein erreichbar war.

Von dort aus gab es eine Straßenverbindung und einen Platz, auf dem weitere Rettungs- und Bergungskräfte eingetroffen waren. So auch 14 Männer der Feuerwehr Struth mit Einsatzleiter Andreas Brandt. Diedorfer Feuerwehrkräfte unterstützten derweil den Aufbau von zwei Schnell-Einsatzzelten mit jeweils sechs Liegen. Die Zelte kamen mit dem Katastrophenschutzfahrzeug der Feuerwehr Höngeda. Nach und nach wurden die Verletzten auf Tragen und per Draisinen zur Erstversorgung in die Zelte gebracht.

Weil sich am Mühlenbergtunnel I bei Effelder noch ein zweiter Unglücks- beziehungsweise Übungsort befand, war mit weiteren Verletzten zu rechnen. So ist auf dem Sportplatz von Lengenfeld ein großer Verbandplatz mit mehreren Zelten als mobiles Krankenhaus errichtet worden. Ein zunächst angeforderter Rettungshubschrauber konnte wegen schlechter Witterung in Erfurt allerdings nicht starten.

Neben den DRK-Kreisverbänden Mühlhausen, Bad Langensalza und Eichsfeld mit ihren Sanitäts- und Rettungsdiensten wurde auch die Johanniterunfallhilfe Bad Langensalza zur Versorgung der Einsatzkräfte angefordert. Die Rettungshundestaffel "Teamdogs" aus Breitenworbis strömte mit zwei Trupps aus, um die vermissten Personen zu suchen. "Ich freue mich, dass wir am Freitagnachmittag noch mit der Normbesatzung ausgerückt sind", sagte Kreisbrandinspektor Lutz Rösener in einem ersten Fazit. Es gebe einige Schlussfolgerungen zu ziehen. Immerhin waren 300 Einsatzkräfte beteiligt.

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