Weimars Rathaus stellt Feuerwehrdienst wieder auf 24-Stunden-Schichten um

Es war eine schmerzhafte Lektion. Jetzt darf die Berufsfeuerwehr nach drei Jahren zu den 24-Stunden-Schichten zurückkehren.

24 Stunden: Ab April gibt es bei der Weimarer Feuerwehr wieder 24-Stunden-Schichten. Das entschied die Stadt. Foto: Candy Welz

24 Stunden: Ab April gibt es bei der Weimarer Feuerwehr wieder 24-Stunden-Schichten. Das entschied die Stadt. Foto: Candy Welz

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Weimar. Mehr als drei Jahre nach Einführung des umstrittenen 12-Stunden-Systems für die Berufsfeuerwehr wird die 24-Stunden-Schicht wieder eingeführt. Bereits Mitte April wird es so weit sein. Die Einsatzbereitschaft solle nicht länger geschwächt werden, sagte am Dienstag Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD). In Gegenwart des zuständigen Beigeordneten Dirk Hauburg (CDU) führte er, einen hohen Krankenstand und das durch den 12-Stunden-Rhythmus stark eingeschränkte Familienleben der Feuerwehrleute als Gründe an. Entsprechende Hinweise habe es an den Weihnachtsfeiertagen erneut gegeben, als der OB auch die Feuerwehr besuchte.

Ob das allein die Verwaltung zum Einlenken bewog, darf bezweifelt werden. Denn die 12-Stunden-Schichten zerrütteten vor drei Jahren auch den Betriebsfrieden in der Berufsfeuerwehr und zur Verwaltung – sie schränkten obendrein die Flexibilität der Wehr ein: Die avisierte "Füllschicht", die bei Krankheit, Lehrgängen und anderen Personalengpässen für Ausgleich sorgen sollte, kam nie wirklich zustande. Die Zahl der Überstunden schoss in die Höhe, die Nachalarmierungen der Freiwilligen ebenfalls. Und bereits der kurz nach Einführung der 12-Stunden-Schichten im Stadtrat vorgelegte Bedarfsplan konstatierte plötzlich 5,5 fehlende Stellen bei der Berufsfeuerwehr.

Inzwischen drängt im Stadtrat eine Mehrheit auf die Reduzierung der Personalkosten im Stadthaushalt. Das lässt auch für das Brandschutzamt die Chancen auf neue Stellen auf den Nullpunkt sinken. Gleichzeitig wandern inzwischen auch junge Feuerwehrleute aus Weimar ab: Einen zieht es nach Gotha, einen nach Jena.

Offizielle Begründung für das Rathaus war 2006 ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach Bereitschaftszeit als Arbeitszeit zu werten sei. Da diese 48 Wochenstunden nicht überschreiten dürfe, müsse man sich zwangsläufig von den 24-Stunden-Schichten verabschieden, hieß es damals. Allerdings war Weimar die erste und blieb auch die einzige Kommune in Thüringen, die das so interpretierte. Es bedurfte des Engagements einzelner Feuerwehrleute, dass nun auch das Innenministerium bestätigt: Wegen der EU-Richtlinie war die Umstellung nicht erforderlich.