Wieder Streit zwischen Armenier-Clans im Eichsfeld

Worbis  Großeinsatz der Polizei in Worbis nach Auseinandersetzung zwischen zwei Familien wegen vermeintlicher Entführung einer jungen Frau aus Schleswig-Holstein.

Ein Großaufgebot der Polizei rückte am Donnerstagabend in Leinefelde-Worbis aus. Laut Polizei ging es bei dem Einsatz um den Streit zwischen zwei armenischen Familien. Zwölf Personen wurden verhaftet.

Ein Großaufgebot der Polizei rückte am Donnerstagabend in Leinefelde-Worbis aus. Laut Polizei ging es bei dem Einsatz um den Streit zwischen zwei armenischen Familien. Zwölf Personen wurden verhaftet.

Foto: Eckhard Jüngel (3)

Polizisten blockieren die Zufahrt zur Tankstelle am Worbiser Ortseingang aus Richtung Breitenbach. Helle Aufregung in der Kleinstadt. Binnen weniger Monate erlebt sie zum zweiten Mal einen Großeinsatz der Polizei . Erneut stehen offenbar rivalisierende armenische Clans im Fokus.

Worum es an diesem Donnerstagabend geht? Die Antwort findet sich einige Stunden vorher in Schleswig-Holstein. Das bestätigt Vanessa Lundershausen, Sprecherin der Nordthüringer Polizei, dieser Zeitung. „In Schleswig-Holstein war am Donnerstagmittag bekannt geworden, dass sich ein 26-Jähriger einer 21-Jährigen aus bis dato unbekannten Gründen bemächtigt haben soll“, schildert sie. Beide Personen sind armenischer Herkunft. Im Klartext: Die Polizeisprecherin redet von einer möglichen Entführung. Später stellt sich nach TA-Informationen heraus, dass die 21-Jährige freiwillig mit dem 26-Jährigen unterwegs war. Sie soll ihn als ihre „große Liebe“ bezeichnet haben und vor einer geplanten Zwangsverheiratung geflohen sein, erfährt diese Zeitung aus Ermittlerkreisen.

Am Abend kommt es in Leinefelde zur Auseinandersetzung zwischen den beteiligten armenischen Großfamilien. „Bisher ist aber noch nicht bekannt, wie die Verbindungen nach Thüringen, ins Eichsfeld sind.“ So lautet das offizielle Statement der Polizei, die noch am Anfang der Ermittlungen steht. Bei der Auseinandersetzung seien mehrere Personen gewaltsam in ein Leinefelder Wohnhaus eingedrungen. Am Haus geht dabei eine Glasscheibe zu Bruch.

Dass es sich dabei um das Wohnhaus handelt, das schon bei einer Polizeirazzia im vergangenen Jahr im Fokus stand, will die Polizei nicht bestätigen. Die Beamten haben vor Ort außer drei Frauen und zwei Kindern aber keine weiteren Personen festgestellt. Ermittlungen ergeben schnell, dass sich mögliche Tatbeteiligte an der Worbiser Tankstelle wenige Kilometer entfernt aufhalten könnten. Das Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei wird in Bereitschaft versetzt, kommt aber nicht zum Einsatz. Auch ein Spürhund wird angefordert. Die Maßnahme macht deutlich, dass die Lage angespannt ist.

Zwölf Personen werden an der Tankstelle vorübergehend festgenommen. Bei der Durchsuchung der Fahrzeuge finden die Beamten einen Säbel und einen Totschläger. Die Folge: Es wird jetzt wegen Verstoß gegen das Waffengesetz ermittelt.

Mit den Befragungen auf der Heiligenstädter Polizeidienststelle – hier werden die zwölf Personen hingebracht – kommt die Polizei aber offenbar nicht weiter, weil keiner der vorübergehend Festgenommenen sich eingelassen haben soll. Alle werden noch in der Nacht wieder auf freien Fuß gesetzt.

Im vergangenen Jahr hatte es in Worbis schon einmal einen Großeinsatz der Polizei gegeben. Den Razzien war eine blutige Auseinandersetzung im niedersächsischen Göttingen vorausgegangen. Auch hier waren rivalisierende armenische Familien in den Fokus geraten. Dass es Verbindungen gibt, will die Polizei offiziell nicht bestätigen. Indizien sprechen aber dafür, heißt es aus Ermittlerkreisen. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat die Ermittlungen zu dem Fall bisher nicht abgeschlossen.

Im Sommer 2017 ist ebenfalls eine Auseinandersetzung dokumentiert, bei der armenische Clans beteiligt gewesen sind. Verhandelt wurde vor wenigen Tagen am Mühlhäuser Amtsgericht. Für einen Zusammenhang zwischen dieser Sache und dem Streit am Donnerstagabend gebe es „beim jetzigen Stand der Ermittlungen keinen Anhaltspunkt.“ Noch sind die Personalien aller Personen auch nicht mit denen aus vergangenen Auseinandersetzungen abgeglichen.

Gegen 22.30 Uhr gibt die Polizei die Tankstelle am Donnerstagabend wieder frei. Die Beamten fahren dann zwar noch nach Leinefelde in das Wohnhaus in einem Wohngebiet am Stadtrand. Eine Hausdurchsuchung erfolgt aber nicht. Die Anwesenden seien befragt und die Spuren der Sachbeschädigung gesichert worden. Bei dem Großeinsatz, der gegen 1 Uhr in Leinefelde endet, wird niemand verletzt. Am Freitag hat die Polizei erneut Kräfte der Bereitschaftspolizei ins Eichsfeld entsandt, um Präsenz zu zeigen.

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