Internet-Video hetzt gegen Flüchtlinge in Erfurt

Erfurt. Ein vier Jahre altes Video von Autonomen-Krawallen in Dortmund dient Unbekannten dazu, gegen Flüchtlinge in Erfurt zu hetzen.

Auf dem Videoportal YouTube findet sich das Originalvideo mit den Ausschreitungen in Dortmund. Foto: Britta Pedersen

Auf dem Videoportal YouTube findet sich das Originalvideo mit den Ausschreitungen in Dortmund. Foto: Britta Pedersen

Foto: zgt

Unter dem Titel „Asylanten, Asylbewerber drehen durch“ wurde es am Samstag in Internet-Netzwerken verbreitet. Durch den Titel wird suggeriert, dass es sich bei den Randalierern aus dem Jahr 2011 um Asylbewerber in Erfurt am vergangenen Wochenende handelt.

Das undeutliche Video zeigt von oben eine schwarz gekleidete Menschenmasse, die von einer Reihe parkender Autos im Laufschritt auf eine Baumreihe zuläuft. Ein Polizeiauto, das in der Mitte steht, wird im Vorbeirennen attackiert. Die Polizisten ergreifen daraufhin die Flucht.

Die Szene hat augenscheinlich keine Beziehung zu einer Erfurter Örtlichkeit. Auf der Tonspur sind nur deutschsprachige Rufe zu erkennen. Das Polizeiauto ist von dem Grün, wie es seit Jahren nicht mehr in Thüringen verwendet wird.

Mit Kommentaren wie „Es geht los“ oder „Ausnahmezustand in Erfurt“ erzeugen die Hetzer eine zusätzliche Bedrohung. Die Fälschungsaktion gliedert sich in eine Reihe falscher Gerüchte und Lügen ein, mit denen Angst vor den Flüchtlingen geschürt werden soll.

Das Originalvideo steht schon seit Jahren im Netz und stammt offenbar aus Dortmund. Quellen schreiben die Randale entweder Fußball-Hooligans aus dem Jahr 2013 oder Autonomen am Rande einer Nazi-Demo im Jahr 2011 zu.

Das Video mit dem vermeintlichen Bezug zu Erfurt wurde am Sonntag offenbar entfernt.

Auch NPD macht mit falschen Bildern Stimmung gegen Flüchtlinge

Der Greizer NPD-Kreis- und Stadtrat David Köckert hat bei Facebook mit Bildern Stimmung gemacht, die angeblich die desolaten Zustände im Erstaufnahmelager in Suhl zeigen sollten, berichtete der WDR.

Dabei verwendete er jedoch Bilder von völlig anderen Flüchtlingsunterkünften. Köckert selbst habe erklärt, dass die Bilder im zugespielt worden seien und er davon ausging, dass diese in Suhl entstanden seien. Überprüft hat er es demnach nicht.

Zudem deckte die SPD-nahe Seite „Endstation Rechts“ vor wenigen Wochen auf, wie die NPD bei Facebook Stimmung gegen Flüchtlinge machte mit einer Mischung aus Halbwahrheiten und Lügen.

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