Wofür dieser Weimarer Forscher 50.000 Euro von Google bekommt

Sebastian Holzapfel
| Lesedauer: 3 Minuten
Vor allem in den Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter wird mit reißerischen Überschriften geködert, um Klicks abzustauben. Foto: Michael Kappeler

Vor allem in den Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter wird mit reißerischen Überschriften geködert, um Klicks abzustauben. Foto: Michael Kappeler

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Weimar  „Mit diesen sieben Tipps wirst Du garantiert Millionär. Nummer drei ist so einfach!“ Wer Facebook nutzt, kennt solche reißerischen Überschriften – und die Enttäuschung nach dem Klick auf den Text. Ein Weimarer Forscher hat dem sogenannten Clickbait den Kampf angesagt und wird von Google gefördert.

„Mit diesen sieben Tricks nehmen Sie garantiert ab. Nummer fünf ist der Hammer!“ Viele Nutzer sozialer Netzwerke kennen solche reißerischen Überschriften – und auch die Enttäuschung nach dem Klick auf den Text. Denn häufig erwarten den Leser hinter solchen Zeilen keine exklusiven Neuigkeiten, sondern minderwertige Inhalte. Clickbait (etwa: Klick-Ködern) heißt das Prinzip, das einige Seiten im Internet bis zur Perfektion treiben, um Nutzer von Facebook oder Twitter auf die eigenen Seiten zu locken.

Dr. Martin Potthast hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Marktschreiertum des Internets automatisch zu erkennen und auf Wunsch des Nutzers auszublenden. „Clickbait ist für soziale Netzwerke, was Spam bei E-Mails ist. Hält ein Text nicht, was die Überschrift verspricht, wird meine kostbare Zeit verschwendet“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter am Digital Bauhaus-Lab. Er sieht aber noch ein zweites, gravierendes Problem des Clickbait: „Weil alle Anbieter um die Aufmerksamkeit der Leser buhlen, bedienen sich auch immer mehr seriöse Nachrichtenseiten dieses Prinzips.“

Dabei gehe es nur noch darum, die Leser auf die eigene Seite zu locken, um ihnen dort möglichst viel bezahlte Werbung anzuzeigen. Die Vermittlung von Wissen über einen Sachverhalt gerate zur Nebensache, so Potthast.

Dabei sei die Neugier, auf solche Überschriften zu klicken, zutiefst menschlich. „Wer Clickbait-Methoden einsetzt, nutzt menschliche Schwächen aus und appelliert an unsere Reflexe, wie Wut, Angst, Ekel oder Neugier“, erklärt der Wissenschaftler.

Als Gegenmittel erdachte er mit Kollegen einen selbst lernenden Algorithmus. Anhand vieler Bewertungen durch echte Menschen soll die Software typische Muster von Clickbait erkennen und irgendwann herausfiltern können.

Die Idee reichte das Team bei Google ein – und erhielt nun 50.000 Euro für die Erstellung eines Prototyps. „Wir können nun eine Stelle direkt für das Projekt schaffen und dieses auch im Rahmen von Semester- und Abschlussarbeiten im Bereich Medieninformatik weiter vorantreiben“, sagt Potthast.

Hintergrund: Googles „Digital News Initiative“

Der Suchmaschinenkonzern Google will in den kommenden drei Jahren 150 Millionen Euro in die Förderung des digitalen Journalismus in Europa stecken. In einer ersten Finanzierungsrunde mit 27 Millionen Euro wurden 128 Projekte aus 23 Ländern ausgewählt, darunter 20 aus Deutschland.

Die Sieger-Projekte beschäftigen sich oft mit personalisierten Nachrichten für einzelne Nutzer oder mit der Mitbestimmung der Leser bei der Themenauswahl. Andere Anbieter suchen nach Finanzierungsmodellen von Journalismus im Internet, zum Beispiel auf der Basis einzelner Recherchen.

Google fördert den digitalen Journalismus nicht ganz uneigennützig. Der Suchmaschinenkonzern lebt von guten Inhalten und liegt in mehreren europäischen Ländern – darunter in Deutschland – im Rechtsstreit mit den Zeitungsverlagen um die Urheberrechte an Texten und Bildern, die in der Suche als Vorschau angezeigt werden.