Creuzburg: Wenn junge Leute mit Glocken musizieren

Creuzburg  Michael-Praetorius-Tage: Fachvorträge und Konzerte mit Gästen aus Leipzig, Wolfenbüttel, Belgien und den USA

Es erklangen historische Instrumente auf der Burg, hier ein Glockenspiel. Es spielten, tanzten und sangen junge Musiker aus Leipzig. Foto: Sascha Willms

Es erklangen historische Instrumente auf der Burg, hier ein Glockenspiel. Es spielten, tanzten und sangen junge Musiker aus Leipzig. Foto: Sascha Willms

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Sogar aus Leipzig, Belgien und Boston reisten die Gäste zur 21. Auflage der Michael-Praetorius-Tage nach Creuzburg an. Darunter führende Forscher und Musiker, die sich dem Lebenswerk des großen Creuzburger Sohnes gewidmet haben.

Und obwohl die musikalische Kaffeetafel am Samstag auf der Creuzburg so gut wie selten zuvor besucht war, scheint Praetorius, der Komponist, Organist, Hofkapellmeister und Gelehrte, in der Region noch immer ein Geheimtipp zu sein.

„Offenbar denken viele Menschen, dass die Musik alt und verstaubt ist, dabei ist total viel Bewegung drin“, sagte Sylvia Hartig und lieferte den Beweis als Leiterin der Jugendmusiziergruppe „Michael Praetorius“ aus Leipzig gleich dazu. Fast 50 Jugendliche von 13 bis 18 Jahren musizierten da auf dem Schlosshof und hatten so viel Spaß dabei, dass auch die benachbarte Hochzeitsgesellschaft neugierige Blicke warf.

Historische Instrumente und Tänze kamen bei strahlendem Sonnenschein im Schatten der großen Linde zur Aufführung. Ein Glockenspiel, ein Portativ, das ist eine Art Mini-Orgel, die auf dem Schoß gespielt wird, dazu viele Fiedeln, Flöten und Krummhörner ließen die Barock-Musik aus der Praetorius-Zeit lebendig werden.

Währenddessen probte in der Creuzburger Nikolaikirche bereits das Chor- und Instrumental-Ensemble „Canto Armonico“ aus Boston (USA). Die Leitung hatte der Mindener Kantor Ulf Wellner, der neben seinen musikalischen Qualitäten zu den profiliertesten Praetorius-Forschern weltweit zählt. In seinem Vortrag „Symbola Praetorii“ widmete sich das Vorstandsmitglied der Creuzburger Praetorius-Gesellschaft am Samstag im Festsaal den religiösen Bekenntnissen und Wahlsprüchen des großen Komponisten.

Im anschließenden Vortrag enthüllte Winfried Elsner aus Wolfenbüttel die auch für Fachleite neue Erkenntnis, nach der Praetorius auch in seiner Zeit als Hofkapellmeister in Wolfenbüttel bereits komponierte und Musik aufführte.

Begonnen hatten die diesjährigen Praetorius-Tage unter dem Motto „Michael Praetorius und die Welt“ am Freitag mit dem Konzert des Leipziger Jugend-Ensembles in der Nikolaikirche.

Am Samstagabend gestalteten die amerikanischen Musiker das Festkonzert in der Kirche unter dem Titel „Vesper zum Johannisfest mit Werken von und um Michael Praetorius“. In der Liboriuskapelle wäre dafür in diesem Jahr einfach nicht genug Platz gewesen, sagten Uwe Schwanz und Vorstandsmitglied Joachim Preß.

Beide freuten sich aber auch auf den Sonntagmorgen, als sich alle angereisten Musiker zum Festgottesdienst in der Nikolaikirche trafen. An die 70 Musiker tummelten sich da in Creuzburg. Eine Mammutaufgabe war das auch für die Gesellschaft, die sich um Unterbringung und Versorgung der Gäste kümmerte, so die Vorstandsmitglieder. Im kommenden Jahr soll das Festkonzert dann wieder in der Liboriuskapelle am Werra-Ufer stattfinden.

Dann wird das belgische Ensemble „Musica Fura“ in Creuzburg gastieren. Dessen Leiter, Koen Vlaeyen, verschaffte sich deswegen dieses Jahr schon mal einen Überblick. Für die Kapelle benötige er verschiedene Bühnen, für die er mit dem Vorstand am Wochenende die Plätze festgelegt habe, sagte der Dirigent. Bekannt sind die 15 Sänger und Instrumentalisten im Alter von 18 bis 80 Jahren vor allem für ihre Authentizität nah am Original. „Wir sind alle Freunde und musizieren zusammen“, sagt der 55-Jährige. Und er freue sich schon auf nächstes Jahr. Auch Sylvia Hartig lobte die Festtage: „Das ist ein kleines, aber sehr feines Festival.“

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