Die digitale Welt mitten in Erfurter Schule

Erfurt  Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Schule erhält 33.000 Euro von der Bildungs-Chancen-Lotterie

Umgang mit dem Handy pflegen diese Viertklässler schon längst.

Umgang mit dem Handy pflegen diese Viertklässler schon längst.

Foto: Anja Derowski

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Die Europaschule ist nicht nur Thüringens größte Grundschule, sondern auch die bisher einzige im Freistaat, die am Projekt „Schule in der digitalen Welt“ teilnimmt. Gestern erhielt sie eine Zuwendung der Bildungs-Chancen-Lotterie in Höhe von 33.000 Euro. 120 Bewerbungen hatte es deutschlandweit gegeben, elf werden nun gefördert.

Schulleiterin Annett Riede ist glücklich: „Seit Jahren kämpfen wir um W-Lan in den Klassenräumen. Dort stehen zwar Computer, aber im Internet kann man damit nicht recherchieren. Lediglich im PC-Kabinett befinden sich 15 Rechner mit Internetanschluss.“

Mit der Fördersumme kann die Schule notwendige Hard- und Software anschaffen – und gemeinsam mit der Universität Medienkonzepte gestalten und erproben sowie notwendige Kompetenzen vermitteln. Eine Kooperation mit einer lehrerbildenden Hochschule war die Bedingung für eine Förderung. Eine solche Zusammenarbeit besteht zwischen der Europaschule und der Universität bereits seit vielen Jahren. Immer wieder gehen Studenten an der Schule ins Praktikum, absolvieren hier ihr Referendariat.

Der Hochschulprofessor Gerd Mannhaupt bereitet Studenten auf ihren Beruf vor. „Die Technik unterstützt uns beim Lehren und Kinder beim Lernen“, sagt er. „Wir unterrichten die Studenten, wie sie digitale Inhalte integrieren und bereiten sie somit auch auf das digitale Lehren vor.“ Es sei schließlich ein Gewinn, wenn sich bereits Kinder mit digitalen Medien auseinandersetzen. Durch die Kooperation von Schule und Uni erhält die Lehrerausbildung Impulse für den Erwerb von Kompetenzen, die angehende Lehrkräfte für einen zeitgemäßen Unterricht benötigen.

Natürlich sollen aus diesem Projekt auch wissenschaftliche Erkenntnisse gezogen werden. „Wir haben in der Grundschulpädagogik wenig Klarheit darüber, wie digitale Medien genutzt werden und welche Wirkung diese Nutzung hat“, sagt der Professor. Das soll sich nun ändern.

Die elf prämierten Schulen erhalten neben der finanziellen Unterstützung auch bedarfsorientierte Weiterbildungs- und Beratungsangebote. Das können schulinterne Fortbildungen für Lehrkräfte sein, aber auch Programmierkurse für Lehrer und Schüler.

Durch das Projekt sollen die Kinder strategisch kompetent auf ein Leben in der digitalen Welt vorbereitet werden. Eine Blitzumfrage auf dem Schulhof in der Blumenstraße zeigt: fast jeder Viertklässler besitzt ein Handy. Manche nutzen bereits Whatsapp, andere spielen auf dem Gerät.

Der Unterricht mithilfe der digitalen Geräte beschränkt sich ausschließlich auf die Schule. Kinder, die beispielsweise kein Tablet zu Hause besitzen, sind nicht ausgeschlossen. Drei Whiteboards hängen bereits in der Europaschule, einige Lehrer unterrichten damit. „Man muss kein Buch suchen, sondern googelt und schon bekommt man eine Erklärung. Das geht meist viel schneller“, erzählt Frida aus der vierten Klasse. Sie chattet via Handy mit Freunden, nutzt das I-Pad in der Freizeit, „und wenn man E-Books hätte, könnte man das Bücherschleppen vermeiden und auch Papier sparen“, meint sie.

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