Die Gehilfen der Schneekönigin im Eichsfeld

Bremke  Vier junge Eichsfelderinnen schauspielern und sind auf der Waldbühne in Bremke zu sehen.

Foto: Tom Stiller (2), Sigrid Aschoff (1)

Im Land Telmantheos hat die Natur noch ihren Zauber. Doch dann kommt der Mensch. Puck, der Elf, mag sie nicht und will ihnen für den Umweltfrevel eine Lektion erteilen. Und dann sind da wie im Märchen von Hans-Christian Andersen die Schneekönigin, Kay, Gerda und jede Menge Abenteuer, die es zu bestehen gilt.

In diese wunderbare Märchenwelt können die Eichsfelder eintauchen, denn auf der Waldbühne in Bremke wird in dieser Saison „Die Schneekönigin“ in der Bühnenfassung von Rick Leander Stiller gespielt. Und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stehen auch vier junge Schauspielerinnen aus dem Eichsfeld: Lara und Anna Windolph, die aus Mengelrode kommen, sowie Jasmin und Maelle Jakob aus Siemerode.

Seit 2018 bewegt sich das Ensemble von den Grimmschen Märchen weg, die bislang den Schwerpunkt der Waldbühne bildeten, erzählt Silvie Stiller, die Regie führt. „Wir wollten mal etwas Anderes ausprobieren.“ Das tat man sehr erfolgreich gleich mit der Zauberflöte. Und nun ist es die Schneekönigin. Um die 25 Darsteller stehen jedes Mal auf der Bühne, insgesamt sind es um die 60 Mitstreiter. Die Kostüme sind sehr fantasievoll, das Anliegen groß. „Wir wollen den kleinen und großen Zuschauern etwas mit auf den Weg geben, zeigen, dass die Natur etwas Wundbares ist und man für den Umwelt- und Klimaschutz was tun muss. Und natürlich geht es in dem Stück auch um Familienbande, die zwischen Geschwistern. Liebe ist immer ein großes Thema“, erklärt Silvie Stiller. So geben die Laienspieler – Erwachsene wie Kinder – ihr Bestes. Nichts wird dem Zufall auf der schon an sich beeindruckenden Waldbühne überlassen. Damit bei den Aufführungen alles perfekt klappt, wurde zweimal wöchentlich geprobt, kurz vor der Premiere fast jeden Tag. Immer voller Eifer dabei sind Lara, Anna, Jasmin und Maelle.

Lara Windolph schlüpft auch morgen wieder in die Rolle der Prinzessin Amantheia. Auch wenn es nicht das erste Mal ist, etwas Lampenfieber wird sie haben. Das gibt die 13-Jährige, die die 7. Klasse der Riemenschneiderschule in Heiligenstadt besucht, zu. Mit dem Theater in Kontakt kam sie über ihre jüngere Schwester Anna. Als sie der bei den Proben zusah, sprang der Funke und damit die Leidenschaft fürs Theaterspiel über. „Doch bei so vielen Proben die Lust zu behalten, ist manchmal gar nicht so einfach“, gibt Lara zu. Prinzessin Amantheia ist nach der einer Gelehrten in der Zauberflöte ihre zweite Rolle. Die Freude daran, verschiedene Charaktere darzustellen, ist der jungen Dame anzumerken. „Es macht Spaß, mit so vielen Leuten zu tun zu haben, und schön ist auch, wenn man die Resonanz des Publikums bekommt“, sagt Lara. Und Zuschauer gibt es viele, bietet die Waldbühne doch Platz für knapp 750 Personen. Die Schauspielerei ist für die Mengelröderin aber nur ein Hobby. Sie will Erzieherin werden. Erst zehn Jahre und ein kleiner Wirbelwind ist Schwester Anna, die den Kay mimt und sich zudem in eine Rose verwandeln darf. Sie hat in dem Stück gleich zwei Rollen und liebt Theater über alles. Dass beide Töchter so engagiert sind, findet Mama Antje Windolph gut und fährt die Zwei daher gern nach Bremke. „Es sind ja auch nur zehn Minuten Fahrt. Das ist machbar, aber auch nur, weil Oma und Opa helfen“, sagt sie.

Vor der großen Freilichtbühne mit Felsen, auf der seit 1949 Märchenspiele für Drei- bis 99-Jährige aufgeführt werden, sitzt Jasmin Jakob. Ihr Herz schlägt für das Theater. Von den Glanzzeiten der Waldbühne, die zwischen 1949 und 1955 lagen, hat sie gehört. Von der Zeit, als Internet und Fernsehen keine Rolle spielten und in Bremke dreimal in der Woche gespielt wurde, 30 bis 40 Busse vor dem Eingang standen und die damals 1200 Plätze restlos ausverkauft waren. Viel hat sich seither verändert – die Leidenschaft und das Herzblut, mit dem alle Akteure vom Schauspieler bis zum Bühnenbildbauer dabei sind, nicht. Jasmin ist 14, wohnt in Siemerode und lernt im Lingemann-Gymnasium. Sie ist im Stück Puck, der trickreiche Waldelf. Bevor die Eichsfelderin in Bremke die Bühne eroberte, spielte sie bei der Ko-ra-le-Theatergruppe. Doch die gibt es nicht mehr. Und weil ihre Mutter um die Spielfreude wusste, machte sie sich auf die Suche nach einer neuen Möglichkeit. „Es ist toll hier, Puck eine coole Figur“, meint Jasmin, die auch von ihrem grünen Elfenkostüm mit den unzähligen Details ganz angetan ist. Und was wäre ihre Lieblingsrolle? „Da bin ich nicht festgelegt, aber ich spiele lieber den Bösewicht“, erklärt sie. Das Schauspielen einmal zum Beruf zu machen, kann sie sich gut vorstellen und würde daher liebend gern ein Praktikum an einem Theater absolvieren. Das geht aber derzeit nicht. Doch irgendwann wird sich die Gelegenheit bieten und Jasmin sie ergreifen. Maelle, ihre 10-jährige Schwester ist ebenfalls mit von der Partie: als Iris und erstes Schneeflöckchen. „Ich mag die Bühne sehr“, sagt die Jüngere.

Nun freuen sich die Mädchen auf die Sonntagsaufführung und Gäste aus dem Eichsfeld. „Bei uns im Kreis ist die Waldbühne leider nicht so bekannt, aber vielleicht ändert sich das“, meint Jasmin mit einem Elfenlächeln.

Aufführungen: 16. Juni, 23. Juni, 30. Juni, 7. Juli, 4. August, 11. August, 18. August, 25. August, 1. September, 8. September, 15. September, 22. September, 29. September, Einlass: 14 Uhr, Beginn: 15 Uhr Infos: www.waldbuehne-bremke.de

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