Die Zauberinnen: Ein Mönch, ein Avatar, eine internationale Größe

Warum Zauberin Helene sich Martin so nah fühlt und wie ähnlich die Propagandaschlacht vor 500 Jahren den heutigen Scharmützeln in sozialen Medien war.

Luther als großes Playmobilmännchen – Zauberin Helene fühlt sich dem Reformator Martin in diesen Tagen sehr nah. Foto: Katja Schmidtberger

Luther als großes Playmobilmännchen – Zauberin Helene fühlt sich dem Reformator Martin in diesen Tagen sehr nah. Foto: Katja Schmidtberger

Foto: zgt

Diese Woche steht im Zeichen von Martin Luther. Die Feiern vom 4. bis 7. Mai lassen Eisenach in ganz neuem Glanz erstrahlen.

Unser Martin. Am Anfang will er nur Glaube und Kirche erneuern, will seine Meinung kundtun. Er beklagt Missstände in der Kirche. Die Mehrheit im Volk folgt. Erster Beitrag: Reformation. Reichweite: bis heute unbegrenzt. Follower: Tausende. Resonanz: Abertausende Likes.

Am 18. April 1521 lädt die Stadt Worms zum Luther-Bashing ein – ein Ereignis, das den Lauf der Geschichte verändern wird. Luther bekommt vor der Versammlung von Fürsten und Vertretern der Stände die Chance zu widerrufen. Die Community ist begeistert, als er widersteht. Der Shitstorm gegen den Kaiser lässt sich kaum noch leugnen. Für Luther ist die Aussage der Bibel das alleinige Maß. Die Follower-Zahlen wachsen.

Vor allem stellt Luther den Ablasshandel in Frage. Sündenerlass und Seelenheil sind nicht käuflich zu erwerben, wie Vieh. Dazu lässt er seine 95 Thesen im World Wide Web verbreiten. Die Kampagne geht viral.

Um die Vollstreckung des Wormser Urteils zu verhindern, bringt sein Landesherr Friedrich der Weise den Reformator auf der Wartburg in Sicherheit. Während er an sein Homeoffice gebunden ist, finden die Schriften Verbreitung. Unter dem Avatar Junker Jörg verfasst er ein revolutionäres Werk: die Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Luther hat nicht alles wörtlich übersetzt. Er hat „dem Volk aufs Maul geschaut“. Der erste Bestseller der deutschen Geschichte – Follower-Zahlen steigen ins Unermeßliche. Wir stilisieren den Auftritt Luthers als Wendepunkt der Geschichte, weil wir die Folgen kennen. Luther hat es gewagt, seine Meinung zu sagen. Ungefiltert und persönlich. Die erste Propagandaschlacht der europäischen Geschichte – von Anhängern und Gegnern des Reformators – beginnt. Der Mönch wird zu einer internationalen Größe. Wer würde einen Luther-Blog nicht lesen? Bis heute wurde seine Geschichte in tausendfacher Art interpretiert. Wer noch mehr über ihn erfahren möchte, schaut die von uns empfohlenen Filme:

„Luther“ (USA 2003), Kinofilm mit Joseph Fiennes, Sir Peter Ustinov, Bruno Gans;

„Katharina Luther“ (D 2017), Film mit Karoline Schuch und Devid Striesow ;

„Der große Anfang – 500 Jahre Reformation“ (D 2017), ZDF-Dokumentation