Ex-Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes räumt schwere Fehler beim NSU ein

Erfurt  Einstige und aktuelle Verfassungsschützer haben sich vor dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss in der Vergangenheit kaum kritisch mit ihrer eigenen Arbeit auseinandergesetzt. Anders als eine nun gehörte Zeugin des Gremiums.

Zudem erklärte die Ex-Verfassungsschützerin, es sei rückblickend ein Fehler gewesen, dass sich der Verfassungsschutz bald nach dem Untertauchen des Trios im Jahr 1998 völlig aus den Ermittlungen der Polizei herausgehalten habe. „Im Nachhinein war das ein Fehler, der viele Menschen das Leben gekostet hat“.

Zudem erklärte die Ex-Verfassungsschützerin, es sei rückblickend ein Fehler gewesen, dass sich der Verfassungsschutz bald nach dem Untertauchen des Trios im Jahr 1998 völlig aus den Ermittlungen der Polizei herausgehalten habe. „Im Nachhinein war das ein Fehler, der viele Menschen das Leben gekostet hat“.

Foto: Axel Heimken

Eine ehemalige Mitarbeiterin des Landesamtes für Verfassungsschutz hat vor dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss Fehleinschätzungen der rechtsextremen Szene in Jena eingeräumt. Dabei seien dem Nachrichtendienst offenkundig schwere Fehler unterlaufen, erklärte die Frau am Donnerstag in Erfurt vor dem Gremium. Sie hat nach eigenen Angaben jahrelang im Bereich Auswertung des Verfassungsschutzes gearbeitet. Beispielsweise habe sie niemals damit gerechnet, dass Rechtsextreme Banken überfallen oder Menschen töten würden, sagte sie. „Vielleicht bin ich da ein bisschen naiv.“

Die späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sowie ihre mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe habe sie für „drei Verwirrte“ gehalten, „die sich mit ihren Aktionen im Gebiet Jena wichtig machen wollten und Aufmerksamkeit erregen wollten“, sagte die Frau. Dem Nationalsozialistischen Untergrund werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren in Jena aufgewachsen und hatten sich dort in den 1990er Jahren radikalisiert.

Ein Fehler, der viele Menschen das Leben gekostet hat

Zudem erklärte die Ex-Verfassungsschützerin, es sei rückblickend ein Fehler gewesen, dass sich der Verfassungsschutz bald nach dem Untertauchen des Trios im Jahr 1998 völlig aus den Ermittlungen der Polizei herausgehalten habe. „Im Nachhinein war das ein Fehler, der vielen Menschen das Leben gekostet hat“, sagte sie. „Das wird auch ein Rucksack sein, den man sein Leben lang nicht mehr verliert.“

Zugleich verwies sie auf die schwierigen Arbeitsbedingungen damals. Es habe zu wenig Personal und eine mangelnde technische Ausstattung gegeben. Für den gesamten Bereich Rechtsextremismus habe es beispielsweise nur einen einzigen internetfähigen Arbeitsplatz gegeben. Dafür habe es einen enormen Druck aus der Polizei und der Politik auf die Mitarbeiter gegeben, Informationen aus der Szene zu beschaffen, um zum Beispiel Neonazi-Aufmärsche verhindern zu können.

Nach eigenen Angaben war die Frau 1996 zum Verfassungsschutz gekommen. Sie sei Pädagogin und habe Anfang der 1990er Jahre keinen Job gefunden, weil sie Russisch studiert habe, dieses Fach damals aber nicht mehr nachgefragt gewesen sei. Nach vielen erfolglosen Bewerbungen sei sie dann auf ein Job-Angebot aufmerksam geworden, hinter dem der Verfassungsschutz gesteckt habe. Dort sei sie zu den ideologischen Grundlagen des Rechtsextremismus aber nur ungenügend geschult worden. Sie habe nur einen einzigen Eintageslehrgang zur Neonazi-Ideologie besucht, sagte sie.

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