Flüchtlingsunterkunft Obermehler wird erst 2020 deutlich kleiner

Mühlhausen  Derzeit leben 666 Menschen in den Blöcken. Ein Sozialzentrum soll im August öffnen.

Der Kreisausschuss tagte Montagabend zur Flüchtlingsunterkunft in Obermehler. Das Interesse der Schlotheimer und Mehlerschen blieb – trotz aller Diskussionen in den beiden Kommunen – überschaubar.

Der Kreisausschuss tagte Montagabend zur Flüchtlingsunterkunft in Obermehler. Das Interesse der Schlotheimer und Mehlerschen blieb – trotz aller Diskussionen in den beiden Kommunen – überschaubar.

Foto: Daniel Volkmann

Die Situation in Schlotheim und Obermehler war am Montagabend Thema einer ungewöhnlichen Sitzung des Kreisausschusses. Der suchte den Dialog zum Thema Gemeinschaftsunterkunft und sollte zur Fragestunde an die Verwaltung und die Ausschussmitglieder werden. Das Interesse der Schlotheimer und Mehlerschen war dabei allerdings überschaubar; gerade mal ein Dutzend war ins Audimax der beruflichen Schulen gekommen. Schlotheims Bürgermeister Hans-Joachim Roth war „enttäuscht, dass den Menschen 15 Kilometer Weg zu weit sind“, um an der – letztlich sehr sachlichen – Runde teilzunehmen.

666 Menschen leben derzeit in der Flüchtlings-Unterkunft in Obermehler. Für 387 von ihnen laufen die Asylverfahren, 122 haben bereits Bleiberecht. 157 allerdings sind ausreisepflichtig, hieß es dazu von der Verwaltung. Sie abzuschieben, davon nehme man weitgehend Abstand. Es gibt, sagt Landrat Harald Zanker (SPD), „zahlreiche rechtliche und menschliche Möglichkeiten“, wie dem zu entkommen ist; „wir setzen weiter auf die freiwillige Ausreise“.

13 Kinder gehen in den Kindergarten in Obermehler, 75 in Schulen in Schlotheim, Menteroda, Hüpstedt, Körner und Mühlhausen. Weitere 31 werden im Sommer eingeschult. Gut jeder Zweite werde sich mit Beginn des neuen Schuljahres in einer Ausbildung oder Beschäftigung befinden.

Soweit die Zahlen. Sebastian Wäldrich aus Schlotheim kritisierte, mit Verweis auf einen Beschluss des Kreistages und auf Äußerungen des Thüringer Migrationsministers Dieter Lauinger (Grüne), dass man im Landkreis nicht mehr Menschen dezentral unterbringe. In Schlotheim würden sich vor allem Familien mit Kindern nicht mehr wohlfühlen. „Sicher gibt es in Obermehler Menschen, die sich integrieren wollen; wie aber kommt man den schwarzen Schafen bei“, fragte Wäldrich, der für die CDU der Schlotheimer Stadtrat sitzt.

Bis Oktober 2020 wird die Unterkunft in dieser Größe betrieben, kündigt Zanker an. Danach mit einer geringeren Kapazität, so sich der Kreistag für Obermehler und nicht für einen anderen Standort entscheidet.

Was weitere Investitionen angeht, da hielten sich die Vertreter der Kreisverwaltung zurück. Das geplante Sozialzentrum wird kommen, Eröffnung soll im August sein. Etwas schwammiger waren die Aussagen zum Verkehrsgarten und zu einem Projekt, bei dem Erfahrungen in der handwerklich-technischen Arbeit gesammelt werden. Doch auch daran halte man – trotz Widerständen – fest. Weitere Investitionen allerdings werde es nicht geben, hieß es von Behördenchef Zanker.

Angesichts eines erneut anstehenden Besitzerwechsels für die Wohnblocks wollte Schlotheims Bürgermeister Roth vom Landrat wissen: Tragen Sie sich wieder mit dem Gedanken, die Blocks zu kaufen? Die Verwaltung werde keinen entsprechenden Beschluss in den Kreistag einbringen, teilte Zanker mit.

Eine Ausländerquote – so wie derzeit in der Region Schlotheim/Obermehler – von gut 13 Prozent sei, so Zanker, zu viel. Die für die Jahre nach 2020 in Aussicht gestellte Zahl von 200 bis 300 Menschen – falls sich der Kreistag für Obermehler entscheidet – könne die Region stemmen, glaubt Roth.

Im Herbst werde es eine weitere Info-Veranstaltung in Schlotheim oder in Obermehler geben, kündigte Zanker an.

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