Ärzte beklagen mangelnde Visionen für Zukunft der Krankenhäuser

Bad Berka  Kostendruck und Personalmangel stellen Kliniken vor große Herausforderungen. Bei einem Treffen in Bad Berka wird deutlich, dass Mediziner die Politik in der Pflicht sehen – und bisweilen enttäuscht sind.

Symbolbild.

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Foto: Felix Kästle/dpa

Ärztinnen und Ärzte haben bei einem Treffen mit Politikern in Bad Berka fehlende Visionen für die Zukunft des Gesundheitswesens beklagt.

Er sei enttäuscht von den Parteiprogrammen zu den Landtagswahlen, sagte Joachim Abrolat, Geschäftsführer der Klinik an der Weißenburg in Uhlstädt-Kirchhasel, beim Seminartag des Verbandes der Privatkliniken (VPKT). „Kostendruck und Personalmangel stellen uns vor große Herausforderungen. Keiner der Vorschläge trägt dazu bei, die Situation abzumildern“, so der Klinikvertreter.

So klafften etwa in der Pflege riesige Lohnunterschiede, die durch die neue Vergütung ab 2020 verschärft würden. „Wir brauchen konkrete Vorschläge und Förderungen, damit mehr Pfleger ausgebildet, die Ausbildung besser vergütet und der Beruf attraktiver werden kann“, sagte Abrolat. Hans Dahlhaus, VPKT-Vorstand und Vertreter der m&i-Kliniken, fragte, warum viele Pflegekräfte und Ärzte keine Lust mehr hätten, in ihrem Beruf zu arbeiten. „Die Bürokratie beansprucht einen Großteil der Tätigkeit. Dringend benötigte Ärzte und Pfleger aus dem Ausland meiden Thüringen inzwischen, weil hier die staatlichen Zulassungen so lange dauern“, sagte Dahlhaus.

Sicherung der Versorgung auf dem Land ist parteiübergreifend Thema

Der Einladung, ihre Programme vor rund 80 Vertretern von Kliniken und Reha-Einrichtungen vorzustellen, waren alle Landtagsparteien (außer der AfD) sowie die FDP gefolgt. Parteiübergreifende Themen sind der Abbau von Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, die Digitalisierung, die Sicherung der Versorgung auf dem Land sowie Umbau und Finanzierung der Kliniklandschaft.

Kontrovers diskutiert wurden die Weigerung des Landes, mehr Medizinstudienplätze zu schaffen, sowie Vorstellungen von SPD und Linken zur Rekommunalisierung privater Kliniken.

Babette Pfefferlein, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, räumte politische Versäumnisse ein. „Wir sind uns alle einig, dass ambulant und stationär besser verzahnt werden müssen, die Praxis aber hat mich sehr geerdet“, sagte Pfefferlein. So seien nach der Pleite der DRK-Kliniken in Nordthüringen Pläne für ein geriatrisches Zentrum oder eine sektorübergreifende Tagesklinik an fehlendem politischen Willen, Uneinigkeit der Akteure sowie Ängsten und Verunsicherung in der Bevölkerung komplett gescheitert. „Wir haben es nicht geschafft, die Menschen über Bedeutung und Leistungsfähigkeit spezialisierter und gut vernetzter Kliniken sowie moderner Gesundheitszentren aufzuklären. Ein „weiter so“ kann und darf es hier nicht mehr geben“, sagte die Politikerin.

CDU kritisiert unbesetzte Stellen im Gesundheitsministerium

Wie nötig das ist, machte auch Boris Augurzky deutlich, Gesundheitsexperte beim RWI Essen und Mitautor des Krankenhaus-Rating-Reports. Die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken habe sich 2017 trotz noch relativer guter Lage in Thüringen auch hier durch überdurchschnittlich sinkende Fallzahlen, Personalmangel und gesunkene Investitionsförderung durch den Staat verschlechtert. Dieser Trend werde auch für die Zahlen von 2018 erwartet. Nötig seien eine Investitionsoffensive zur Optimierung der Krankenhausstrukturen, eine Reform des DRG-Systems hin zu einer stationäre und ambulante Leistungen gleichermaßen würdigenden Vergütung sowie Anstrengungen zur Personalgewinnung.

Christoph Zippel, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, warf dem Gesundheits- und Sozialministerium vor, wegen vieler unbesetzter Leitungsposten nicht mehr handlungsfähig zu sein. Persönlich sei er der Meinung, dass Thüringen für die Zukunft ein selbstständiges Gesundheitsministerium benötigt.

Zur Sache: Millionen-Verlust durch Klinikpleite

Die Insolvenz der DRK-Kliniken hat dem Thüringer Landesverband des Roten Kreuzes (DRK) offenbar Einbußen in Millionenhöhe beschert. Laut MDR seien hohe Außenstände der Krankenhausgesellschaft letztlich in doppelter Höhe am Landesverband hängen geblieben. Der Gesamtbetrag summiere sich auf rund eine Million Euro.

Ob und wie viel Geld der Landesverband aus der Insolvenzmasse erhält, ist nicht klar. Das DRK räumte ein, dass es dadurch schwieriger wird, die Arbeit des Landesverbandes zu finanzieren. Die Leistungsfähigkeit der Kreisverbände sei nicht betroffen.

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