Arztpraxen in Thüringen geht Grippeimpstoff aus

Erfurt.  Der Grippeimpfstoff wird in Thüringen knapp. Laut Apothekerverband sind alle vorhandenen Impfdosen bereits ausgeliefert.

Weil mehr Menschen als sonst wegen einer Grippeimpfung zum Arzt gegen, kommt es mancherorts zu Engpässen. (Symbolbild)

Weil mehr Menschen als sonst wegen einer Grippeimpfung zum Arzt gegen, kommt es mancherorts zu Engpässen. (Symbolbild)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Thüringer Arztpraxen geht der Grippeimpstoff aus. Aus Städten wie Gera oder Erfurt häufen sich Meldungen, wonach Patienten, die eigentlich einen Termin zur Grippeimpfung hatten, wieder heimgeschickt werden, weil es keinen Impfstoff mehr gibt.

Gegenüber dem MDR erklärte der Chef des Thüringer Hausarztverbandes Ulf Zitterbart schon vor Tagen, dass seine 1200 Impfdosen bereits aufgebraucht seien. Der Thüringer Apothekerverband bestätigt: Alle vorhandenen Grippeimpstoffe seien bereits ausgeliefert, mehr derzeit nicht lieferbar.

„Die Nachfrage nach Grippeimpfungen in diesem Jahr ist viel höher als ohnehin wegen Corona schon erwartet. Es hat in diesem Jahr schon mehr Impfdosen gegeben als sonst, aber auch die sind erschöpft. Die Lager der Großlieferanten sind leer. Leider haben aber wohl einige Arztpraxen aus der Erfahrung heraus von vorneherein zu wenig Impfdosen bestellt. Wenn es schon jetzt Engpässe gibt, so ist das ärgerlich“, sagte Stefan Fink, Chef des Apothekerverbandes und selbst Inhaber der Classic-Apotheke in Schöndorf bei Weimar.

So habe es von den Krankenkassen eigentlich Signale gegeben, dass möglicherweise zu viel bestellte Impfdosen nicht geahndet würden. Impfdosen werden in der Regel im Frühjahr bei der Pharmaindustrie bestellt und im Jahresverlauf produziert, eine kurzfristige Nachproduktion ist nicht möglich.

Das Land rechnete bislang nicht mit Engpässen bei den Grippeimpfungen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Thüringen hatte dafür in diesem Jahr 520.000 Impfdosen gegen die Grippe bestellt. Angesichts der bisher geringen Impfquote von unter 50 Prozent bei den Über-60-Jährigen und weiteren Risikogruppen gehe man nicht davon aus, dass es zu Engpässen bei der Influenzaschutzimpfung kommt, hieß es.

KV-Chefin Annette Rommel sagte noch im September: „Die Thüringer Vertragsärzte haben jahrelange Erfahrung mit der Grippeschutzimpfung und dabei auch Saisons mit schweren Verläufen, Impfstoffknappheit und verstärkter Nachfrage gemeistert. Für die kommende Impfsaison, die im Oktober startet, wurden die Impfstoffe in Zusammenarbeit mit den Apotheken bereits im Frühjahr bestellt.“

Laut Apotheker Stefan Fink können Impfwillige noch auf eine Reserve von bundesweit 6 Millionen Impfdosen hoffen, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Ausland besorgt habe. Mit der Auslieferung sei Mitte November zu rechnen.

Ein Gutes habe die Situation aber: „Durch Corona haben wir eine so hohe Impfquote bei Grippeschutzimpfungen wie selten. Da hat die Pandemie doch mal etwas Positives bewirkt“, sagte der Verbandschef der Thüringer Apotheker.