Bereitschaft zum Abstrichtest sinkt bei den Weimarern

Weimar.  Amtsärztin Dr. Oberbeck würde für eine genaue Lageeinschätzung gern die Zahl der Corona-Tests erhöhen.

Hotline-Zentrum im Marie-Juchacz-Saal der Stadtverwaltung. Um den Schall zu verringern wurden Raumteiler mit Theaterstoff bespannt.

Hotline-Zentrum im Marie-Juchacz-Saal der Stadtverwaltung. Um den Schall zu verringern wurden Raumteiler mit Theaterstoff bespannt.

Foto: Michael Baar

Im Zwei-Schicht-Betrieb besetzt die Stadt Weimar weiterhin ihre Corona-Hotline. Von 8 bis 18 Uhr steht die Telefonnummer 762 555 zur Verfügung. Sie ist geschaffen für Fragen rund um das Coronavirus, bei eigenem Verdacht auf eine Ansteckung oder bei Unsicherheit von Bürgern. Im Marie-Juchacz-Saal, in dem sonst der Stadtrat seine Sitzungen abhält, ist die Hotline aufgeschaltet. Dabei handelt es sich allerdings um viel mehr als einen oder zwei Schreibtische mit Telefon. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

In mehreren Reihen geben Mitarbeiter aus allen Bereichen der Stadtverwaltung Auskunft auf die Fragen oder setzen Konsequenzen aus den Anrufen um. Die Mitarbeiter der Anrufannahme sind tagesaktuell über die geltenden Verfügungen, Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und Grundsätzliches zur Corona-Infektion informiert.

Für die medizinische Absicherung der Hotline sorgt das Gesundheitsamt. Es hat seine Arbeit komplett in den Saal verlagert. Hier landen alle Anrufe, die medizinische Kenntnisse verlangen. In dritter und vierter Reihe arbeiten Kontaktermittler. Sie sollen auf schnellstem Weg Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig machen und diese informieren.

Der Hotline-Bereich füllt – einschließlich der gebotenen Abstände zwischen den Arbeitsplätzen – nahezu den ganzen Marie-Juchacz-Saal aus. Derzeit geht die Verwaltungsspitze davon aus, dass der Hotlinebereich mindestens bis Ende Juni aufrechterhalten werden muss. Das Tempo, das er ermöglicht, sei besonders beim Ermitteln von Kontaktpersonen wichtig. Schon durch eine einzige betroffene Arztpraxis mussten in den vergangenen Wochen in kürzester Zeit 200 oder sogar 300 Menschen ausfindig gemacht werden.

Oberbürgermeister Peter Kleine geht davon aus, dass die Zahl der Fälle wieder steigt, sobald erste Lockerungen der Corona-Regeln in Kraft treten. Dann sei es wichtig, auf eine funktionierende Struktur zurückgreifen zu können.

Mit Spannung erwartet Amtsärztin Dr. Isabelle Oberbeck die Ergebnisse der Telefonkonferenz von Ministerpräsidenten und Kanzlerin. Bis dahin will sich die Stadt mit Erwartungen öffentlich zurückhalten. OB Peter Kleine schließt allerdings nicht aus, dass er dann für die Stadtverwaltung und deren Besucher eine Mundschutzpflicht einführt.

Das Gesundheitsamt versucht derzeit, die Zahl der Corona-Tests in Weimar auch auf Menschen zu erweitern, die keinen Kontakt mit Infizierten hatten. Die Bereitschaft der Bürger gehe allerdings zurück. Zu Beginn der Pandemie hätten manche mit Klage gedroht, um getestet zu werden. Inzwischen müsse man Anrufer fast zum Test überreden.

Dem Landeslabor in Bad Langensalza bescheinigt Isabelle Oberbeck inzwischen schnelle Meldungen der Ergebnisse. Allerdings werde dort nur getestet, wer Symptome hat und Kontakt zu einem Corona-Infizierten. Das stehe der Ausweitung der Tests entgegen, da die Stadt Weimar ihre Abstrichproben in Bad Langensalza untersuchen lassen muss.