Bürger sollen verstärkt zur Krebsvorsorge aufgefordert werden

Die Krebsfrüherkennung und die Vorsorge sollen in der Bundesrepublik wirksam verbessert werden. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den gestern das Bundeskabinett beschloss.

Eine junge Frau wird im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf in einem neuartigen Magnet-Resonanz-Tomografen untersucht. Welche Krebs-Früherkennung sinnvoll ist, darüber sollen künftig Ärzte und Krankenkassen selbstständiger entscheiden dürfen als bisher. Foto: Norbert Millauer

Eine junge Frau wird im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf in einem neuartigen Magnet-Resonanz-Tomografen untersucht. Welche Krebs-Früherkennung sinnvoll ist, darüber sollen künftig Ärzte und Krankenkassen selbstständiger entscheiden dürfen als bisher. Foto: Norbert Millauer

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Berlin. Jährlich werden in Deutschland 470.000 Krebsneuerkrankungen registriert. Mit 218.000 Todesfällen ist diese Krankheit der zweithäufigste Sterbegrund. Im Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz soll die Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs verbessert werden.

So werden die Bürger ab 2016 regelmäßig zu Voruntersuchungen eingeladen. Die Festlegung der Altersgrenze und die Organisation dieser Maßnahme soll der Ärztlichen Selbstverwaltung sowie den Krankenkassen überlassen werden, die diese nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen ausrichten müssen.

Bis 2018 sollen in allen Krankenhäusern und Bundesländern klinische Krebsregister eingerichtet werden. In ihnen sollen alle wichtigen Daten der Diagnose, des Verlaufs der Erkrankung, alle Behandlungsschritte erfasst werden. Auch die Nachsorge bis hin zum Überleben oder auch bis zum Tod werden dokumentiert. Diese Fakten sollen der Qualitätsverbesserung von Früherkennung sowie der Behandlung dienen.

Für die Datenerhebung wird das Bundesministerium einheitliche Standards erarbeiten.

DDR führte größtes Krebsregister der Welt

Mit der Einführung flächendeckender klinischer Krebsregister schließt sich nach zwanzig Jahren ein Kreis. In der DDR hatte es ein solches Krebsregister gegeben, in dem wegen der bestehenden Meldepflicht 99 Prozent aller Erkrankungen in den 227 Kreisen registriert wurden. Damit war diese Datensammlung damals die größte der Welt.

In der Wiedervereinigungsphase kämpften Fachleute darum, diese Methode auf die gesamte Bundesrepublik auszudehnen. Zu ihnen gehörte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Sabine Bergmann-Pohl (CDU). Die ehemalige Volkskammerpräsidentin und anerkannte Lungenärztin konnte allerdings nur durchsetzen, dass die neuen Bundesländer sich einigten, im Alleingang weiterzumachen.

Da daraufhin die Meldungen auf freiwilliger Basis erfolgten, wurden im Jahr 2000 in Thüringen schätzungsweise nur noch 65 Prozent aller Fälle registriert - und der Nutzen des Registers wurde dadurch fragwürdig.

Das Saarland und Bayern führten allerdings frühzeitig auch solche Register ein.

Für die Bürger Thüringens wird sich nichts ändern. Die Ärzte werden wie überall ihre statistische Zuarbeit vergütet bekommen. Steffen-Claudio Lemme, Thüringer Bundestagsabgeordneter der SPD und Mitglied des Gesundheitsausschusses, sieht in dem Gesetzentwurf einen ersten richtigen Schritt, aber die Bundesregierung sei immer noch ihr angekündigtes Präventionsgesetz schuldig, wie er gegenüber unserer Zeitung betonte.

Fragen des Tages

Warum gibt es das neue Gesetz zu Krebsvorsorge und Melderegistern?

Bereits 2008 entwickelte das Bundesgesundheitsministerium zusammen mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Tumorzentren den Nationalen Krebsplan. Der fließt teilweise in das nun vorgestellte Gesetzespaket.

Wozu dient ein Krebsregister?

Die Registerdaten geben Aufschluss darüber, wie erfolgreich bestimmte Therapien bei bestimmten Erkrankungen sind. Alle fünf Jahre wird ein Gesamtbericht über den Stand der Dinge veröffentlicht, der auch Auskunft über mögliche Ursachen von Krebserkrankungen geben kann.

In der DDR wurden die Daten allerdings unter Verschluss gehalten, weil darin unter anderem die Folgen des Uran-Bergbaus in Ostthüringen deutlich zu erkennen waren.