Corona: Thüringer Arztpraxen klagen über unvernünftige Patienten

Erfurt.  Ärzte appellieren an ihre Patienten: Praxen sind ansteckungssensible Räume und sollten nur in dringenden Krankheitsfällen aufgesucht werden. Videosprechstunden sind unbegrenzt möglich.

Zur weiteren Entlastung von Arztpraxen haben sich Ärzte und Krankenkassen auf nunmehr unbegrenzt mögliche Videosprechstunden verständigt.

Zur weiteren Entlastung von Arztpraxen haben sich Ärzte und Krankenkassen auf nunmehr unbegrenzt mögliche Videosprechstunden verständigt.

Foto: Sina Schuldt/dpa (Symbolfoto)

Arztpraxen in Thüringen klagen über unvernünftige Patienten. „Zu uns kommen jetzt mitunter Frauen mit teilweise mehreren Begleitpersonen“, sagte eine Frauenärztin unserer Zeitung. Man versuche zwar, trotz Einschränkungen des öffentlichen Lebens den Betrieb für dringende Behandlungsfälle auch jenseits von Corona aufrecht zu erhalten. Umso wichtiger sei der Appell, dass gerade Arztpraxen Risikoräume darstellen, die entsprechende Vorsichtsmaßnahmen erfordern. Patienten sollen nach Möglichkeit nur in medizinisch dringenden Fällen die Praxen aufsuchen, Begleitpersonen möglichst draußen bleiben, Kinder nicht durch das Sprechzimmer tollen. „Viele verstehen nach wie vor nicht, dass jeder Einzelne eine Infektionsquelle sein kann und gegebenenfalls die ältere Dame im Wartezimmer oder auch das medizinische Personal gefährdet“, sagte die Ärztin.
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Von der Kassenärztlicher Vereinigung habe man die Empfehlung erhalten, zum Schutz von Patienten aufschiebbare Routine- oder Vorsorgeuntersuchungen bei ansonsten beschwerdefreien Patienten auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Die konkrete Entscheidung darüber, wer abbestellt wird und wer nicht, liege aber bei den Praxen. „Wir sind da in einem Dilemma, dass wir täglich lösen müssen und können nur an die Vernunft aller Patienten appellieren, uns dabei zu unterstützen“, sagte die Medizinerin.

Zur weiteren Entlastung von Arztpraxen haben sich Ärzte und Krankenkassen auf nunmehr unbegrenzt mögliche Videosprechstunden verständigt. Normalerweise dürfen Ärzte und Psychotherapeuten pro Quartal maximal jeden fünften Patienten ausschließlich per Video behandeln, ohne dass dieser in die Praxis kommen muss. Wegen der Corona-Krise könnten Mediziner die Videosprechstunde vorerst flexibel in allen Fällen nutzen, in denen sie es für therapeutisch sinnvoll halten, vorausgesetzt, sie ist technisch verfügbar. Für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gilt dies, wenn es bereits einen persönlichen Erstkontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung gab und es aus therapeutischer Sicht kein unmittelbarer persönlicher Kontakt erforderlich ist. Die Begrenzungsregelungen wurden zunächst für das zweite Quartal ausgesetzt. KBV und Krankenkassen werden spätestens zum 31. Mai prüfen, ob eine Verlängerung erforderlich ist.

Erscheinen Patienten trotz vereinbarten Termins nicht zur Sprechstunde oder Therapie, erhalten Mediziner und Psychotherapeuten dafür bislang keinen Kostenausgleich. Berichtet hatten wir am Dienstag, es gebe dafür eine Abrechnungsziffer. „Die Aussage ist falsch. Die Abrechnungsziffer dient allein der Dokumentation. Dies wurde den KV-Mitgliedern auch bereits in einem unserer letzten Rundschreiben so mitgeteilt“, stellte KV-Sprecher Veit Malolepsy.

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