Das tägliche Warten auf Restimpfungen in Gera

Ulrike Merkel
| Lesedauer: 2 Minuten
Impfwillige vor dem Impfzentrum Ostthüringen in Gera warten am Abend darauf, eine der übrig gebliebenen Dosen zu erhalten.

Impfwillige vor dem Impfzentrum Ostthüringen in Gera warten am Abend darauf, eine der übrig gebliebenen Dosen zu erhalten.

Foto: Ulrike Merkel

Gera.  Interview mit dem Leiter des Geraer Impfzentrums, wie groß die Chancen sind, eine Restimpfung zu bekommen und wer die Dosen erhält.

Seit einigen Wochen bildet sich gegen Abend vor dem Geraer Impfzentrum eine Schlange. Die Menschen hoffen, nach Schließung um 20.30 Uhr eine der begehrten Restimpfungen zu erhalten. Ein Gespräch mit Leiter Martin Weigelt. Alle aktuellen Entwicklungen im Corona-Liveblog

Zwischen 40 und 60 Leuten stellen sich am Abend an Ihrem Impfzentrum an. Wie viele haben pro Tag Glück, noch geimpft zu werden?

Die Zahl variiert zwischen Null und maximal 30 Personen. Es sind bis zu 98 Prozent Menschen, die nicht zur Prioritätsgruppe gehören.

Wie läuft das Prozedere ab? Haben Sie auch Impflisten, die Sie abtelefonieren?

Wir haben Kontakt zu Personen, die solche Listen verwalten, zum Beispiel zur Berufsfeuerwehr oder medizinischen Einrichtungen. Die haben natürlich Vorrang.

Wie entstehen eigentlich die Restkapazitäten?

Wir haben täglich Terminausfälle. Entweder kommen Personen nicht zum Termin oder sie können aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden. Auch durch den Verfall der Dosen können Restbestände entstehen, gerade bei Biontech.

Warum das?

Wenn eine Ladung Impfstoff aus der Tiefkühllagerung des Zentrallagers zu uns kommt, muss sie innerhalb von fünf Tagen aufgebraucht sein. Darunter ist immer auch ein gewisser Puffer, wenn etwa beim Aufziehen etwas nicht klappt. An einem Tag, an dem der Impfstoff verfällt, müssen dann die Restbestände verbraucht werden.

Wie läuft die Auswahl ab?

Es geht nach Priorität und Wartezeit. Es gibt Leute, die sitzen zum Teil mit Campingstuhl, Buch und Picknickkorb ab Mittag vor der Halle. Grundsätzlich haben wir Sicherheitspersonal, das den Ablauf den Tag über beobachtet und empathisch entscheidet. Die Abgewiesenen können dennoch recht ungemütlich werden. So ist der Mensch.

Auf Facebook wurde kritisiert, dass Ausländer keine Chance hätten.

Das stimmt nicht. Es waren genauso Leute ausländischer Herkunft unter denen, die eine Restimpfung bekamen. Sie müssen allerdings nachweisen, dass sie einen thüringischen Wohnsitz haben beziehungsweise hier arbeiten.

Handhaben andere Thüringer Impfstellen die Restimpfungen wie Sie?

Oft geht es dort nach Wartelisten. Bei uns ist das vor allem eine Zeitfrage. Wir wissen erst 20.45 Uhr, wie viele Dosen übrig sind. Wenn wir dann anfangen würden, Kontaktlisten abzutelefonieren, warten hier fast 50 Mitarbeiter bis zehn, halb elf, bis die Leute kommen. Das ist einfach nicht umsetzbar.

Wie groß ist die Chance, eine ersehnte Dosis zu erhalten?

Es ist jeden Tag aufs Neue eine Lotterie. Das Risiko, nicht dran zu kommen, ist extrem hoch. Man kann wohl sagen, wenn schon 70 Leute vor dem Zentrum warten, braucht man sich nicht mehr anzustellen.