Die Ruhe beim Angeln - Die positiven Erfahrungen eines Schülers mit ADS

Ständig abgelenkt: Menschen mit ADS ist es fast unmöglich, sich zu konzentrieren. Ein Schüler hat für sich das Angeln als beste Medizin ausgemacht. Hier sein Erfahrungsbericht.

Keine Ablenkung, nur er selbst, die Angel und das Wasser: So fand der heute 16-Jährige schon in jungen Jahren Ruhe.

Keine Ablenkung, nur er selbst, die Angel und das Wasser: So fand der heute 16-Jährige schon in jungen Jahren Ruhe.

Foto: Getty Images/brave-carp

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Kennst du das auch? Du betrittst einen Raum und was du dort eigentlich machen wolltest, weißt du nicht mehr? Du unterhältst dich mit Freunden und dadurch, dass alle durcheinanderreden, bekommst du irgendwie nichts mit? Du versuchst dich zwanghaft zu konzentrieren, aber du wirst sofort abgelenkt? Kennst du das?

Stell dir einmal vor, du hättest das jeden Tag, zu jeder Uhrzeit – so wie ich bis zur sechsten Klasse. Ich bin 16 Jahre alt, besuche die 10. Klasse und habe ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS). Eine Krankheit, bei der zu viele Informationen in den Synapsen ankommen, immer. Damit ist es mir nicht möglich, mich auf eine Sache zu konzentrieren, weil ich alles andere nicht ausblenden kann.

Von der Krankheit ADS hast du bestimmt schon mal gehört, oder? Denn so einen „Zappelphillip“ oder ein „Träumerle“ kennt doch schließlich jeder. Das Bundesministerium für Gesundheit nimmt an, dass rund zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland betroffen sind.

Ich war immer mehr ein „Draußen-Kind“, bin auf Bäumen herumgeklettert und hatte schon damals meine große Leidenschaft: das Angeln. Ich persönlich würde das als meinen Rückzugsort bezeichnen. Etwas, bei dem meine Gedanken endlich Ruhe gegeben haben.

Das Rauschen des Windes stört, Getuschel anderer auch

Denn ich konnte mich nie so konzentrieren wie alle anderen, und aus Frustration bin ich oft wütend geworden. Jede Person, die mich aus meiner Sicht gestört hat, habe ich gehasst. Und das teilweise nur, weil die Person sich im Unterricht leise unterhalten hat.

Ich wollte mich damals einfach so konzentrieren können wie alle anderen auch, aber das habe ich nur selten und nur für sehr wenige Minuten geschafft. Jede Geräuschquelle, sei es das Getuschel in der Klasse, das Umblättern eines Buches, der rauschende Wind vor dem Fenster oder das Klicken eines Kugelschreibers, hat mich abgelenkt.

Daher ist es wahrscheinlich nicht überraschend, dass ich am Unterricht und an mir selbst regelrecht verzweifelte. Ich merkte dann in der sechsten Klasse, dass ich in der Schule Schwierigkeiten hatte, die die meisten anderen nicht hatten. Nachdem ich zufällig eine Dokumentation über ADS im Fernsehen gesehen hatte, wurde mir so einiges klar. Dass ich tatsächlich ADS habe, war nach einigen Tests beim Psychiater dann auch bestätigt.

Seither nehme ich Medikamente: sogenannte Psychopharmaka, in Form von Methylphenidat, euch wahrscheinlich besser bekannt unter dem Namen Ritalin. Da Methylphenidat falsch dosiert sehr gefährlich sein kann und auch als Lern- und Partydroge missbraucht wird, hat dieses Medikament leider einen sehr schlechten Ruf. Doch ich als Betroffener bin sehr froh, dass es das gibt.

Als ich dann die Medikamente bekommen habe, wurde mein Leben viel geordneter. Ich bekam im Unterricht mehr mit und konnte mich jetzt endlich auf eine Sache konzentrieren. Da die Medikamente nur bis kurz nach der Schule wirkten, hatte ich ein riesiges Problem mit den Hausaufgaben. Meine Noten gingen in den Keller. Ich wechselte deshalb in der siebten Klasse auf eine kleine Ganztagsschule.

Dieser Wechsel war für mich ein Neuanfang, der sehr gut gelungen ist. Denn auf dieser Schule gab es kaum noch Probleme und meine schulischen Leistungen sind trotz ADS bis zum jetzigen Zeitpunkt konstant.

* Name der Redaktion bekannt.

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