Immer mehr ältere Menschen in Thüringen süchtig

Erfurt.  Laut Landesseniorenrat Thüringen sei die Zahl abhängiger Senioren „relativ hoch“ und werde aufgrund des demografischen Wandels weiter steigen.

Lebensumstände wie Einsamkeit forcieren Süchte.

Lebensumstände wie Einsamkeit forcieren Süchte.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der Landesseniorenrat Thüringen fordert, dass das Thema „Sucht im Alter“ mehr in den öffentlichen Fokus gerückt wird. Die Zahl abhängiger Senioren sei „relativ hoch“ und werde „aufgrund des demografischen Wandels weiter steigen“, sagt Geschäftsführer Jan Steinhaußen.

Das deckt sich mit den Prognosen von Sebastian Weiske von der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen: „Speziell die Personen mit einer Alkoholabhängigkeit verschieben sich in das höhere Alter ab 60 Jahren.“ Laut Landesamt für Statistik hat sich allein die Zahl der Patienten 60 plus, die infolge ihres Alkoholkonsums in stationärer Behandlung waren, von 2010 bis 2017 um mehr als 30 Prozent auf 2300 erhöht.

Die gewählten Suchtmittel variieren je nach Geschlecht: Während Männer eher alkohol- und tabaksüchtig seien, entwickelten Seniorinnen häufiger Medikamentenabhängigkeiten, vor allem von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Schmerzmedikamenten oder Psychopharmaka, erläutert Jan Steinhaußen. Da im Alter Schmerzen, aber auch Depressionen und Ängste häufiger auftreten, nimmt dementsprechend die Einnahme dieser suchtgefährlichen Arzneimittel zu.

Beratungs- und Therapieangebote vermehrt auf junge Menschen und Erwerbstätige ausgerichtet

Ein großes Problem ist dem Seniorenrats-Chef zufolge die Tabuisierung des Themas seitens der Betroffenen, aber auch seitens der Gesellschaft, die alten Menschen etwa unterstellt, verhaltensresistent zu sein. Beratungs- und Therapieangebote seien vermehrt auf junge Menschen und Erwerbstätige ausgerichtet, die in den Arbeitsmarkt zurückgeführt werden sollten.

„Für Senioren ist der Hausarzt erster Ansprechpartner“, sagt der Geschäftsführer. Hilfe erhält man aber auch bei Suchtberatungsstellen, Kliniken und Selbsthilfegruppen. „In Thüringen gibt es aktuell etwa 115 Suchtselbsthilfegruppen mit etwa 1700 aktiven Personen“, sagt Sebastian Weiske.

Steinhaußen zufolge muss auch ein Umdenken im sozialen System stattfinden: Da negative Lebensumstände wie Altersarmut und Einsamkeit Abhängigkeiten forcierten, sei es wichtig alte Menschen stärker gesellschaftlich einzubinden.