Krankenhausplanung in Thüringen soll reformiert werden

Jena  Die Landesärztekammer diskutiert über die Folgen des Ärzte- und Pflegermangels sowie über neue Vergütungsmodelle für ambulante und stationäre Leistungen.

Eine Bertelsmann-Studie hat die Diskussion um Klinikschließungen weiter angefacht. In Jena diskutierten Vertreter von Ärzten, Krankenhäusern, Kassen und Politik.

Eine Bertelsmann-Studie hat die Diskussion um Klinikschließungen weiter angefacht. In Jena diskutierten Vertreter von Ärzten, Krankenhäusern, Kassen und Politik.

Foto: dpa

Mit Appellen an die Landes- und Bundespolitik sowie an die eigene Zunft haben Ärzte und Krankenkassen-Vertreter in Jena Änderungen in der Thüringer Krankenhausplanung gefordert. Ausgehend von der jüngsten Bertelsmann-Studie, die weniger und dafür bessere Kliniken forderte, wurden mehr Spezialisierungen und Kooperationen sowie eine bessere Verquickung von ambulanter und stationärer Behandlung in Thüringen angemahnt. Über das Wie gehen die Meinungen aber auseinander.

Personalmangel bei Ärzten und Pflegern sowie die Alterung in der Gesellschaft stellten die Gesundheitsversorgung vor große Belastungsproben, sagte Ellen Lundershausen, Präsidentin der Landesärztekammer. „Wir haben bundesweit mit die größte Krankenhausdichte. Jeder Träger war in der Vergangenheit bemüht, sein Krankenhaus fortzuentwickeln, vor allem bei hoch spezialisierten Leistungen. Damit einher geht ein Wettbewerb um Fachärzte. So viele Spezialisten, wie benötigt würden, haben wir aber in Thüringen gar nicht“, so die Ärztevertreterin.

Kliniken würden sich nicht an der notwendigen Versorgung, sondern an den lukrativsten Leitungen orientieren. „Wir brauchen eine Bündelung ärztlicher Kompetenz bei gleichzeitiger flächendeckender Versorgung. Die neu zu organisieren, erfordert großen Mut“, so Lundershausen.

Krankenhäuser sollten künftig stärker in Netzwerken zusammenarbeiten

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) verwies auf regionale und demografische Besonderheiten Thüringens. 75 Prozent der Bevölkerung lebten in ländlichen Regionen, zudem alterten die Thüringer schnell und bräuchten künftig mehr Pflege und Pfleger. „Diskussionen über Klinikschließungen führen uns nicht weiter, sondern sorgen für Verunsicherung und den Weggang weiter Fachleute“, sagte Werner.

Gundula Werner, Vorstandsvorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft, sieht das Land bei der Vergabe von Versorgungsaufträgen an die Krankenhäuser in der Verantwortung . Sie warnte davor, Leistungen und Personal wie auf einem Schachbrett zu verschieben. Nach Meinung von Maryam Schemken, Leiter für Versorgungsmanagement bei der AOK-Plus, sollten Krankenhäuser künftig stärker in Netzwerken zusammenarbeiten und die Versorgung auf dem Land auch über Telemedizin und Facharztkonsile organisieren.

Für Frank Lange vom Landesverband der leitenden Krankenhausärzte ist eine konsequentere Zusammenarbeit von ambulantem und stationärem Sektor unumgänglich. Ökonomie dürfe nicht das Primat der Versorgung sein. „Wer einen Systemwandel mit Spezialisierung, Kooperationen und sektorübergreifender Arbeitsteilung will, muss auch die Finanzierung des Gesundheitswesens völlig neu auf- und falsche Anreize durch die DRGs abstellen“, sagte der Arzt.